Die Schöne und das Biest (Originalversion, 3D)

Irgendwo in Frankreich zu Zeiten des Rokoko findet auf einem Schloß ein Ball statt, während draußen ein Sturm tobt.
Eine Bettlerin (Hattie Morahan) sucht Zuflucht im Schloß und bietet dem Schloßherrn (Dan Stevens) eine Rose an, wenn sie bleiben darf, doch der arrogante Prinz lehnt ab und wird dafür von der Bettlerin zu einem Dasein als Biest verflucht, das nur die Liebe retten kann.
Jahre später verirrt sich der Erfinder Maurice (Kevin Kline) in das verfluchte Schloß und wird dort vom zum Biest verwandelten Prinzen gefangen genommen, weil er im Garten eine Rose für seine Tochter Belle (Emma Watson) pflücken wollte.
Belle sucht ihren verschwundenen Vater, bleibt für ihn als Gefangen im Schloss und freundet sich schließlich mit dem Biest an.
Wird es den Beiden gelingen, die eigenen Vorurteile und den Fluch zu besiegen?

Normalerweise versuche ich ja nicht zu spoilern, aber hier ist es mir ein Bedrüfnis gleich am Anfang alle eventuellen Bedenken zu zerstreuen!
Nein, niemand hat irgendwelche schwerwiegenden Änderungen vorgenommen, Gaston darf wieder nicht mit dem Biest in den Sonnenuntergang reiten und Belle und das Biest kriegen sich auch in dieser Filmversion!

Wie unterscheidet sich also diese Version von allen anderen Vorgängern?
Hierzu kann ich leider keine wirklich differenzierte Aussage treffen, weil ich mich bewußt gerade nur an die Comic-Disney-Version von 1991 erinnern kann.
Ich würde aber sagen, daß sich die aktuelle Version vor allem durch die ausgeprägte CGI-Technik von allen Vorgängern unterscheidet.
Gerade am Anfang bei Belle im Dorf wirkt dadurch auch einiges extrem künstlich und mir sind einige Sequenzen aufgefallen, wo es sehr auffiel, daß der betreffende Schauspieler beim Drehen vor einem Greenscreen stand, was ich sehr schade finde, weil dadurch die Illusion ein wenig verloren geht.
Aber ich fand die Aufmachung trotzdem sehr liebevoll und sehr stark an der Comicversion orientiert, so das ich mich gleich irgendwie zu Hause gefühlt habe.

Emma Watson ist für meinen Geschmack eine zauberhafte Belle, allerdings könnte sie noch ein wenig an ihrer allgemeinen Ausdrucksfähigkeit und gefühlsmäßigen Glaubwürdigkeit arbeiten.
Dan Stevens mag ich seit seinen Downton-Abbey-Tagen sehr gerne, bin aber was die Besetzung als Biest angeht immer noch etwas zwiegespalten.
In der Szene, die die Verwünschung des Biests erzählt, ist er wie ein typischer Rokoko-Mann kostümiert und diesen Kleidungsstil finde ich allgemein so affig, daß es jeder Typ schwer bei mir hat, der so über den Bildschirm oder die Bühne hüpft.
Das Biest war dann zum Glück nicht so überzeichnet, wie ich es nach dem Anschauen eines Trailers befürchtet hatte, aber ich hätte mir trotzdem mehr von Stevens eigener Mimik gewünscht. Zum Glück arbeitet er viel mit den Augen, transportiert damit viel Gefühl und das macht er auch wirklich gut.
Nach der Verwandlung habe ich mich einmal mehr gefragt, wieso es finanzstarke Produktionen es nicht schaffen, anständig aussehende Perücken für ihre Hauptdarsteller anzuschaffen – das Ding, das der gute Dan da auf dem Kopf hatte, war nämlich ganz furchtbar!
Allerdings sah er in der Schlussszene in babyblauem Satin, mit hohen Hacken und Haarrollen über den Ohren auch nicht besser aus. Fast wünscht man sich das haarige Biest zurück und ich kann Belle nur von ganzem Herzen zustimmen, als sie sagt: „How do you feel about growing a beard?!“

Neben Stevens und Watson glänzt der Film mit einem hochkarätigem Cast, der durch die Verwünschung allerdings hauptsächlich stimmlich glänzen kann.
Absolut zauberhaft fand ich Emma Thompson als Madame Pottine und auch Kevin Kline als Belles Vater hat mir gefallen.
Ganz klar sticht aber Luke Evans als Gaston wirklich alle aus, denn er hat mich sowohl darstellerisch als auch gesanglich wirklich beeindruckt.
Obwohl er körperlich nicht halb so aufgepumpt wie der Comic-Gaston daherkommt, verleiht er seinem Gaston ein Ego, das kaum durch eine Tür passt und gibt der Figur so den richtigen Touch.
Von komisch-debil bis gewalttätig-gemein stellt Evans Gastons Emotionen glaubhaft da und zeigt dabei so viel Spielfreude, das es einfach Spaß macht ihm zuzusehen.
Dazu kommt dann noch eine gute Chemie mit seinem Partner Josh Gad alias LeFou.

Der mir gut bekannte Soundtrack hat trotz der neuen Interpreten und der zwei, drei neuen Lieder einen hohen Wiedererkennungswert. Ich mag diese Lieder einfach gern, auch wenn ich mir wie immer bei Musical-Filmen ein wenig mehr Dialoge und weniger Geträller gewünscht hätte.
Gesanglich ist mir niemand negativ aufgefallen, wobei Luke Evans schon am professionellsten klang.

Die neu hinzugefügten Szenen, um ein wenig mehr Licht auf den Hintergrund von Belle und dem Biest zu werfen, fand ich eigentlich sehr schön, aber nun komme ich zu meinem größten Kritikpunkt:
Die Entwicklung zwischen Belle und dem Biest von Abscheu zu Liebe ging mir zu schnell und das bei einer Filmlänge von 130 Minuten.
Das habe ich aus der Comicversion irgendwie schöner und auch schlüssiger in Erinnerung, obwohl für mich ein Live-Action-Film, die erwachsenere Variante eines bekannten Stoffes sein sollte.
Natürlich habe ich nicht erwartet, daß ich wilde Knutschereien zu sehen bekomme, aber ein wenig mehr Tuchfühlung in Form von Berührungen, aber auch in Form von Dialogen hätte es dann schon für mich sein dürfen.

Trotzdem kam beim Anschauen keine Langeweile auf, ich habe mich gut unterhalten gefühlt und so liege ich mit meiner Bewertung wohl irgendwo zwischen den Lagern ‚totale Euphorie‘ und ‚abgrundtiefer Enttäuschung‘ (im Vorfeld habe ich nämlich nur diese beiden Meinungen gelesen und bin nun sehr froh, daß ich irgendwo dazwischen liege).

Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

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12 Antworten zu Die Schöne und das Biest (Originalversion, 3D)

  1. CraMERRY schreibt:

    Ich bekam hier auch am WE eine Kurzkritik meiner musikkritischen Tochter: Emma W ganz reizend, aber Stimme durchaus ausbaufähig; Dan S: himmelblaue Satinstrumpfhose *würg* und warum zur Hölle habe man seine Singstimme künstlich nach unten gepitched???? Emma T: sehr routiniert und klingt überzeugend; aber dann Luke E! Da kriegte eine leuchtende Augen 😊 Wurde mir alles mit Hörbespielen schlüssig belegt 😀 Kann ich nachvollziehen, bloß das mit den Steumofhosen habe ich noch nicht geprüft …..

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  2. Camassia schreibt:

    Ich kann dir in allen Punkten zustimmen.
    Ich bin auch trotz mieser Kritiken rein, hpts. wegen Luke Evans und seine Szenen und Gessang fand ich auch richtig gut. EW hat ihre Sache auch recht gut gemacht und wirkte passenderweise mädchenhaft und nicht zu aufgedröselt.
    Allerdings fragte ich mich auch am Schluss, was, ist jetzt schon die Verwandlung dran? Das ging irgendwie blitzschnell rum, ich weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Vielleicht bei den doch sehr langen Liedpassagen? Der Film wirkte wie komplett im Studio hergestellt (gab es überhaupt Außenaufnahmen?) und hat mich irgendwie ausstattungsmäßig an Alice Through the Looking Glass erinnert, detailreich, aber eben auch sehr künstlich.
    Dan Stevens hätte von mir aus Biest bleiben können, da hatte er irgendwie mehr Charisma (bis auf die Tatzen:)
    Alles in allem, mit der Musik und den vielen Darstellern, fand ich den Besuch doch lohnenswert.

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  3. Sarah schreibt:

    Ich hatte sehr viel Spaß bei dem Film. Er soll nicht besser sein als das original und will es auch nicht. Einige Sachen wurden bereinigt und gefüllt. Ich war vor allem von den neuen Songs begeistert, allen voran Days in the sun. Und mein absoluter Liebling: Die Annährung über die Literatur. Ich habe mich nämlich immer gefragt: Was macht dieses Biest so den ganzen Tag außer über der Rose finster zu brüten? Und das kleine Shakespearebashing.. JA: Romeo und Julia ist ÜBERBEWERTET, es gibt besseres von ihm zu lesen.
    Vor allem Luke Evans konnte nach dem versemmelten Bard bei mir hier wirklich einige Punkte holen – ich war hin und weg von seinem Gaston.
    Allerdings musste ich die Version mit der 2014 entstandenen französischen Variante vergleichen und da muss ich sagen: Disney Orpulenz war schon einen zacken besser, wobei… Vincent Cassel wohl eher mein Lieblingsbiest bleiben wird.

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  4. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Ich als Musik-Laie habe mit Schauspielern ja immer ein wenig Geduld, wenn sie nicht komplett grausig klingen, von daher war EW für mich echt in Ordnung und um einiges besser als zum Beispiel Emma Stone in La La Land 🙂
    Sie haben Dan Stevens Stimme nach unten verlegt? Sicher? War das nicht einfach seine normale Stimme?
    Luke merkt man halt einfach an, daß er erstens vom Fach und zweitens ein gesangesfreudiger Waliser ist 🙂
    Steumofhosen = Strumpfhosen? Das ganze babyblaue Satingedöns war schrecklich, nicht nur die Strumpfhosen *lol*

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  5. Herba schreibt:

    @Camassia: Ich glaube, der einzige, der mal Frischluft schnuppern durfte, war der Schimmel, als er vom Schloss abhaut und durchs Grüne rennt. Da sah mir eine EInstellung sehr nach realer Welt aus und als sie dann wieder in die CGI-Welt umgestellt haben, war das sehr auffällig. Das dauert allerdings auch nur circa 5 Sekunden 🙂
    Und ja, ich bin auch froh, daß ich ihn auf der großen Leinwand gesehen habe und werde ihn mir früher oder später auf DVD sicher noch einmal anschauen.

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  6. Herba schreibt:

    @Sarah: „Er soll nicht besser sein als das original und will es auch nicht.“ Hast Du dafür einen Beleg (Zitat eines Verantwortlichen o.ä.) oder vermutest du das?
    Über das augenrollende Biest beim Thema Shakespeare mußte ich auch sehr grinsen, weil das einfach charmant und auch so ein typisches Jungs/Mädels-Ding ist – sie ist hin und weg weils so romantisch ist und er findets doof 🙂
    Die französische Variante mit Cassel hab ich nicht gesehen, daher konnte ich keinen Vergleich ziehen.

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  7. Sarah schreibt:

    Nein, ieinen Beleg habe ich nicht. Ich vermute es selbst. Bei den Diskussion der letzten Wochen habe ich mich auch bewusst rausgehalten und erst den Film geschaut – er nimmt das Original, beseitigt einige Logikfehler und spielt ein bisschen mit der Nostalgie der Zuschauer – so zumindest das, was ich vom Film mitgenommen habe. Und er gibt einige kleine Twists, wie etwa Maurice als Witwer, die „Gay-Scenes“ mit LeFou oder das die Bewohner des Schloßes tatsächlich ein Rennen gegen die Zeit führen (auch wenn ich wusste, es geht gut aus, ich hab beim letzten Blütenblatt doch gezittert, dass es gut geht).
    Fand ich auch, so war die Liebesgeschichte, auch wenn sie sehr hopplahopp ging, irgendwie angenehmer, das es nicht nur um „alles so romantisch“ und Lumiere kuppelt, sondern die zwei haben auch wirklich „Diskussionspunkte“ – und er, der belesene Mann führt sie in die richtige Literatur ein *lach* ein Hipster alter Schule. Ich glaube aber da zitiert sie was aus dem Mittsommernachtstraum.

    Sie ist sehr interessant gemacht – vor allem stellt sie eher Bezüge zu der 1940er Variante her, besonders die Optik des Biestes. Und Lea Seydoux als Belle ist schon ein anderes Kaliber.

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  8. Esther schreibt:

    Ich gehe nächste Woche hin, bin gespannt!

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  9. Herba schreibt:

    @Sarah: Ich hatte, grade durch die neuen Szenen und den Ausbau mancher Figuren, eigentlich schon den Eindruck, daß der Regisseur Bill Condon bzw die Drehbuchschreiber den Anspruch hatten, das Ausgangsmaterial zu ‚verbessern’/auszubauen. Aber wenn es dazu keine Aussagen der betreffenden Personen gibt, ist das ja sowieso alles nur Ansichtssache/Empfinden des jeweiligen Betrachters.
    Die Darstellung der Liebesgeschichte fand ich auch gut und plausibel, aber trotzdem war’s mir im Ganzen zu dünn dargestellt…

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  10. Herba schreibt:

    @Esther: Viel Spaß beim Anschauen! Ich bin gespannt, was DU dann hinterher dazu sagst!

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  11. Sarah schreibt:

    Ja. den Eindruck hatte ich auch. Nur hatte ich nicht das Gefühl, das man das Original übertreffen wollte, sondern Logiklücken schließen und sowohl Figuren als auch Handlungen verbessert hat. Besonders diese Thematik, dass die Figuren auf einem Pulverfass Namens Zeit sitzen. Das gefiel mir besonders gut.
    Dünn wars, logisch – aber es ist eben ein Disney-Märchen =D Ich glaube ich habe bei allen Love-Storys selten eine gesehen die sich lansgam entwickelt hat.

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  12. Herba schreibt:

    @Sarah: Den Zeitfaktor habe ich bei dieser Variante auch stärker gespürt als bei der ‚alten‘ Version.
    Ich glaube, ich bin hier einfach kritischer, weils die Menschenversion ist und ich von Schauspielern einfach mehr erwarte als von Comicfiguren, auch wenn das irgendwie leicht gaga ist 🙂

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