26 Jahre deutsche Einheit

Ich weiß noch, daß ich letztes Jahr einen längeren Beitrag zum Tag der deutschen Einheit in den Fingern hatte, den ich dann nie geschrieben habe, weil das echte Leben dazwischen kam. Stattdessen gab es dann einen kurzen Post mit humoriger Musik.

Dieses Jahr wollte ich gar nichts Spezielles zu diesem Anlass schreiben, weil mich nach wie vor die allgemeine politische Stimmung wütend macht und ich viele Menschen einfach schütteln möchte!

Und wieder kam etwas dazwischen und zwar in Form einer Dokumentation über ein Projekt, das Sänger Julian Sengelmann und NDR Kultur-Moderator Philipp Schmid zusammen an einer Stadtteilschule in Hamburg durchführten.
Mit Hilfe von dem erfahrenen Chorleiter Peter Schuldt gründen sie einen Chor aus rund 40 Kindern aus Krisengebieten, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben, teilweise ohne ihre Familien.
In rund vier Monaten sollen die Kids für einen Auftritt in der Hamburger Laeiszhalle vor knapp 2000 Leuten fit gemacht werden.
Und obwohl viele der Kids noch nicht richtig Deutsch sprechen, noch nie wirklich gesungen und viel durchgemacht haben, glückt das Experiment.

Das an sich war schon sehr rührend und großartig zu sehen!
Aber als der Chor die Original-Interpreten ihres Lieds treffen darf und ein Mädchen fragt:
‚Was meinen Sie, wenn Sie sich in Ihrem Lied Sicherheit wünschen? Denn wir sind Flüchtlinge und in unseren Ländern gibt es keine Sicherheit. Aber Sie hier in Deutschland haben Sicherheit!‘
hatte ich einen fetten Kloß im Hals, weil diese Frage absolut berechtigt ist.

Und daran sollten wir meiner Meinung nach öfter denken! Denn egal wie viele Probleme es in unserem Land gibt, sind wir in Deutschland doch priviligiert!!!
Uns fallen keine Bomben auf den Kopf, wir sterben nicht durch fehlende Behandlung, weil sämtliche Krankenhäuser zerstört wurden, wir verhungern nicht, unsere Kinder dürfen lernen, niemand wird wegen seiner Meinung oder Religion verfolgt, wir können reisen wohin wir wollen und wenn ich ein wenig nachdenke, fallen mir sicher noch ganz viele andere Sachen ein.

Und bevor wir ohne wirkliche Not neue echte Mauern planen oder virtuelle Mauern in unseren Köpfen errichten, weil wir vor dem Unbekannten Angst haben, sollten wir uns (nicht nur am Tag der Deutschen Einheit) daran erinnern, wie schnell solche Mauern errichtet sind und wie mühsam und schmerzhaft es hinterher ist, sie wieder zu beseitigen!!!

Ich will jedenfalls die Mauer, die Deutschland in zwei Teile teilte und so viele Menschen ins Unglück stürzte, genauso wenig zurück, wie Politiker samt Anhänger, die vom Aufräumen schwadronieren und keine andere Meinung als ihre eigene gelten lassen und militant gegen Andersdenkende vorgehen!

In diesem Sinne hoffe ich, daß heute in Dresden alles friedlich bleibt und es beim nächsten Tag der Deutschen Einheit allgemein vielleicht wieder ein wenig freundlicher mit der Menschheit aussieht!!!

Oh und wer neugierig auf das Chorprojekt ‚Safe Voice‘ geworden ist und gerne wissen möchte, welchen Song die Kids gesungen haben, kann hier nachlesen bzw. hier auf der Seite des NDR zur Zeit den ganzen Beitrag anschauen.

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13 Antworten zu 26 Jahre deutsche Einheit

  1. suzy schreibt:

    Danke für den Hinweis auf das Chorprojekt! Schwer beeindruckend was sie da auf die Beine stellen. Und du hast recht, das schlimmste sind die Mauern im eigenen Kopf 😦
    Ich wünsche Dir einen schönen Feiertag!

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  2. Servetus schreibt:

    That is an amazing story and you’re right, the story of German unity could inspire people more than it apparently does. Happy Tag der deutschen Einheit!

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  3. drachen71 schreibt:

    Siehste, wenn ich sehe was sich Politisch im Osten bewegt, dann bin ich sofort dafür die Mauer wieder hochzuziehen….DAS macht mir nämlich Angst und soviel engstirnigkeit kann man auch nicht mit Argumenten kommen.

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  4. Herba schreibt:

    @Suzy: Ja, mich hat das auch sehr beeindruckt, vor allem weil man den Zwei manchmal schon auch angemerkt hat, wie groß die Aufgabe war, die Kids fit für den Auftritt zu machen. Und umso schöner, daß das so gut geklappt hat!
    Danke schön, ich hoffe Du bist gut in die neue Woche gekommen!?!

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  5. Herba schreibt:

    @Serv: Thanks! Ja, wir Deutschen sollten mehr daran denken, was wir alles Positives in den letzten Jahrzehnten geleistet haben und nicht immer so viel jammern! Und wie sagte ein Politiker gestern bei der Einheitsfeier so schön sinngemäß: Vor 26 Jahren waren viele Menschen hilfsbedürftig und nur gemeinsam konnte man die Herausforderungen bewältigen. Das wäre unmöglich gewesen, wenn man sich abgeschottet hätte und Hilfe verweigert hätte…

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  6. Herba schreibt:

    @Drachen: Diesen Impuls kenne ich auch (den kriege ich übrigens auch, wenn Leute erzählen, wie viel toller es früher in der DDR doch war). Aber ganz gerecht ist das nicht, denn auch im Westen gibt es genug Rechtsradikale und Wähler, die der AFD nachlaufen – was ich nie verstehen werde!!! Weder bei Wessis, noch bei Ossis!

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  7. Servetus schreibt:

    We have that issue here, too — there are people both conservative and liberal who are really invested in seeing everything that’s wrong with the US. We’ve also just recovered from 8 years of recession, after all. Not that we’re perfect.

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  8. Herba schreibt:

    @Serv Ich kann das sogar ein wenig nachvollziehen, weil ich auch eher Pessimist Realist als Optimist bin. Was ich nicht verstehe ist die fehlende Empathie von so vielen Menschen, gerade von denen die vor 26 Jahren selbst geflüchtet sind, weil sie unterdrückt wurden und keine Perspektive mehr sahen – ganz ohne Krieg. Schließlich wurde denen wie schon gesagt auch geholfen….

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  9. entdeckeengland schreibt:

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Liebe Grüße von der Ostdeutschen im Ausland.

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  10. Herba schreibt:

    @Entdeckeengland: Das freut mich und ich hoffe, daß es ganz vielen Anderen auch so wie uns geht!!!

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  11. Esther schreibt:

    Oh, das hast Du sehr schön gesagt!!

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  12. Herba schreibt:

    @Esther: Danke! Bei dem Thema werde ich mittlerweile so wahnsinnig wütend, was es mir schwerfällt überhaupt etwas dazu zu sagen ohne in jedem Satz fünf Schimpfwörter zu benutzen *seufz*

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  13. Esther schreibt:

    Verstehe ich vollkommen!

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