Bobby von Eddie Joyce

Bobby Amendola, ein Feuerwehrmann italienisch-irischer Abstammung, der auf Staten Island groß geworden ist, stirbt am 11.9.2001 bei Ausübung seiner Pflicht im World Trade Center in New York.
Fast zehn Jahre später ist der Verlust in seiner Familie immer noch spürbar.
Seine Frau Tina hadert mit ihrer neuen Liebe, sein Vater kämpft mit Schuldgefühlen, weil Bobby in seine Fußstapfen als Feuerwehrmann getreten ist und seine Mutter spricht immer noch jeden Tag mit ihrem toten Sohn.
Kann die Zeit wirklich alle Wunden heilen?

Einerseits hatte ich mir wenig bis keine Gedanken zu „Bobby“ gemacht, sondern mich einfach von Cover und Klappentext angezogen gefühlt.
Andererseits hatte ich dann doch ein Buch erwartet, das seine Geschichte ein klein wenig anders erzählt. Mehr Fokus auf Bobby, mehr Fokus auf den Tag seines Todes und dadurch dann auch mehr Fokus auf die Art seines Todes.
All das bietet der Roman entweder nur knapp oder gar nicht. Bobbys Tod ist zwar der Ausgangspunkt der Geschichte, steht aber nicht im Zentrum.
Stattdessen geht es ganz klar und schon auch irgendwie logisch, um seine Familie und deren Leben vor und nach Bobbys Tod.
Man bekommt Einblicke in das ganz spezielle Lebensgefühl von Staten Island, das Selbstwertgefühl der Bewohner, irische und italienische Kultur in Amerika und ganz speziell in das Familienleben der Amendolas.
Ich will nicht sagen, daß Bobby dabei gar keine Rolle spielt, aber er ist definitiv keine Hauptfigur, sondern bleibt immer leicht diffus im Hintergrund und wurde für mich wie wirklich greifbar.
Von den anderen Figuren konnte ich am meisten mit Gail, Tina und Michael anfangen, weil ihre Trauer und ihre Schuldgefühle für mich am besten nachvollziehbar waren.
Nicht wirklich nachvollziehen konnte ich den Zusammenhang zwischen Bobbys Tod und dem Mist den Peter, sein großer Bruder und erfolgreicher Anwalt, baut und auch sein anderer Bruder Franky hatte schon immer Probleme damit sein Leben auf die Reihe zu bekommen, auch als Bobby noch lebte.
Eddie Joyce hat für mich stellenweise einen leicht sperrigen Schreibstil, der gerne mit ein paar Schimpfwörtern weniger auskommen dürfte und einige Handlungsstränge sind meiner Meinung nach ein wenig langatmig geraten, aber durch die ständig wechselnden Erzählperspektiven wird das Buch im Großen und Ganzen doch nie langweilig.
Der Schluß war mir persönlich nicht aussagekräftig genug, aber nach der letzten Seite war ich froh, daß meine Erwartungen in Bezug auf den Fokus des Buches nicht erfüllt wurden.
Denn so ist „Bobby“ kein politisches Buch, sondern ein Roman über Trauer, Verlust, Liebe und Familie und als Debüt des Autors auf jeden Fall gelungen.

Eddie Joyce bei RandomHouse
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