Fremdes Land Amerika: Warum wir unser Verhältnis zu den USA neu bewerten müssen von Ingo Zamperoni

Am Ende des 2. Weltkriegs wurden amerikanische Soldaten in unserem Land als Befreier gefeiert und das westliche Deutschland konnte unter der Führung der USA zu dem wohlhabenden Land werden, das es heute ist und die beiden Länder verbindet eine Freundschaft, die vor allem von Politikern immer wieder gepriesen wird.
Aber spiegelt das wirklich noch den Ist-Zustand des Verhältnisses der beiden Völker wider?
Der Journalist und langjährige USA-Korrespondent Ingo Zameroni versucht diese Frage näher zu beleuchten…

Als Mensch, der sich sehr stark für mainstreamige Musik, Filme, Serien und Bücher interessiert, bin ich ständig mit den USA konfrontiert, den ich glaube gerade diese kulturellen Bereiche werden nach wie vor unglaublich stark von Amerika beeinflußt.
Aber natürlich schwappen ganz viele andere Dinge über den großen Teich zu uns nach Deutschland und die Vorstellung von einem Land, in dem alles möglich ist, wo jeder es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann, ist noch in vielen deutschen Köpfen tief verankert.
Doch als halbwegs interessierter Mensch kann ich meine Augen auch nicht vor den Problemen verschließen, mit denen Amerika kämpft und von daher war ich sehr daran interessiert die Einschätzung eines Journalisten zu lesen, der nicht nur in den USA studiert und gearbeitet hat, sondern auch mit einer Amerikanerin verheiratet ist und somit auch familiäre Bande zu diesem Land geknüpft hat.
Fremdes Land Amerika‚ ist in drei Teile gegliedert, die sich grob gesagt mit der Vergangenheit, der neuen geopolitischen Rolle der USA und den Dingen, die wir von den USA lernen können, beschäftigen.
Zamperonis Schreibstil ist gut lesbar, viele Kapitel werden mit persönlichen Erlebnissen untermalt, was mir besonders gut gefallen hat, weil das dem Buch eine persönliche Note gibt.
Zamperoni merkt man die Verbundenheit zu Amerika an, allerdings hatte ich nie das Gefühl, daß er beim Schreiben die sprichwörtliche rosarote Brille auf der Nase hatte und genaus so schreibt er auch über Deutschland.
Stärken und Schwächen der beiden Länder werden gleichermassen sachlich geschildert und dabei spart der Autor auch Themen wie Rassismus und das Verhältnis der Amerikaner zu Waffen genauso wenig aus, wie den deutschen Hype um Obama, bei dem eine Enttäuschung quasi vorprogrammiert war.
Die verschiedenen Themen werden außerdem immer aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet und das Zustandekommen verschiedener Ansichten erklärt beziehungsweise begründet.
Den zweiten Teil des Buches, bei dem es verstärkt um Wirtschaftsthemen geht, fand ich persönlich nicht ganz so interessant, was aber vermutlich vor allem daran liegt, daß mich Politik und Geschichte mehr interessiert als Wirtschaftswissenschaften.
Trotzdem habe ich einige Denkanstöße, gerade was die unterschiedlichen Meinungen zu TTIP angeht, mitnehmen können.
Über den Schwiegervater aus Wisconsin, mit dem Ingo Zamperoni eher ungern über manche Themen diskutiert, habe ich genauso gelacht, wie über den Dieb in Hamburg, der mit dem Uraltsmartphone des Autors durchbrannte und von Ingo Zamperoni ohne Schuhe verfolgt wurde.
Auch wegen dieser persönlichen Note habe ich das Buch sehr gerne gelesen und kann es wärmstens weiterempfehlen, denn ich glaube, daß das Fazit des Buches, daß Amerika und Deutschland viele Probleme nur gemeinsam meistern können, sehr, sehr wichtig ist.
Und dass wir weiterhin an dieser ganz besonderen Freundschaft zwischen den beiden Ländern arbeiten müssen, auch wenn die kulturellen und idiologischen Unterschiede oft größer sind, als von beiden Seiten angenommen.

Ingo Zamperoni bei Ullstein
Der Twitter-Account des Autors
Ein aktuelles, langes Interview über Welt.de

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9 Antworten zu Fremdes Land Amerika: Warum wir unser Verhältnis zu den USA neu bewerten müssen von Ingo Zamperoni

  1. CraMERRY schreibt:

    Ja schön, dass er auf deiner Leseliste gelandet ist. 😊 Bin noch nicht durch, aber habe bisher einen ähnlichen Eindruck gewonnen, wie du.

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  2. sachachulski schreibt:

    Klingt nach einem interessanten Buch…werde es mir mal ansehen

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  3. Servetus schreibt:

    Wir sind relativ stark verbunden, was es unsere gemeinsame politische und wirtschaftliche Interessen angehen — ich hoffe, wenn sich die Beziehung ändert (was in mancher Hinsicht dringend nötig ist), daß die starke Verbindung bleibt. Und sagen wir es so: ich glaube immer noch, daß die BRD mit den USA durch mehr verbunden ist, als vergleichsweise die BRD mit Rußland. Auch wenn ich hoffe, daß wir in letzter Zeit nicht schon einen zweiten kalten Krieg angefangen haben.

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  4. suzy schreibt:

    Das hört sich sehr interessant und lesenswert an 🙂

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  5. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Na, das war doch irgendwie Ehrensache, zumal mich das Thema wirklich interessiert!

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  6. Herba schreibt:

    Hallo sachachulski und danke für Deinen Kommentar!
    Mir hat das Lesen Spaß gemacht, so weit ich das bei einem Sachbuch sagen kann und ich kann es wirklich weiterempfehlen!

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  7. Herba schreibt:

    @Serv: ich habe in einer Doku am WE gelernt, daß circa 50 Millionen (?) Amerikaner deutsche Wurzeln haben, das beeinflußt die enge Beziehung der beiden Länder sicher auch auf die ein oder andere Weise.
    Über das Thema kalter Krieg mache ich mir gerade auch viele Gedanken, vor allem weil ich es bedenklich (und beängstigend) finde, daß die Beziehung zu Rußland gerade so gestört ist :/
    Danke für das Video 🙂

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  8. Herba schreibt:

    @Suzy: Für mich war es das definitiv!

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