Silence (Originalversion)

Portugal, 1638:
Der jesuitische Priester und Missionar Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) ist in Japan verschollen und soll Gerüchten zufolge von seinem Glauben abgefallen sein.
Sein ehemaliger Schützling, der junge Jesuit Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und dessen Freund Pater Francisco Garupe (Adam Driver) können das nicht glauben und reisen selbst nach Japan, um Ferreira ausfindig zu machen.
Können die beiden jungen Männer ihn finden, ohne dabei der japanischen Inquisition in die Hände zu fallen?

Puh, etwas zu diesem Historiendrama zu schreiben, fällt mir ganz schön schwer!
Asiatische Filmstoffe sind ja eher nicht so meins, aber wenn Liam Neeson endlich mal wieder einen Film dreht, in dem er nicht den Actionheld gibt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß ich ihn mir anschaue.
Und da ich durch ‚Hacksaw Ridge‚ vor kurzem Andrew Garfield entdeckt habe, lag es schon nahe, auch ‚Silence‚ eine Chance zu geben.
Der Film der auf einem Roman von Shūsaku Endō basiert, spielt in einem Japan, das Christen verfolgt, zur Rück-Konvertierung zum Buddhismus zwingt oder sie umbringt und von diesen Geschehnissen wußte ich gar nichts, daher hat sich allein deswegen das Anschauen schon für mich gelohnt.
Aber auch die vielen Fragen, die der Film aufwirft, aber letztendlich nicht wirklich beantwortet, fand ich spannend, weil sie viele Denkanstöße bieten und teilweise immer noch durch meinen Kopf geistern.
Die dargestellten Personen waren mir nur teilweise sympathisch, keiner ist nur gut oder böse, selbst der japanische Inquisitor und Gouverneur Inoue Masashige[ (Issei Ogata) ist zwar erbarmungslos, wird aber eher als Pragmatiker, denn als Sadist skizziert.
Und über Pater Rodrigues habe ich mich schon allein deswegen geärgert, weil er die Sprache seiner Schäfchen nicht spricht und auch keinerlei Anstalten macht, sie zu lernen. Das bestätigt alle meine Vorurteile gegenüber Christen im allgemeinen und Katholiken im Besonderen!
Schauspielerisch habe ich beim gesamten Cast wenig auszusetzten. Leider taucht Ciaran Hinds als Pater Alessandro Valignano nur in einer kleinen Szene auf und auch von Liam Neeson hätte ich mir mehr Spielzeit gewünscht, aber dazu konzentriert sich die Geschichte einfach zu sehr auf die Erlebnisse und die Gefühlswelt von Rodrigues.
Merkwürdige englische Akzente oder Ausrutscher bei ihnen fallen mir als Nicht-Muttersprachler eher weniger auf, aber Andrew Garfield hat sich meiner Meinung nach während der 159 Minuten öfter mal verhauen, was ich etwas schade fand, weil er seinen Akzent bei ‚Hacksaw Ridge‘ eigentlich recht konsequent durchgehalten hat.
Außerdem weiß ich auch gar nicht, was das darstellen sollte – ein Portugiese, der Englisch mit portugiesischem Akzent spricht?
Die Bildsprache des Films fand ich gerade in der ersten Hälfte wunderschön, das verliert sich leider irgendwann etwas.
Quasi angesprungen hat mich die mehr oder weniger komplett fehlende Filmmusik, weil ich es sehr selten erlebe, daß man die Szenerie und Dialoge so ungestört verfolgen kann. Bei ‚Silence‘ fand ich es absolut passend und ich würde mir wünschen, daß Filmemache allgemein wieder etwas sparsamer mit dem Einsatz von Filmmusik umgehen würden!
Die Folter- bzw. Hinrichtungsszenen sind stellenweise recht graphisch, aber meiner Meinung nach nicht zu übertrieben. Trotzdem sollte man den Film vielleicht meiden, wenn man Probleme mit dargestellter Gewalt hat.
Insgesamt war ich überrascht, wie gut mein Hintern und ich die 159 Minuten des Films überstanden haben, ohne gelangweilt zu sein oder den Faden zu verlieren und ich kann ‚Silence‘ durchaus an Zuschauer weiterempfehlen, die sich gerne mit historischen Stoffen und/oder philosophischen Fragen auseinandersetzten.

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19 Antworten zu Silence (Originalversion)

  1. linnetmoss schreibt:

    Great review. It does move slowly but that gives you a chance to drink in the visual aspect and to think about the ethical dilemmas. I wish Ciarán Hinds and Liam Neeson had bigger roles too. But what they had was great! As for the languages, historically speaking, the Jesuits were very advanced about learning the language of those they wanted to convert. In the book, the two young priests prepare by learning Japanese as well as they can without native teachers (because Japan was so closed off), and their language skills get better after they arrive.

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  2. Servetus schreibt:

    Garfield’s accent was all over the place; I had to keep reminding myself that he was supposed to be Portuguese (I think that was why they wanted him to have the accent — to keep reminding us that he was Portuguese. This is primarily of historical significance rather than plot significance, I think. Catholicism was banned in 1614, but 1638 is the year after the Shimabara Rebellion, which the Japanese authorities attributed primarily to the Portuguese and which led to their expulsion. I suppose if you knew all that you would realize that Father Rodrigues was doubly interdicted, both as Jesuit and as Portuguese, but I can’t imagine most audience members know or care). Jesuits on the whole were known for being much more sensitive to local cultures and languages than other missionaries (they got in a whole wrangle over this in Japan with the Franciscans and Augustinians) and it meant that they had a high rate of appearance in early modern heresy prosecutions. Their friendliness to local culture, probably due to their very high level of education in comparison to most missionaries, meant that they embraced syncretistic mission (for instance, in China, they did not reject veneration of ancestors so typical to Confucianism) and were sometimes willing not to be so doctrinaire theologically (the film shows this dilemma in a very oblique way).

    I’ve been observing the reactions of my friends to this film with a high level of interest. Endo’s Catholicism makes the novel more interesting to me; he doesn’t regard the mere fact of (Jesuit) mission itself as a mark of inherent illegitimacy, despite it being a motivator for and consequence of European imperialism. Not everyone I know is willing to embrace this position; a lot of my friends see the apparent approval of Xty / mission in the film as delegitimating of the conflicts that run through the story — i.e., their response to the film seems to be essentially, „well, if you didn’t engage in mission then you wouldn’t have these moral conflicts, then, would you?“ Scorsese really does a great job, I think, of both showing the highly mystical nature of the Jesuits (that one scene where the priest is doing the Spiritual Exercises is masterful, I think) and why mission itself would have a quasi-mystical significance to a Jesuit (quite apart from „saving the souls of heathens“). „The blood of the martyrs is the seed of the church“ — which if I recall correctly doesn’t appear in the novel, and was added by the historical consultant — is something that applies both to the Jesuits and the martyred Japanese, and that very fact would have been important to early modern Jesuits. I agree with the criticism of the film I’ve seen raised that the book does a better job of making real and legitimate the concerns of the Japanese — while Inoue does state them, they don’t become a true matter of conflict as the film is so focused on the mystical spiritual experience of the Jesuits and their ensuing moral dilemmas. I also am troubled by the changed ending of the film — that is pure Scorsese and somewhat cheapens the moral position that I think Endo would have embraced. The issue in the end seems to be not that Father R. stuck to his faith after all those years, but rather that there are different kinds of martyrdom and that for Jesuits, apostasy was one of them.

    But I think for viewers that can embrace (even hypothetically) the point of mission from the Jesuit perspective, not as an other-directed, but as an inward directed, activity, the film is very good, maybe even great.

    OK, I didn’t want to write a review of this on my blog; I apologize for doing it in your comments. Can you tell I really liked the film?

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  3. Herba schreibt:

    @linnetmoss: Thanks :*
    I think the slow development of the story was a good thing too. It’s a shame the learning of the language was omitted in the movie!!!

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  4. Herba schreibt:

    @Serv: Danke für Deinen interessanten Kommentar (und keine Sorge wegen der Länge, das ist kein Problem!)!!! Der macht mir wirklich Lust das Buch doch noch zu lesen.
    Ich habe keine Ahnung, wie ein Portugiese klingen sollte, der Englisch spricht, von daher hätten sie sich das für mich schenken können. Dass Garfields Akzent zwischendurch sehr merkwürdig klang, ist mir aber wie gesagt, dann aber schon aufgefallen.
    Für mich als nicht besonders religiöser Mensch und irgendwie doch Christ (macht das Sinn?) war vermutlich vor allem spannend, wie stark ausgeprägt der Glauben der jungen Jesuiten und teilweise auch der Japaner ist, welche leicht merkwürdigen Blüten das Ganze treibt (leicht kurios wie der japanische Konvertit immer wieder „Verrat“ begeht und doch immer wieder beichten will) und wie scheinbar pragmatisch Ferreira mit seiner Situation umgeht, nachdem er gebrochen wurde.
    AUf jeden Fall insgesamt ein Film, der viel Futter zum Nachdenken bietet und sowas finde ich immer gut!

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  5. Servetus schreibt:

    I think Christians engaged in early modern mission were fully blind, in many cases, to the ways in which Xty itself is undergirded with western cultural assumptions. (There’s that story about the missionary who insisted to an African man he was converting that he could only have one wife, so the African man killed his second wife and then showed up to be baptized. I’ve never thought it was a true story, but it illustrates the problem: the missionary thinks the African can just divorce the wife and the African realizes that if he sets aside his wife, he’s condemning her to starvation.) They showed up to share the Gospel and had no idea how it would sound in completely different frameworks.

    That theme of the man who keeps wanting to confess is really interesting. I think that it’s supposed to reference Xian cultural tropes of the demon who will not leave one alone, although the demon is just as much Fr. R’s fading hopes about „real“ conversion as it is the constant betrayals the man commits. I found it interesting because when I used to engage in Jewish-Christian dialogue (Gesellschaft für christliche jüdische Zusammenarbeit) that was often one of the biggest complaints that Jews had about Christians: that they could simply confess their sins and have it be „over.“ What seems like a ritual deep significance looks superficial to others. I don’t know how Japanese religion(s) saw that.

    re: somehow a Christian but not very religious — I don’t think it’s that unusual. Religion touches on and connects a lot of different strands in life and it’s expressed differently everywhere I’ve lived, even within the US.

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  6. Morgen Luft schreibt:

    Mit der Musik gebe ich dir vollkommen Recht. Mir fällt das in letzter Zeit auch verstärkt auf. Nimmt einem irgendwie das Fühlen ab…

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  7. Herba schreibt:

    @Serv: Die Geschichte illustriert wirklich großartig ein Problem, das sich sicher nicht nur auf Missionierung im religiösen Sinn beziehen läßt.

    Nicht alle Christen gehen zur Beichte, aber ich kann verstehen, daß Juden das kritisieren, weil ich das bei Katholiken auch kritisiere 🙂

    Ja, ich denke, das das mittlerweile in der westlichen Welt schon nicht sungewöhnliches ist. Für mich ist Religion bzw Christentum vor allem als historischer Hintergrund oder wenn man so will kulturelle Wurzeln wichtig. Meinenn Glauben oder Unglauben habe ich bisher nie genauer definiert und ob ich in die Kirche gehe, hängt sehr stark von den Leuten ab, die sich in der Gemeinde tummeln…

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  8. Herba schreibt:

    @Morgen Luft: Ja und ich mag es einfach nicht, wenn ich das Gefühl bekomme, daß ich gerade per Holzhammer eingetrichtert bekomme, was ich fühlen soll. Genauso bescheuert, wie ein Filme- oder Serienmacher, der dem Publikum genau mitteilt, was man in welcher Szene denken sollte. Wenn ich da als Zuschauer nicht ansatzweise selber drauf komme und jemanden brauche, der mir das explizit mitteilt, haben die Filme-, Serienmacher meiner Meinung nach keinen guten Job gemacht!

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  9. Morgen Luft schreibt:

    Kann man nicht besser sagen.

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  10. Servetus schreibt:

    Nicht nur bei Katholiken. Evangelische Christen haben auch eine Sündenbekenntnis im Gottesdienst, die jedes Mal vor dem Abendmahl stattfindet. Es ist auf dieser Weise auch potentiell leichter für Protestanten als für Katholiken, denn man muß nicht jede einzelne von sich selbst begangene Sünde auflisten, sonder nur im allgemeinen bekennen, daß man gesündigt hat. Dann wird eine allgemeine Vergebung von dem Pastor / der Pastorin ausgesprochen.

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  11. Servetus schreibt:

    here’s an example from the Hessisches Gesangbuch:

    http://www.ekhn.de/glaube/gottesdienst/die-liturgie.html

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  12. Herba schreibt:

    @Serv: Damit hast du natürlich absolut Recht. Ich weiß nicht wie oft ich das schon gesungen habe, ohne es wirklich als ‚Beichte‘ wahrzunehmen 🙂

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  13. Servetus schreibt:

    I don’t think that’s unusual either 🙂 We’re just right in the middle of my historical specialty here … early modern religious history / Reformation. Oh, that and I went to church services a minimum of twice a week for my entire childhood. I’ve always liked the German confession of sins. This is the one I grew up with: „I, a poor, miserable sinner, confess to thee all my sins and iniquities, with which I have ever offended thee. I justly deserve thy temporal and eternal punishment. But I am heartily sorry for them and sincerely repent of them; and I pray thee, of thy boundless mercy, and for the sake of the holy, innocent, bitter suffering and death of thy beloved Son, Jesus Christ, to be gracious and merciful to me, a poor, sinful being.“ Kind of sticks in the memory …

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  14. Herba schreibt:

    @Serv: Dagegen ist das meiner Kindheit (deinem Link zu entnehmen) ja sowas von weichgespült…

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  15. Pingback: Moonlight (Originalversion) | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  16. Esther schreibt:

    Mir hat der Film auch so gut gefallen!!

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  17. Servetus schreibt:

    und damit wahrscheinlich gerade in der Hinsicht viel glücklicher. Ich habe wenige Klagen über meine Kindheit, mindestens nicht, was es die Religion angeht, aber streng war es schon.

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  18. Herba schreibt:

    @Serv: ein bißchen mehr Strenge bzw Struktur würde den Kindern von heute manchmal gut tun, wenn Du mich fragst!

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  19. Pingback: More on the “accurate accent” question #richardarmitage | Me + Richard Armitage

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