Er ist wieder da

Berlin, 2014:
69 Jahre nachdem sich Hitler (Oliver Masucci) in seinem Bunker erschossen hat, wacht er an gleicher Stelle wieder auf.
Orientierungslos versucht er sich in der neuen Welt zurechtzufinden und findet Obdach bei einem Kioskbesitzer (Lars Rudolph).
Dort macht den vermeintlichen Hitler-Imitator bald der Filmemacher Fabian Sawatzki (Fabian Busch) ausfindig, der Hitler zufällig beim Aufwachen filmte und unbedingt einen Knüller braucht, um seinen Job beim Fernsehsender MyTV wiederzubekommen.
Zusammen reisen die Beiden durch ganz Deutschland und Hitler hört sich die Sorgen und Nöte der Bevölkerung an.
Zurück in Berlin steigt Hitler dann schnell zum neuen Stern am deutschen Comedyhimmel auf…

Nachdem mich die Romanvorlage von Timur Vermes im Juni 2013 schwer beschäftigt hatte, war ich natürlich auch auf den Film gespannt, für das Vermes übrigens auch das Drehbuch geschrieben hat.
Oliver Masucci, der für mich auf den ersten Blick nicht wirklich Ähnlichkeit mit Hitler hat, spielt die Rolle mit viel Intensität und hat mich voll überzeugt.
Gerade im Gespräch mit den deutschen Bürgern, die wie eine Dokumentation und im Hand-Cam-Stil gedreht sind, hat er bei mir für Belustigung, aber auch für Gänsehaut gesorgt, weil die Dialoge, die da geführt werden, so abstrus erscheinen, die ich aber nach den Ereignissen der letzten Monate nicht mehr für unmöglich halten würde.
Genau wie beim Lesen des Buches habe ich an einigen Stellen gelacht und hinterher mit meinen Mitkuckern darüber diskutiert, ob man über Hitler lachen darf, oder ob das seine Taten nicht verharmlost (wir sind zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen).
Die Schauspielriege macht ihre Sache ordentlich und überzieht zum Glück nicht so, wie man das von manch einem gewohnt ist.
Gut gefallen hat mir auch, wie kritisch und zynisch unsere Medienlandschaft dargestellt wird, weil meiner Meinung nach gerade bei unserem Fernsehprogramm mittlerweile so einiges schief läuft!
Insgesamt halte ich ‚Er ist wieder da‚ für einen anschaubaren Film, der allerdings weniger gut als das Buch ist und nach meinem Gefühl stellenweise Angst vor der eigenen Courage bekommen hat und daher etwas zahm daherkommt.

Der deutsche Trailer

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5 Antworten zu Er ist wieder da

  1. CraMERRY schreibt:

    Also, ich habe mich beim Schauen echt gewunden und konnte es stellenweise kaum Aushalten. Mich haben diese quasi-dokumentarischen Sequenzen fast wahnsinnig gemacht. Wahrscheinlich, weil es so brutal die „Realität“ abbildet. Da war mir echt nicht zum Lachen. Und ich finde schon, dass man über Hitler lachen kann. Wenn es als totale Persiflage daherkommt oder so wie bei Switch-Reloaded. Aber in diesem Film fand ich es grausig. Ich habe nur noch nicht rausgefunden, ob es daran lag, dass es für mich nicht klar war, ob es reine Sarire, Doku oder Klamauk sein wollte. Ich glaube, als Buch funktioniert das besser. Allerdings habe ich es nicht gelesen. Ich saß übrigens mit meinem Kleinen im Kino. Und es war bizarr, wie er als damals 12-jährigem diese Bilder und den (vermeintlichen) Witz aufnahm, ohne das (mich stark beeinflussende) Hintergrundwissen.

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  2. CraMERRY schreibt:

    Nachtrag: ich finde ja, dass der Darsteller von Hitler nicht so ein großer Kerl sein sollte wie im vorliegenden Fall. Aber das liegt möglicherweise daran, dass ich ihn mir fiktionalisiert kaum vorstellen kann. Es bleibt immer der Eindruck der realen, grauenvollen Gestalt. Und die ist klein und gemein.

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  3. Servetus schreibt:

    Ob man über Hitler lachen darf: ich glaube, es kommt auf der Quelle der Gelächter an …

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  4. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Das Buch ist definitiv besser als der Film, geht allerdings auch sehr unter die Haut – mir zumindest.
    Über die quasi dokumentarischen Szenen konnte ich auch deutlich weniger lachen, als über die erkennbaren Filmszenen.
    Die Größe von Oliver Masucci (12 Zentimeter größer als Hitler, wenn das Internetz nicht lügt) hat mich auch etwas irritiert, da ist man wohl mehr nach Ähnlichkeit und sonstigem Können gegangen

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  5. Herba schreibt:

    @Serv: Das denke ich auch, aber wir Deutschen sind da ja immer überkorrekt und übervorsichtig. Vielleicht hat das Buch deswegen auch solch große Wellen geschlagen…

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