Richard, Duke of York: King by Right von Matthew Lewis

Wer war Richard, Duke of York wirklich?
Sicher ist, daß er Sohn eines Verräters, Vater von zwei Königen und einer der reichsten Männer des Englands seiner Zeit war.
Aber war er auch der Mann, der für den Ausbruch der Rosenkriege verantwortlich war, weil er unbedingt selbst König von England werden wollte, wie es die Geschichtsschreibung lange Zeit vorgab?
Machtversessen oder selbstloser Adliger, das ist hier die Frage!

Der Duke of York und ich hatten es nicht ganz leicht miteinander. Als ich bei Twitter auf das Buch aufmerksam wurde, wanderte es sofort auf meine Will-ich-bei-Erscheinen-lesen-Liste und wurde dann per Fernleihe aus dem Ausland aus einem Nachbarbundesland geordert.
Zu diesem Zeitpunkt war ich voll motiviert und in der richtigen Stimmung, um ein Sachbuch in einer fremden Sprache zu lesen. Das Werk war zwar schon im Katalog verzeichnet, aber noch in Bearbeitung, also bekam ich meine Bestellung mit dem Vermerk zurück, es in vier bis sechs Wochen erneut zu versuchen.
Leider war vier Wochen später nicht nur meine Motivation mich durch ein Sachbuch zu kämpfen verschwunden, sondern auch ganz allgemein meine Leselust und deshab traf die mail-Ankündigung, daß der Duke of York auf seine Abholung wartete, nicht ganz willkommen bei mir ein, zumal ich die Fernleihe gar nicht erneut angestoßen hatte (ich sage nur: übermotivierte Bibliothekare!).
Na ja, nun war er weit gereist und bei mir eingetroffen, nun wurde er auch gelesen – basta! Egal wie urlaubsreif ich war und wie oft ich manche Sätze erneut lesen mußte!
Irgendwo im Vorwort steht, daß Richard, Duke of York oft mit seinem Sohn, dem späteren Richard III. verwechselt wird, was mir ja nie passieren könnte – Was, das ist kein Buch über Richard III.?!?!?! overreact – mir aber trotzdem einen weiteren Dämpfer verpaßte.
Matthew Lewis Schreibstil ist einem Sachbuch angemessen und trotzdem relativ gut zu lesen.
Ich fand man merkte, daß ihm das Thema sehr am Herzen liegt und trotzdem schildert er sachlich die Fakten, beschreibt die Schlüsse, die Historiker gezogen haben und ob und wenn ja wieso er mit diesen Schlüssen nicht einverstanden ist.
Trotzdem betont er auch immer wieder, daß er im Prinzip genau wie alle anderen vor ihm auch ein Stück weit spekuliert, weil es kaum Aufzeichnungen zu Richard gibt, nicht einmal ein zeitgenössisches Portrait, was für einen so reichen und wichtigen Mann seiner Zeit schon ungewöhnlich ist.
Was ich beim Lesen etwas schwierig fand, war der Wechsel zwischen den einzelnen Namen einer Person.
Bei Richard wechselte er zwischen Richard, York und Duke hin und her, was trotzdem noch halb verständlich war, weil er der Dreh- und Angelpunkt des Buches ist. Bei anderen Personen hat mich das teilweise wirklich verwirrt, zumal die Herrschaften scheinbar nur 5 bis 10 männliche Vornamen zur Verfügung hatten und alle irgendwie gleich hießen.
Was mich beim Lesen irgendwann sogar leicht genervt hat, waren die Wiederholungen des Autors.
Es gibt Stellen wo Lewis erst schildert worauf er hinauswill, dann einen Originaltext zitiert, wo drinsteht auf was er hinaus will und nach dem Zitat beschreibt er dann noch einmal was im zitierten Text steht und worauf er hinauswill.
Und wenn das schon einer Leserin auffällt, die beim Lesen keine besonders große Aufmerksamkeitsspanne zur Verfügung hat und eher seiten- als kapitelweise vorangekommen ist, will das meiner Meinung nach durchaus etwas heißen.
Ansonsten fand ich die Argumentationsketten des Autors sehr schlüssig und sehe nun den Duke of York auch eher als manchmal etwas unentschlossenen, aber treuen Adeligen, der einfach seinem Land dienen wollte und es nicht auf die englische Krone abgesehen hatte, sondern von den Umständen (und Königin Margarete von Anjou) dazu gezwungen wurde, die Macht zu ergreifen, um sich und seine Familie zu retten.
Insgesamt habe ich also einiges beim Lesen von ‚Richard, Duke of York: King by Right‚ über die Zeit in England, das Machtgefüge bei Hof und über Richard selbst gelernt und würde daher das Buch auf jeden Fall für mich als lesenswert einstufen;
auch wenn sich das Lesen für meine Verhältnisse relativ lange hingezogen hat und ich zwischendurch mal auf all die Henrys, Edwards und Richards keine Lust mehr hatte.

Der Blog von Matthew Lewis

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4 Antworten zu Richard, Duke of York: King by Right von Matthew Lewis

  1. Uinonah72 schreibt:

    Die Sache mit der Spekulation und Auslegungssache ist mir kürzlich bei meiner Recherche von Loki begegnet. Ich wollte einfach ein bisschen über den Ursprung des Charakters und die nordische Mythologie erfahren. Und da ich nicht so gut im Lesen von Sachbüchern bin ( mein höchster Respekt an Dich!) habe ich mich für den Roman von Joanne M. Harris The Gospel of Loki entschieden. In der Mythologie wird Loki ja meist als richtig böser Trickster ausgelegt. Bei Harris ist er eher ein missverstandener Strolch, der irgendwann genug davon hat, immer der Aussenseiter zu sein. Und im Moment lese ich noch eine andere Variante von Renate Steinbach, in der Loki als totales Unschuldslamm beschrieben wird, dem all die Tricks und Gemeinheiten eher zufällig und unabsichtlich passieren und der echt mies von den Göttern gemobbt wird. Für mich sehr amüsant, diese verschiedenen Auslegungen.

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  2. Herba schreibt:

    @Uinonah72: Danke, ich lese aber auch nur selten Sachbücher 🙂
    ‚The Gospel of Loki‘ liegt bei mir auch irgendwo auf Halde und wartet darauf gelesen zu werden. Was Loki angeht wäre für mich nun interessant zu schauen, ob Hiddles mit seinem Loki für ein positiveres Bild gesorgt hat, oder ob es das vereinzelt vorher schon gab.
    Bei echten Personen wie dem Duke of York finde ich es spannend, wie stark scheinbar der Gewinner des Konflikts auf die Geschichtsschreibung eingewirkt hat. Ein ähnliches Problem hat ja auch Richard III.
    Und ich habe mich beim Lesen schon gefragt, wie stark heute EInfluss auf die ‚Geschichtsschreibung‘ genommen wird……ein wirklich interessantes Thema zum drüber nachdenken, aber schon auch irgendwie leicht beängstigend…

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  3. Uinonah72 schreibt:

    Hm, ich glaube beide Bücher sind nach Hiddles Interpretation geschrieben worden. Und Harris hatte definitiv Hiddles vor Augen, als sie Loki charakterisierte, auch wenn ihrer rothaarig ist. Die Sprüche passen einfach zu gut 😉 Der Marvel Comic The Trials of Loki, den ich auch noch besitze, wurde in 2011 veröffentlicht, also im gleichen Jahr wie Thor als Film rauskam, daher evtl. auch beeinflusst. Du hast recht… eine sehr interessante Frage 🙂

    Dass der Gewinner die Geschichte schreibt, ist sicherlich so. Und ich denke in der Vergangenheit wurde da auch viel angepasst bzw beeinflusst. Und heutzutage sieht man ja schon an der Medienberichterstattung, wie sehr unser Bild von aktuellen Ereignissen beeinflusst wird. Was da wohl in den Geschichtsbüchern landen wird? Du hast recht … beängstigend, wenn jeder seine eigene Wahrheit hat, aber nur einer sie endgültig niederschreibt.

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  4. Herba schreibt:

    @Uinonah: Gelle und es zeigt auch, was eine sympathische, frische Darstelung in einem Film Gutes für die allgemeine Wahrnehmung einer Figur tun kann.

    Ich denke früher war es relativ einfach die Geschichtsschreibung zu beeinflussen. Was mich stark umtreibt ist der Eindruck, daß trotz der Vielfalt unserer aktuellen Informationsmöglichkeiten, doch stark Einfluss genommen wird bzw eher Minungen als Fakten verbreitet werden. Und persönlich finde ich es schon sehr schwierig mir zu bestimmten Themen eine eigene Meinung zu bilden…

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