Hacksaw Ridge – Die Entscheidung (Originalversion)

Desmond Doss (Andrew Garfield) wächst mit seinem Bruder Hal (Nathaniel Buzolic) bei seinen Eltern bei Lynchburg, Virginia auf.
Sein Vater (Hugo Weaving) ein tief traumatisierter Veteran aus dem 1. Weltkrieg, trinkt und verprügelt die ganze Familie regelmäßig.
Diese Gewalt überträgt sich auch auf seine Söhne und als der junge Desmond bei einer Prügelei fast Hal erschlägt, wird Gottes Gebot ‚Du sollst nicht töten‘ zu einer Obsession.
Erwachsen möchte Desmond gerne Sanitäter werden, um anderen Menschen zu helfen. Als die USA in den 2. Weltkrieg will Desmond unbedingt seinem Land dienen, aber ohne dabei Dienst an der Waffe zu tun.
Wird der junge Mann es schaffen, diversen Wiederständen zum Trotz, als Sanitäter ohne Waffe in den Krieg zu ziehen?

Im Vorfeld dieses Kinobesuchs haben wir heftig darüber diskutiert, ob man Mel Gibson, den Regisseur des Films, wegen seiner antisemitischen und homophoben Äußerungen nicht besser boykottieren sollte.
Wir sind zu keinem wirklichen Ergebnis gekommen, aber letztendlich sind alle mitgekommen, um den Film anzuschauen.
Ich bin mit Mel Gibsons Filmen aufgewachsen, sehe ihn seit seinen Skandalen mit anderen Augen und habe seit ‚Was Frauen wollen‚ keiner seiner Filme im Kino gesehen, wobei ich nicht genau sagen kann, ob das bewußt oder unbewußt passiert ist.
Hacksaw Ridge‚ hätte ich mir, trotz einiger Awardnominierungen, vermutlich allein auch nicht im Kino angeschaut, weil ich zur Zeit eher nicht in der Stimmung für extreme Kriegsfilme bin.

Der Film beginnt mit einer heftigen Kampfszene und Andrew Garfields Stimme aus dem Off, die über Gott und Glaube spricht und schwenkt dann auf zwei kleinen Jungs um, die um die Wette laufen und klettern.
Diese Szenen aus Desmonds Jugend wirken sehr idyllisch und stehen im starken Kontrast zu der allerersten (Kampf)Szene.
Doch sobald man Hugo Weaving, der Desmonds Vater spielt betrunken zwischen lauter Soldatenkreuzen auf einem Friedhof stehen sieht, ahnt man als Zuschauer, daß dieser Eindruck trügt.
Und so ist es auch, denn ganz schnell werden die Probleme in der Familie Doss thematisiert und die Heftigkeit mit der diese sich manifestieren, hat mich mehr als einmal zusammenzucken lassen, vor allem weil Hugo Weaving, aber auch Rachel Griffiths als Mutter Doss, so eine großartige Performance abliefern.
Die Liebesgeschichte zwischen Desmond und Dorothy (Teresa Palmer) fand ich sehr schön inszeniert und weil die Chemie zwischen Palmer und Garfield stimmt, nimmt man ihnen die Liebe auf den ersten Blick auch ab.
Garfield, zu dem ich bis jetzt keine großartige Meinung hatte, weil ich noch nichts mit ihm gesehen habe, hat mich mit der Art, wie er Doss spielt, beeindruckt, auch wenn er mir in der ersten Hälfte des Filmes zwischendurch vielleicht ein klein wenig zu naiv-kindlich erschien.
Aber ich denke, daß die Rolle genau so angelegt ist, um den ein wenig naiven und doch festen Glauben von Doss zu thematisieren.
Umso schwerer fand ich es dann mitansehen zu müssen, wie Doss während der Grundausbildung von den anderen Soldaten seiner Einheit behandelt wird.
Und doch kämpft er weiter für sein Ziel seinem Land zu dienen.
Genau diese Thematik macht den Film für mich persönlich übrigens auch nicht zum Anti-Kriegsfilm, aber das ist sicher Ansichtssache.
Nach ungefähr der Hälfte der Spielzeit ändert sich die Szenerie und damit auch der ganze Ton des Films.
Mit der Entsendung von Doss und seinen Kameraden nach Japan wird alles düsterer und es folgen Kriegsszenen, die graphisch, stellenweise schwer zu ertragen und ein Indiz dafür sind, daß Krieg ein schauriges Geschäft ist!
Außerdem schaut man dabei zu, wie Doss zum Held wird und seine Kameraden ihre Meinung über ihn ändern müssen.
Dabei stechen für mich leistungstechnisch die Schauspieler Sam Worthington, Luke Bracey und überraschenderweise auch Vince Vaughn heraus.
Auch überrascht war ich über den relativ moderaten Gebrauch von Pathos; da ist man aus anderen us-amerikanischen (Kriegs)Filmen definitiv schlimmeres gewöhnt.
Dafür wurde hier dann der christliche Glauben für meinen Geschmack etwas zu oft ins Spiel gebracht, auch wenn ich natürlich weiß, daß Doss ein gläubiger Christ ist und man seine Geschichte schlecht erzählen kann, ohne das zu thematisieren.
Aber wenn ein Soldat sich extra in Lebensgefahr bringt, um die Bibel seines Kameraden zu bergen, finde ich das eben doch etwas dick aufgetragen.
Was mich zu der Frage bringt, wie akkurat die Wiedergabe von Doss Geschichte ist.
Seine Familie ist wohl recht zufrieden mit dem Ergebnis, die Macher haben aber definitiv eine Ereignisse zeitlich gestrafft und so erscheint Desmond noch heroischer, als er eigentlich war – womit ich seinen Mut keineswegs schmälern möchte.
Mich hat seine Geschichte nämlich durchaus gefesselt und auch berührt und so bin ich froh, daß ich den Film gesehen habe, auch wenn ich einiges durchaus kritisch sehe.
Andrew Garfield werde ich nun übrigens nach seiner beeindruckenden Darstellung im Auge behalten und hoffentlich im März in ‚Silence‘ wiedersehen.

Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

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6 Antworten zu Hacksaw Ridge – Die Entscheidung (Originalversion)

  1. CraMERRY schreibt:

    Ich kenne Andrew Garfield aus „The amazing Spiderman“ und fand ihn dort bereits sehr ausdrucksstark. Nach Kriegsfilm ist mir derzeit allerdings nicht.

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  2. Servetus schreibt:

    Garfield was in „Silence“ — he was good but his accent was all over the place. I’m not going to see this one b/c I don’t like war films and now that I no longer teach students this period of history I don’t have to subject myself to this stuff. I don’t know about how accurate the film is but the detail with the Bible is just the kind of pathos-causing detail that someone like Gibson would put into a story like this one.

    re: Gibson — I think the last film of his I’ve seen might have been Chicken Run? It’s not a conscious boycott so much as the films don’t interest me much. The stories about his adherence to a weird sectarian Catholicism, alcohol abuse, domestic violence restraining order, and anti-Semitic statements would cause me pause if I wanted to see his films — although I am most bothered by his threats to his partner. I’m always torn about these things because I do think „in vino veritas.“ If he blames Jews for his problems while he’s drunk, that’s probably his worldview. On the other hand, what’s more important to me is how people behave / what they do, and if he hates Jews personally, his behavior doesn’t really reflect that and he works in an industry where there are a lot of Jews. So if I were picking a reason to consciously boycott his films I’d pick his domestic violence — which probably relates to his alcohol abuse. (if that makes any sense).

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  3. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Spider Man ist komplett an mir vorbei gegangen, das ist einer der Comics, die mir so gar nichts sagen und bis jetzt war der Anreiz nie groß genug, trotzdem zu schauen.

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  4. Herba schreibt:

    @Serv: In Hacksaw Ridge his accent was consistent but I can’t evaluate if it was right for someone who grew up in Virginia.
    Re bible: I think so too and it bothered me. More as if they showed the US flag every 5 minutes I guess…

    Re Gibson: your argument makes sense to me!

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