The Entertainer (Branagh Theatre Company – Theater im Kino)

Am vergangenen Donnerstag war endlich mal wieder Theater live im Kino angesagt. Dieses Mal wurde ‚The Entertainer‚ von John Osborne gezeigt und darum geht es:

England, 1956.
Jean Rice (Sophie McShera), eine junge Frau, die in London wohnt und sich gerade mit ihrem Verlobten überworfen hat, kommt unerwartet nach Hause und trifft dort auf ihren Großvater Billy (Gawn Grainger), einen ehemaligen Music-Hall-Star und auf ihre Stiefmutter Phoebe (Greta Scacchi), zu der Jean nie wirklich einen Zugang gefunden hat und die in ihrer Alkoholsucht zu versinken droht.
Billy beschwert sich bei Jean sowohl über sie als auch über Jean’s Vater Archie (Kenneth Branagh) und die moderne Gesellschaft im Allgemeinen, die nach Billy’s Meinung alle ihren Weg verloren haben.
Als Archie, ein notorischer Fremdgänger von einem Auftritt in einer Music Hall nach Hause kommt und die Familie die Nachricht erreicht, daß Mick, Jeans Halbbruder, der gerade in Ägypten als Soldat seinen Dienst tut, gefangen genommen wurde, entwickelt sich ein familiäres Drama…

‚The Entertainer‘ war das erste Theaterstück, daß ich im Kino gesehen habe, bei dem ich den Saal verlassen habe und nicht wußte, was der Autor mir damit sagen wollte.
Mittlerweile habe ich nachgelesen und weiß, daß es um den Verfall der Gesellschaft, wie man sie kannte, geht, aber als Nicht-Brite habe ich ehrlich gesagt weder die Referenz zu Mick und der Suez-Krise kapiert, noch die Bedeutung der Music Halls.
Das macht es mir etwas schwierig das Stück zu mögen, denn das Familiendrama allein fand ich dann doch etwas dünn.
Die Schauspieler spielten allerdings alle gut bis sehr gut. Branagh beeindruckte mich mit seinem Gesang und dem dazugehörigen Tanz und ich konnte ihm den Entertainer wirklich abnehmen. Auch sein spitzbübischer Charme hat mir gefallen, auch wenn Archie ein wirkliches Arschloch ist, der alle seine Frauen betrügt und nur an sich denkt.
Sophie McShera hat mich als klügstes Kind der Familie irgendwie bezaubert und nachdem mir dann auch einfiel woher ich ihr Gesicht kenne (sie spielt Daisy in Downton Abbey), konnte ich ihr Spiel wirklich genießen.
Gawn Grainger schwankt als Großvater Billy schwankt zwischen altem Knotterer und liebevollem Opa und war mir auf Anhieb sympathisch.
Greta Scacchi’s Phoebe ist eine tragische Figur, die zwischen einfältiger Anbetung ihres Mannes Archie und alkoholgeschwängerter Hysterie und Boshaftigkeit schwankt und es war für mich beeindruckend zu sehen, wie Scacchi das spielt.
Die Kulisse ist sehr zurückhalten, wirkt aber überzeugend und zwar auch bei den Tanznummern, die mit Lichteffekten aufgepeppt werden.
Insgesamt war das Stück unterhaltsam und durchaus sehenswert, wenn es mich auch nicht ganz überzeugt hat.

Die Homepage zum Stück

Ein nicht wirklich aussagekräftiger Trailer

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10 Antworten zu The Entertainer (Branagh Theatre Company – Theater im Kino)

  1. Uinonah72 schreibt:

    Vielen Dank für Deinen Eindruck, Herba. Das Stück hatte mich interessiert, nachdem ich den Trailer dazu vor Romeo&Julia gesehen hatte. Aber leider werde ich wohl darauf verzichten müssen, da Freiburg im Moment nichts als Cumberbatch-Wiederholungen zeigt. Nicht dass das schlecht wäre, aber die habe ich halt schon gesehen 😉 Wird mal wieder Zeit für was Neues!

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  2. Herba schreibt:

    @Uinonah: Gerne. Mein Kino hat leider auch noch keine anderen Stücke/Termine bekannt gegeben und ich fürchtete schon, sie würden das einstellen, aber laut einer Auskunft über die Facebook-Seite des Kinos geht es weiter….irgendwann…..und ich bin doch so gespannt auf das Stück mit McKellen und Stewart *seufz*

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  3. nettebuecherkiste schreibt:

    Schade, dass das Stück der tollen Besetzung nicht gerecht wurde!

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  4. linnetmoss schreibt:

    Wow! I didn’t know Branagh could dance 🙂

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  5. Herba schreibt:

    @Nette: Ja, das finde ich auch, da klaffte meiner Meinung nach eine ziemliche Lücke!

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  6. Herba schreibt:

    @Linnetmoss: I really liked his tap dancing and singing even if this sort of entertainment from the fifties seems a bit outdated nowadays

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  7. Hariclea schreibt:

    Ich bin auch nicht bei allen Referenzen mitgekommen, aber die Veranderung des Landes von Generation zu Generation was spurbar. Was nicht so ruberkam, dafur ist KB zu gut ist dass er eigentlich etwas mehr ‚washed -up‘ sein sollte und auf keinen Fall so erfolgreich wie sein Vater, worunter sein Ego naturlich leidet. War schon was es aus 1 Reihe zu sehen! Er verschwindet immer total in seiner Rolle, es ist unglaublich wie naturlich er ruberkommt.
    Das Stuck an sich ist seltsam, ich gewohn mich langsam an sowas dass einen eher drucheinanderbringt als aufklart, nach diesem und dann noch 2 Harold Pinter 🙂
    Das erste hat mich total frustriert, jetzt komm ich manchmal auch total konfus raus aber es ist ok soweit gut gespielt wurde 🙂
    Nur will man dann gern einen Theaterpartner haben mit dem man sich druber uterhalten kann 😉

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  8. Hariclea schreibt:

    @Linnetmoss i have now come to believe there is nothing he can’t do! All the hype and comments i had head are certainly not understating his talents! The man is a marvel of an actor, i feel utterly blessed to have been able to enjoy his season and seen him live. I certainly hope he is willing to do this kind of season again 🙂

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  9. Herba schreibt:

    @Hari: Ich lass mich gerne auch mal durch ein Stück durcheinanderbringen, hier fehlte mir einfach die Ahnung, worauf das Stück denn nun eigentlich hinaus will…
    Dass Branagh eigentlich zu gut erscheint, um nur ein mittelmäßiger Entertainer zu sein, der nicht gegen seinen Vater anstinken kann, fand ich auch und in einer Profi-Besprechung zu dieser Inszenierung habe ich auch gelesen, daß der Autor des Stücks die Rolle eigentlich viel despotischer angelegt hat, Branagh ihn aber sehr boyish und dadurch viel liebesnwerter als eigentlich gewünscht spielt, was ich auch sehr interessant fand.

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  10. linnetmoss schreibt:

    It’s not outdated for me! I love that kind of thing. I have all of Fred Astaire’s movies 🙂

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