Eigentlich…

…wollte/sollte/müßte ich gerade in meiner Mittagspause entweder einen Post über ein gelesenes Buch oder über die erste Staffel von ‚Victoria‘ schreiben, aber mir fehlt gerade sowohl die Lust, als auch die Konzentration für beides.

Die letzten Tage waren in vielerlei Hinsicht anstrengend (nicht doof oder so), ich hatte in meiner Freizeit viel frische Luft, weil ich gerade zu Hause als Hilfsgärtner eingespannt bin (was bei einem Obergärtner, der einen genauen Plan im Kopf hat und nicht sonderlich kompromissbereit ist, nicht immer die pure Freude ist) und am Mittwoch bin ich, nachdem meine Wohnungstür hinter mir zufiel, einfach nur noch aufs Sofa gepumpst und konnte mich ziemlich lange nicht mehr dazu bewegen aufzustehen, um zum Beispiel duschen zu gehen oder auch nur meine Schuhe auszuziehen.

Als ich dann doch endlich mal so weit war, mich irgendwie berieseln zu lassen, bis der Ruf meines Bettes gar zu laut werden sollte, habe ich mich durch mindestens drei verschiedene Serienfolgen durchgespult, die ich eigentlich gerne anschauen wollte, auf die ich mich dann aber nicht konzentrieren konnte.

Und letztendlich bin ich dann an einer englischen Dokumentation hängen geblieben, die den Ex-Profifußballer Rio Ferdinand bei seiner Trauerbewältigung begleitet.
Rios Frau Rebecca ist 2015 mit 34 Jahren an einer aggressiven Form von Brustkrebs gestorben, das Paar hat drei gemeinsame Kinder, denen der Brite nun Mutter und Vater sein muss.

Als ein an Fußball interessierter Mensch ist mir der Name Rio Ferdinand natürlich ein Begriff, allerdings habe ich mich nie weiter mit ihm beschäftigt und die Skandale und Kontroversen mit/um ihn nur ganz am Rande mitbekommen.
Daher kann ich auch nicht wirklich beurteilen, woher sein Bedürfnis kommt, diese Dokumentation zu drehen oder ob seine Trauer ehrlich ist, aber einen Witwer, der sich selbst als eher verschlossen beschreibt, vor laufender Kamera weinen zu sehen, hat mich sehr berührt und ehrlich gesagt habe ich stellenweise beim Anschauen mit ihm mitgeheult.

Der Tod seiner Frau ist mit dem Tod meines Vaters nicht wirklich zu vergleichen (mein Vater war über 70, Rebecca war erst 34. Ich bin erwachsen, Rios Kinder sind noch sehr jung, etc.) und Menschen trauern sehr, sehr unterschiedlich, aber in manchem habe ich mich doch wiedererkannt.

Und ich finde es gut, daß in dieser Sendung immer wieder erwähnt wird, wie wichtig es ist, sich Zeit für seine Trauer zu nehmen!
Denn ich muss ganz ehrlich sagen, daß ich es mittlerweile bereue nach knapp zwei Wochen wieder in meinen Alltag zurückgekehrt zu sein.
Denn ich glaube für mich wäre es besser gewesen, manche Sachen länger/besser/mehr zu verarbeiten oder aufzuarbeiten….aber diese Zeit habe ich mir nicht genommen, weder Urlaub beantragt, noch beim Arzt auf eine längere Krankschreibung gedrungen, denn es war einfacher zur Normalität zurückzukehren.
Genauso ist es einfacher für Rio Ferdinand sich in Arbeit zu begraben und mit seinen Kindern aktiv zu sein…

Mein Vater ist in meinem Leben auch fast fünf Jahre nach seinem Tod noch sehr präsent, aber genauso präsent ist auch noch das Loch, das sein Tod gerissen hat.
An manche Dinge aus dieser Zeit erinnere ich mich noch sehr genau, andere sind nur noch verschwommen in meinem Kopf und wieder anderes ist einfach weg, was unter anderem dazu führt, daß die ganze Familie sehr unterschiedliche Erinnerungen an Papas Todestag und die darauffolgenden Tage hat…egal, wollte ich eigentlich alles gar nicht schreiben!

Auf jeden Fall hat mich die Dokumentation sehr berührt, ich fand es großartig, wie respektvoll das Kamerateam mit der Familie Ferdinand umgegangen ist und wie gut die Kinder geschützt wurden (man sieht sie, aber meist nur von weitem oder von hinten) und ich fand es toll, daß auch andere Witwer zu Wort kamen und Rio ihre Geschichte erzählt und ihm damit nach eigener Aussage teilweise sehr geholfen haben.
Und mir hat geholfen, daß ich mal so richtig geheult und mir ins Gedächtnis gerufen habe, daß Trauer nichts Unnormales oder Doofes ist, das man irgendwie und irgendwo wegpacken sollte!

Ich lasse einfach mal den Trailer hier, falls es jemand interessiert (ich glaube zur Zeit findet man aber auch die ganze Sendung auf YouTube) und spätestens am Montag gibts dann auch wieder Posts zu Serien und Büchern, ganz ohne Gefühlskram aus dem Seelenleben des Bloggers 🙂

Der Trailer zu: „Rio Ferdinand: Being Mum And Dad“

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14 Antworten zu Eigentlich…

  1. Guylty schreibt:

    Danke für diese Empfehlung, Herba. Ich habe die Doku gerade zu Ende geguckt und muss sagen, dass ich beeindruckend finde, wie offen und mutig Ferdinand die Herausforderung dann angeht. Ich habe für mich auch ein paar Dinge in dieser Doku gefunden, die ich noch mal überdenken muss. Ein eindringlicher, trauriger, aber dennoch irgendwie Optimismus verbreitender Film.

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  2. Esther schreibt:

    Oh mann, ich kann mir so vorstellen, dass der Film Dich so ergriffen hat. Ich glaube es würde mir genauso gehen…

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  3. Servetus schreibt:

    It’s still really hard for me to watch stuff like that — I think maybe if I hadn’t moved back into my parents‘ house it would be different but my mother is still really present here. Hugs from me to you. It feels like grief is never over, just postponed until there’s time.

    Looking forward to your reaction to Victoria. I saw about 2/3 of it.

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  4. linnetmoss schreibt:

    I’m intrigued by „Victoria“ too. Haven’t watched it yet, but liked „The Crown.“

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  5. Herba schreibt:

    @Guylty: Gerne. Ich fand den Spagat zwischen Traurigkeit und Optimismus auch sehr gelungen!

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  6. Herba schreibt:

    @Esther: Ja, das Thema Tod ist definitiv emotionaler für mich, seit mein Vater gestorben ist

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  7. Herba schreibt:

    @Serv: It was hard for me too but I guess I needed it somehow as an outlet that day… {{{Hugs back}}}

    Well, on the whole I liked it, but it felt more like Downton Abbey than a ‚real‘ historic piece (does that make any sense?)

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  8. Herba schreibt:

    @linnetmoss: The Crown is on my watchlist too, but I think at the moment I need something that’s less aristocratic 🙂

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  9. Esther schreibt:

    Ja, für mich auch…

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  10. linnetmoss schreibt:

    In that case, anything with Melissa McCarthy 🙂

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  11. Servetus schreibt:

    I think that’s accurate — tell me what you think when you see the scene when they’re on the train. It reminded me of another fluffy historical film you have probably seen 🙂

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  12. Herba schreibt:

    @linnetmoss: *lol* at the moment i am more in a somehow bloody mood and prefare a bit of action, but generally I like Melissa McCarthy 🙂

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  13. Herba schreibt:

    @Serv: oh I finished it. In fact my mum and I watched the whole thing during two days 🙂
    You’re right about the train ride but for me John and Maggie had a bit more chemistry than this Vicky and her Bertie 😉

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  14. Hariclea schreibt:

    I freue much dass du drauf gestolpert bist, ich habe es mir auch neulich angesehen und war sehr beruhrt, sehr gut gemacht und ich schatze dass er so offen wie es ging uber die Probleme sprach denn Manner sind oft allein mit ihrer Trauer und haben manchmal weniger support Systheme als Frauen in solchen situationen. Es wurde sehr geschatzt und in der Presse wurde auch mehr druber gesprochen.
    Bzgl Victoria bin ich gespannt, aber werde auf ein Post warten 😉 Ich glaube nicht dass ich mir S ansehe. Auf crown war ich gespannt aber leider habe ich kein Netflix Abo also sehr unwahrscheinlich dass ich es mir ansehen werde.. es hat aber gute Kritiken gehabt.

    Schicke dir ne Umarmung!

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