Arte zeigt ab 29.09. die erste Staffel der britischen Serie ‚Indischer Sommer‘

Indien, 1932:
Wie jedes Jahr flieht die britische Kolonialregierung vor dem heißen Sommer nach Simla, einer Stadt am Fuße des Himalayas.
Auch Alice Whelan (Jemima West), die gerade mit ihrem Baby aus England gekommen ist, reist dorthin, um Zeit mit ihrem Bruder Ralph (Henry Lloyd-Hughes) zu verbringen, der als Privatsekretär des britischen Vizekönigs arbeitet und durch seine Stellung über relativ viel Macht in Indien verfügt.
Doch statt eines unterhaltsamen Sommers stehen den Briten in Simla unruhige Zeiten bevor, den die Inder kämpfen für die Unabhängigkeit des Landes und ein Attentäter schießt auf Ralph Whelan…

Indischer Sommer‚ eine eine englische Miniserie, die ich mir nicht wegen eine speziellen Schauspieler, sondern wegen der Hoffnung auf ein spezielles Flair angeschaut habe. Und meine Hoffnung ist nicht enttäuscht worden.
Die Macher haben das Bild eines facettenreichen Indiens gezeichnet, dessen indische Bevölkerung unter den Briten leidet und dessen britsche Bevölkerung sich für überlegen hält.
Besonders gut hat mir gefallen, daß keine Figur eindimensional bei mir ankommt, sondern daß jeder Stärken und Schwächen hat und auch die unsympathischste Figur in manchen Momenten so etwas wie Sympathie oder Mitleid in mir hervorgerufen hat. Das war auch dringend notwendig, denn Unsympathen laufen meiner Meinung nach ziemlich viele in dieser ersten Staffel herum.
Jemima West hat mir als Alice sehr gut gefallen, auch wenn die Figur Alice mir mit ihrer Naivität stellenweise etwas auf den Geist ging. Zum Glück hat sie auch immer wieder starke Momente, wo sie nicht groß darüber nachdenkt, was andere von ihr halten und einfach handelt.
Henry Lloyd-Hughes spielt Ralph Whelan gekonnt arrogant, Schwächen sieht man an dieser Figur eher selten und jedes Mal, wenn ich dachte, daß er die Kurve bekommt und irgendwie menschlicher wird, machte er das wieder zunichte. Das war großartig gespielt, aber zum Sympathieträger wird Ralph dadurch nicht.
Nikesh Patel spielt den jungen, aufstrebenden Beamten Aafrin Dalal, der seine ganze Familie unterstützt und die Briten irgendwie bewundert. Zuzuschauen wie Aafrin sich verändert, war großartig, aber auch er ging mir stellenweise mit seiner Selbstgerechtigkeit auf den Zeiger.
Julie Walters spielt die einflussreiche Veteranenwitwe Cynthia Coffin, die den Royal Simla Club betreibt (Inder und Hunde müssen draußen bleiben) und für das Erreichen ihrer Ziele über Leichen geht.
Diese Dame singt gern, verträgt einiges an Alkohol und man sollte sie sich auf keinen Fall zum Feind machen. Genau wie Ralph ist Cynthia eine etwas undurchsichtige Figur und ich hätte gerne mehr über ihre Vergangenheit erfahren!
Wenn es um Unsympathen geht, muss ich unbedingt auch noch Patrick Malahide als Vizekönig Lord Willingdon und Fiona Glascott als intrigante Missionarsfrau Sarah erwähnen, die beide gut spielten, aber als Figuren absolut unerträglich waren!
Uneingeschränkt sympatisch waren mir eigentlich nur Craig Parkinson als Missionar Dougie, Alexander Cobb als Schotte Ian McLeod und Roshan Seth als Aafrins Vater Darius.
Diese Figuren haben zwar auch ihre Fehler, aber sie gehen nicht über Leichen, zeigen immer wieder Herz und denken auch mal zuerst an andere bevor sie an sich denken.
Oh und sehr gelacht habe ich über den versoffenen Mr. Armitage (gespielt von Richard McCabe), der leider relativ schnell das Zeitliche segnete.
Das mich die Serie trotzdem begeistert hat, liegt an den für mich spannenden Handlungssträngen, dem wunderbaren indischen Flair und einer stimmigen Kombination aus passend ausgesuchten Schauspielern, tollen Kostümen, wunderbaren Landschaftsaufnahmen und stimmungsvoller Musik.
Außerdem hat mir gefallen wie kleine historischen Fakten in eine fiktionale Handlung eingebaut wurden.
Und Themen wie Diskriminierung, Vorurteile, Aberglauben, Selbstbestimmung und Egoismus kommen ja leider auch nie aus der Mode, wie man jeden Tag in den aktuellen Nachrichten an der ein oder anderen Meldung sehen kann.
Ich kann ‚Indischer Sommer‘ auf jeden Fall weiterempfehlen und ich möchte mich an dieser Stelle mal bei Arte bedanken, die Serie ins deutsche Fernsehen geholt zu haben!

‚Indian Summers‘ bei Channel 4
‚Indischer Sommer‘ bei Arte
Die Serie im deutschen Fernsehen – Termine

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4 Antworten zu Arte zeigt ab 29.09. die erste Staffel der britischen Serie ‚Indischer Sommer‘

  1. suzy schreibt:

    Danke für den Tip!

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Suzy: Gerne! Ich war selbst etwas überrascht, wie sehr mich diese Serie gefesselt hat.

    Gefällt mir

  3. Esther schreibt:

    Kennne ich gar nicht! Danke auch für den Tip!

    Gefällt mir

  4. Herba schreibt:

    @Esther: Sehr gerne!

    Gefällt 1 Person

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