Die Herren der grünen Insel von Kiera Brennan

Irland, 1151:
Der sechsjährige Ascall wird ganz unvermittelt aus seiner Kindheit gerissen, als sein Vater, der Großkönig von Toora, nach langen Kämpfen nach Hause kommt und Ascall Zeuge seiner Grausamkeiten wird.
Fünfzehn Jahre später ist Ascall selbst König, hat sich als unbesiegbarer Krieger einen Namen gemacht und will sich an den O’Bjolans rächen, die ihm die Heirat mit der Tochter des Familienoberhaupts verweigerten.
Unzählige andere Konflikte beherrschen Irland und dann fallen auch noch die Normannen unter König Henry Plantagenet ein…

Gefühlt habe ich schon ewig keinen richtig dicken historischen Schmöcker gelesen und daher kam mir ‚Die Herren der Grünen Insel‚ mit fast 1000 Seiten und dem mittelalterlichen Irland als Setting gerade recht.
Über die Geschichte Irlands weiß ich recht wenig und der Werbetext zum Buch versprach in dieser Hinsicht einiges.
Außerdem wurde mit uralten Riten geworben und ein Vergleich zu Diana Gabaldon und George R. R. Martin gezogen.
Kiera Brennan hat einen gut lesbaren Schreibstil, der mir gut gefallen hat. Überzeugt hat mich die Autorin auch mit ihren detailierten Beschreibungen von Schlachten, historischen Fakten und Alltagsgeschehen, auch wenn die Geschichte zwischendurch dadurch durchaus auch Längen aufweist.
Als gutes Stilmittel habe ich auch die wechselnden Erzählperspektiven empfunden, durch die man als Leser immer wieder verschiedene Ansichten, Probleme und Meinungen der irischen Protagonisten präsentiert bekommt.
Auch die Frauen des Romans kommen nicht zu kurz und ihre Wünsche und Nöte stehen sehr oft im Mittelpunkt der Handlung.
Man sollte sich übrigens auf wahnsinnig viele Personen einstellen, die durch die Handlung wandern und das Geschehen manchmal etwas unübersichtlich werden lassen.
Gut fand ich, daß die Autorin recht schonungslos Kampfhandlungen und Gewalttaten schildert, ohne dabei für meine Begriffe zu effektheischend zu werden.
Nicht ganz überzeugt hat mich die Autorin manchmal mit den Worten, die sie ihren Figuren in den Mund gelegt hat, da kam mir einiges zu modern vor, aber das ist vermutlich Geschmackssache.
Und enttäuscht hat mich außerdem, daß die geweckten Erwartungen durch den Vergleich mit Gabaldon und Martin meiner Meinung nach zu keiner Zeit erfüllt wurden.
Weder gab es eine epische Liebesgeschichte noch irgendwelche Fantasyelemente. Nicht einmal der irsche Sagenwelt oder den im Klappentext angesprochenen irischen Riten wurd ein besonders großer Platz in der Handlung eingeräumt.
Natürlich wollen und sollen Menschen, die diese Werbetexte fabrizieren, zum Buchkauf animieren, aber ich würde mir wünschen, daß nicht sinnlos irgendwelche Erwartungen geweckt werden, die ein Buch dann nicht erfüllen kann!!!
Denn es gab durchaus Erwähnungen von alten Riten und auch Beziehungen, die sich über die Handlung weiterentwickelten.
Damit bin ich nun bei meinem größten Kritikpunkt: Ich konnte mit keiner einzigen Figur über die ganze Länge des Buchs Sympathie empfinden.
Einige Hauptfiguren waren einfach unsympathisch, auch wenn ich durchaus die Motivation hinter ihren Handlungen verstehen konnte.
Andere Hauptfiguren schaften es irgendwann mir auf die Nerven zu gehen und bei dem einzigen Pärchen, das ich wirklich mögen wollte, sprang der Funke nicht richtig über – echt schade!
Insgesamt war dieser Roman durchaus interessantzu lesen, bleibt für mich durch einige Schwächen und zu hoch gesteckte Erwartungen aber eher mittelmäßg als wirklich episch.

Die Homepage von Kiera Brennan
Kiera Brennan bei RandomHouse

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8 Antworten zu Die Herren der grünen Insel von Kiera Brennan

  1. linnetmoss schreibt:

    This sounds intriguing because there are not that many historical novels about early medieval Ireland, at least not to my knowledge. But I checked and it is only in German, for now. Generally I am not in favor of these huge sprawling novels. Even Gabaldon and Martin have become too confusing and slow-moving in recent years. Still I would be enticed to read this by the deer mythology and ancient rites!

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  2. Herba schreibt:

    @linnetmoss: That’s what me draw to the book in the first place. Sadly it’s from a german writer and I am not sure if there will be an english translation 😦
    I liked the first three of Gabaldons books, never read anything from Martin and have nothing against long history bookseries but I can’t stand the advertising strategy to compare a book with these for seeling purpose only when there are only little or no similarities at all :/

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  3. linnetmoss schreibt:

    Yes, they are just trying to capitalize on the success of the other books. I loved Gabaldon’s first three, but really found them lackluster after that.

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  4. Herba schreibt:

    @linnetmoss: Yes and it is okay if a comparison is justified but if not it’s only annoying

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  5. Katharina Münz schreibt:

    @Herba, danke für dieine Rezi, die mich wahrscheinlich vor einem Fehlkauf bewahrt hat.
    Wenn dich das frühmittelalterliche Irland interessiert, schau doch mal nach „Brombeerblut“ von Cornelia Briend (erschienen bei Knaur). Mir hat es sehr gut gefallen – allerdings solltest du weder einen 1000-Seiten-Schmöker noch zwingend ein Happy End erwarten.

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  6. Herba schreibt:

    Hallo Katharina!
    Vielen Dank für Deinen Kommentar und den Buchtipp, der wirklich interessant klingt und gerade auf meiner Wunschliste gelandet ist 🙂

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  7. Katharina Münz schreibt:

    Gerne doch! Ich wollte dir einfach was zum Austausch dalassen 🙂

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  8. Pingback: Bücher zu verschenken | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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