Die Attentäter von Antonia Michaelis

Cliff, Alain und Margarete sind Freunde, seitdem sie vier Jahre alt sind und mit ihren Eltern im selben Mietshaus in Berlin wohnen.
Obwohl die Kinder aus ganz verschiedenen Verhältnissen kommen und total unterschiedlich sind, kommen sie nicht voneinander los, auch wenn es immer wieder Zeiten gibt, in denen sich gerade Cliff von den anderen beiden entfernt.
Dann verschwindet der schwierige junge Mann plötzlich ganz, taucht erst nach mehr als einem Jahr wieder auf und nur Alain und Margarete ahnen, daß er den islamistischen Terror in seinem Gepäck mit nach Berlin bringt…

Ich wollte ‚Die Attentäter‚ ünbedingt lesen, weil das Buch von einem aktuellen Thema handelt und ich wissen wollte, ob es funktionieren kann dieses als Jugendbuch zu behandeln.
Nach dem Lesen fällt es mir nun sehr, sehr schwer meinen Leseeindruck zu schildern, vermutlich unter anderem, weil das Buch so ganz anders als von mir erwartet war.
Daher fange ich mit etwas leichtem an und zwar mit der vom Verlag gegebenen Altersempfehlung, die bei 16 – 17 Jahre liegt und die ich für absolut angemessen halte.
Die Autorin schildert sowohl Sex als auch Gewalt relativ offen für ein Jugendbuch und ich denke, dass man für das Thema Terrorismus allgemein eine gewisse Reife mitbringen sollte!
Außerdem ist Antonia Michaelis Schreibstil relativ blumig, stellenweise fast schon leicht poetisch angehaucht und auch das halte ich für jüngere Menschen eher schwierig nachvollziehbar.
Diese Art von Schreibstil hat es mir selbst sehr schwer gemacht mich in die Geschichte hineinzufinden, denn gepaart mit dem Hin- und Herspringen in den verschiedenen Zeitebenen erschienen mir gerade die ersten 100 Seiten dadurch etwas langatmig. Außerdem konnte ich die drei Hauptfiguren nur schwer greifen, obwohl die Rollenverteilung von Gut und Böse, um mal stark zu verallgemeinern recht früh sehr deutlich wurde.
Cliff, der mutmaßliche Terrorist, ist ein Trennungskind, das sehr unter dem Fehlen seiner Mutter leidet und es sich und seinem Vater, der sicher nicht das Zeug zum Vater des Jahres hat, das Leben noch zusätzlich schwer macht.
Und obwohl er schon als kleiner Junge viel mitmachen muss, schafft es Cliff nicht sich in mein Herz zu stehlen, sondern bleibt mir bis zum Ende eher unsympathisch, vielleicht auch, weil ich gerade zum Ende hin seine Entscheidungen so gar nicht mehr nachvollziehen kann!
Alain wird als fast engelsgleich geschildert, mit einer hellen Aura, die ihn umgibt und die Cliff immer wieder gerne zerstören würde, vielleicht auch, weil er denkt, daß er selbst eher ein dunkles Licht mit sich herumträgt, das Wut, Hass und Zerstörung mit sich trägt.
Alain war mir, vielleicht durch seine bedingungslose Liebe zu Cliff sympathischer, aber auch ihn konnte ich irgendwie schwer fassen, in seinem Fall vielleicht, weil er fast zu gut für diese Welt bei mir ankam.
Margarete ist die Geerdete der Drei. Sie macht eine Schreinerlehre, statt Abitur, kann zupacken und liebt beide Jungs auf eine jeweils ganz eigene Weise. Und ihre Handlungen kann ich auch am ehesten nachvollziehen, aber da sie meist nur als Randfigur platziert wird, erfährt man über sie nicht genug, um sie wirklich lieb zu gewinnen oder wirklich mit ihr mitzufiebern.
Die Spannung, die am Anfang ja eher fehlt, nimmt zum Glück gerade auf den letzten 150 Seiten rasant zu und gerade durch den aktuellen Bezug und den Schauplatz Berlin, las sich das teilweise sehr beunruhigend.
Gefallen hat mir die Schilderung der verschiedenen Motivationen innerhalb der Terrorzelle, wobei mich das alles schon auch sehr wütend gemacht hat und mir für solche Taten komplett das Verständnis fehlt!
Aber insgesamt hätte ich mir vermutlich einfach einen weniger poetischen und mehr realitätsnahen Ansatz gewünscht, der mich packt und der mich im wahrsten Sinne des Wortes Tränen der Fassungslosigkeit über die Verbohrtheit von Extremisten und über Verschwendung von Menschenleben weinen läßt.
Das ist leider nicht passiert und daher ist ‚Die Attentäter‘ meiner Ansicht nach zwar ein lesenswertes Buch, aber keines, das ich ein zweites Mal in die Hand nehmen würde.

Antonia Michaelis bei Oetinger
Die Homepage der Autorin

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5 Antworten zu Die Attentäter von Antonia Michaelis

  1. Mir fällt schon seit einiger Zeit auf, dass Alleinerziehende ein schlechtes Image haben. In Filmen und Büchern werden Probleme häufig auf diesen Lebensumstand zurückgeführt. Mich ärgert das. Ich glaube, auch sonst ist dieses Buch wohl nicht so interessant für mich. Ein bisschen nervt mich die Terroristen-Thematik mittlerweile tatsächlich. Wir werden ja tagtäglich gezwungen, uns damit auseinandersetzen. Doch Deine Rezension ist toll.

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  2. Herba schreibt:

    @Bette: Danke schön!
    Also, im Buch wird das schon etwas differenzierter dargestellt und Cliffs Probleme nicht nur auf die Trennung der Eltern geschoben. Und wenn ich mich recht erinnere, fragt sich eine Figur auch explizit, ob Cliff weniger Probleme hätte, wenn seine ELtern nicht getrennt wären und verneint das für sich (das wäre übrigens auch der Schluss, zu dem ich beim Lesen gekommen bin).
    Die Übersättigung am Terrorismus-Thema kann ich gut nachvollziehen. Ich war einfach so auf die Umsetzung für Jugendliche so gespannt, daß ich das Buch quasi lesen mußte.

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  3. Achso, na wenigstens etwas und doch etwas stereotyp, dass es ihm als Hintergrund mitgegeben wird. Grundsätzlich ist das Thema durchaus interessant und definitiv wichtig, aber alles hat seinen richtigen Moment und der ist bei mir z.Zt. für dieses Thema nicht so da.

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  4. Herba schreibt:

    @Bette: ein wenig klischeehaft war es auf jeden Fall und wenn es nicht ein wenig differenziert worden wäre, wäre es mir auch negativ aufgefallen!

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  5. Besonders, aber nicht nur Jugendbücher bzw. ihre Autoren sollten sich überlegen, welche Klischees sie weitergeben möchten.

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