Umweg nach Hause von Jonathan Evison

Ben Benjamin ist Vierzig und hat außer einem beruflichen und privaten Scherbenhaufen nichts vorzuweisen.
Um wenigstens die Miete seiner kleinen, unpersönlichen Wohnung zahlen zu können, belegt er einen Crashkurs in häuslicher Pflege und hat Glück. Schon nach dem ersten bewerbungsgespräch wird er als Pfleger des todkranken, neunzehnjährigen Trevor angeheuert.
Trevors Vater hat sich aus dem Staub gemacht, als Trevor drei Jahre alt war und seine Krankheit festgestellt wurde und Trevor kann ihm einfach nicht verzeihen.
Doch Ben hat Mitleid mit dem unzulänglichen Vater und bricht mit Trevor zu einem Roadtrip quer durch Amerika auf, um einen Versuch in Richtung Versöhnung zu unternehmen…

Umweg nach Hause‚ ist eine Mischung aus Drama und Komödie und da ich scheinbar gerade von Roadtrip-Geschichten angezogen werde, war es nur konsequent, dieses Buch zu lesen.
Ben ist ein sympathischer Protagonist, auch wenn er alles andere als perfekt ist und mehr als eine Macke zu bieten hat.
Und erstaunlicherweise hat er mich auch nie genervt, auch wenn sein Selbstmitleid stellenweise schon sehr stark ausgeprägt war.
Allerdings kann ich ihm das auch nicht sonderlich verdenken, denn nach dem Schicksalsschlag, den Ben einstecken mußte und der innerhalb der Geschichte erst einmal nur angedeutet und über den der Leser dann nach und nach genauer informiert wird, würde vermutlich ziemlich viele Menschen ganz in die Knie zwingen.
Auch Tevor hat genug Grund dafür, depressiv zu sein, denn seine Muskeldystrophie ist unheilbar und macht ihm außerdem das normale Leben eines Neunzehnjährigen unmöglich.
Gefallen hat mir, daß Jonathan Evison beide Figuren ähnlich anlegt. Obwohl Ben und Trevor auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig viel gemeinsam haben, verstecken doch beide ihren Schmerz hinter einer Fassade, die es ihren Mitmenschen mitunter sehr schwer macht, mit ihnen auszukommen.
Das macht sie zu großartigen Reisegefährten, die gemeinsam neue Erfahrungen machen und nicht nur nach Salt Lake City zu Trevors nutzlosem Vater, sondern auche in Stück weit zu sich selbst reisen.
Gewürzt wird die Geschichte mit allerlei leicht skurilen Figuren, denen Trevor und Ben begegnen und durch einige Mißgeschicke, die für viel Humor sorgen, ohne die Geschichte ins Alberne abgleiten zu lassen.
Und obwohl ich mich zwischendurch durchaus gefragt habe, ob das Ganze (vor allem das Ende) nicht zu realitätsfern ist, habe ich mich doch beim Lesen dieser irgendwie rundum positiven Geschichte doch wahnsinnig wohl gefühlt, jeden Lacher und jeden Anflug von Traurigkeit genossen.
Insgesamt verbreitet Jonathan Evison mit seiner gut geschriebenen Geschichte am Ende einfach wahnsinnig viel positive Energie und von daher würde ich diesen Roman auf jeden Fall weiterempfehlen. Mir hat das Lesen jedenfalls wahnsinnig viel Spaß gemacht!

Die Homepage des Autors
Jonathan Evison bei RandomHouse

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