Montana von Smith Henderson

USA, 1979:
Pete Snow ist Sozialarbeiter und deckt ein relativ großes Gebiet im Nordwesten von Montana ab.
Armut, Gewalt, Alkohol, Drogen und Rückständigkeit machen ihm seine Arbeit schwer und nur selten kann er Kindern wirklich und dauerhaft helfen.
Als er eines Tages den paranoider Anarchist Jeremiah Pearl und dessen Sohn Benjamin kennenlernt und seine eigene Tochter Rachel davonläuft, gerät Petes Leben in allen Bereichen sehr schnell aus den Fugen…

Ich bin eher durch Zufall auf „Montana“ aufmerksam geworden, war aber durch den Klappentext gleich neugierig geworden.
Abgeschreckt hat mich der Vergleich zwischen Smith Henderson und Jonathan Franzen, den Kritiker ziehen, aber zum Glück habe ich „Montana“ dennoch gelesen.
Henderson schreibt zwar sprachlich ähnlich anspruchsvoll wie Franzen, aber die Geschichte, die im Roman erzählt wird, hat meiner Meinung nach weit mehr Hand und Fuß als Franzens „Unschuld„.
Pete ist eine spannende Hauptfigur, denn er kommt eigentlich von einer ertragreichen Farm, hat allerdings Probleme mit seinem Vater. Sein Bruder ist drogenabhängig und auf der Flucht vor dem Gesetz, seine Ehe ist im Eimer nachdem ihn seine Frau betrogen hat und Pete trinkt selbst zu viel.
Daher bekommt man recht schnell den Eindruck, daß Pete als Sozialarbeiter hilft, weil er sich und seiner Familie selbst nicht helfen kann (vielleicht auch gar nicht helfen will?).
Jeremiah Pearl stellt für mich eine Figur da, die nicht wie Pete am Rande des Abgrundes balanciert, sondern schon abgestürzt ist.
Er wittert hinter allem eine Verschwörung, traut keinem mit einer offiziellen Funktion und kann mit Fug und Recht als Religionsfanatiker und Waffennarr bezeichnet werden. Diese Beschreibung war spannend zu lesen, aber auch sehr, sehr fremd, weil die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschland und dem Hinterland der USA doch schon enorm sind und ich über vieles nur den Kopf schütteln konnte.
Damit meine ich nicht die Armut, Prostitution, Gewalt, etc., die es auf jeden Fall auch bei uns gab und gibt, sondern Dinge wie Verseßenheit auf Waffen, Religiosität und der Umgang damit und dem Mißtrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen.
Zwischendurch habe ich mich beim Lesen gefragt, wieso Pete bei all diesem Elend überhaupt noch aufsteht, um seinen Job zu machen und irgendwann fragt er sich das auch, macht aber trotzdem einfach weiter.
Aufgelockert werden die einzelnen Kapitel durch eine Art Interview, das mit jemandem geführt wird, der erstaunlich gut über Petes Tochter Rachel und ihr Schicksal Bescheid zu wissen scheint.
Insgesamt halte ich „Montana“ für lesenswert, auch wenn er sicher kein ganz großer Roman ist, und trotz der 35 Jahre zeitlichen Abstands für aktuell, zeigt der Roman doch was durch religiösen Fanatismus, Ausgrenzung und gesellschaftliche Gleichgültigkeit mit Menschen passieren kann.

Die Homepage von Smith Henderson
Der Autor bei RandomHouse

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