Sinn und Sinnlichkeit

Als der gut situierte Mr. Dashwood (Tom Wilkinson) stirbt, erbt sein ältester Sohn John (James Fleet) das Gut Norwood.
Die zweite Ehefrau (Gemma Jones) bleibt mit ihren drei Töchtern nahezu mittellos zurück und da sich John nicht an das Versprechen, das er seinem Vater gab, sich um Stiefmutter und Halbschwestern zu kümmern hält, ziehen die Vier in ein kleines Cottage in der Grafschaft Devonshire, das sie von einem entfernten Verwandten mieten.
Elinor (Emma Thompson), die Älteste der Dashwood-Schwestern reist traurig in das neue Zuhause, denn sie hat sich in Edward (Hugh Grant), den Bruder ihrer Schwägerin Fanny (Harriet Walter) verliebt.
In Devonshire angekommen wird Marianne (Kate Winslet), ihre jüngere Schwester, vom reichen, aber viel älteren Colonel Brandon (Alan Rickman) umworben, den sie allerdings nicht als Ehemann in Betracht zieht und sich stattdessen in den jungen, gutaussehenden Willoughby (Greg Wise) verliebt…

Sinn und Sinnlichkeit‚ dürfte die allererste Austen-Verfilmung sein, die ich bewußt gesehen habe und obwohl ich den Film schon unheimlich oft angeschaut habe, war gestern eine Premiere.
Zum einen habe ich den Film zum ersten Mal komplett im Original geschaut. Zum Anderen war das die erste Sichtung nach dem Tod von Alan Rickman, über den ich hier geschrieben habe und der mich unendlich traurig macht.

Wie immer haben mich die wundervollen Farben, die großartige Musik und die schönen englischen Landschaftsaufnahmen bezaubert.
Ich habe mich über den Wildfang Margaret amüsiert, über die hoffnungslos romantische Marianne den Kopf geschüttelt (und sie wie immer auch ein bißchen beneidet) und Elinor bewundert, die mit ihrer Stärke und ihrer Vernunft die Familie zusammenhält.
Ich war genervt von Mrs Fannings, Fanny, Lucy und Charlotte. Ich habe über die vielen amüsanten Dialoge gelacht und mit Elinor und Colonel Brandon gelitten….und ein bißchen auch mit Marianne, aber dass das Willoughby nicht gutgehen würde, war ja eigentlich klar! Und außerdem ist Colonel Brandon sowieso die viel bessere Wahl!!!

Auf den Szenen mit Alan Rickman hatte ich dieses Mal ein ganz besonderes Augenmerkt, auch wenn ich sowieso immer genau auf Brandon achte, wenn ich diesen Film ansehe.
Und auch mit Originalton ändert sich nichts daran, daß ich die Szenen zwischen Emma Thompson und Alan Rickman besonders liebe.
Ich mag es wie er mit Marianne spricht, wie er sie ansieht und dabei so viel ohne Worte ausdrücken kann.
Ich schmunzle immer wenn das Baby vorgestellt wird und er den unbehaglich schauenden Vater (Hugh Laurie) von der Seite voller Mitleid anschaut.
Und ich schwanke zwischen Lachen und weinen wenn er leicht derangiert vor dem Schlafzimmer wacht und dann um eine Aufgabe bittet, damit er nicht verrückt wird.
Alan Rickman hat in diesem Film nicht die meisten Szenen und schon gar nicht den meisten Text, aber seine Präsenz und sein Können sind dafür umso präsenter.
Ein großartiger Schauspieler zeigt dem Publikum Liebe, Faszination, Unbehagen, Freude, Trauer, Ärger und macht es einem leicht, sich am Ende für ihn und Marianne zu freuen und den Altersunterschied des Paares zu vergessen.

Großartig sind aber auch Emma Thompson, die so viel Wärme ausstrahlt, sich um jeden kümmert und dann am Ende, wenn alles gut wird, die Contenance verliert und sich durch den Heiratsantrag des ebenfalls wunderbar agierenden Hugh Grant schluchzt.
Wo Rickman Sinnbild des erwachsenen Dackel-Schmachtblicks ist, steht Grant für den jungendlich-verpeilten Dackelblick – herrlich!

Kate Winslet ist als Marianne ganz bezaubernd, aber manchmal eben auch ein wenig nervig, wie sie so in ihrem Wolkenkuckucksheim lebt und Shakespeare konsumiert. Aber da die Rolle so angelegt ist, kann ich auch ihr nur zu ihrem Können gratulieren. Sich neben diesem Cast zu behaupten, war sicher nicht ganz so einfach.

Zu Greg Wise kann ich vielleicht noch agen, daßich ihn in einer anderen Rolle oder in einer anderen Verfilmung durchaus gut hätte finden können.
Gegen Rickmans Brandon hatte erjedoch von vorne herein keine Chance, so gut er auch auf seinem Pferd aussieht!

Wie man vielleicht an allen diesen Ausführungen merken kann, liebe ich diesen Film wirklich sehr!
Die kleinen Ungenauigkeiten (Colonel Brandon hat bei Austen keinen Vornamen, im Film heißt er Christopher) und Ungereimtheiten (Wieso wird Edward wegen Lucy enterbt, ihr Bruder darf dann aber sowohl Erbe als auch Lucy behalten?) fallen mir zwar auf, tun dem wunderbaren Film aber keinen Abbruch und so habe ich ihn gestern sicher nicht zum letzten Mal angeschaut!
Allerdings hoffe ich, daß ich beim nächsten Mal nicht so viele Tränen vergießen werde, wie gestern…

Der englische Trailer

Ein kleiner Ausschnitt mit Alan Rickman

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13 Antworten zu Sinn und Sinnlichkeit

  1. Esther schreibt:

    Oh ja, der Film ist so sooo schön!!

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  2. DoomKitty schreibt:

    Da ich immerhin den Test gemacht habe (Which Austen heroine are you?) und Marianne Dashwood bei mir heraus gekommen ist, sollte ich mir den Film vielleicht auch mal anschauen. ^^ Wobei die einnehmende Singstimme, die Marianne wohl mitbringt, bei mir verloren gegangen ist 😉

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  3. DoomKitty schreibt:

    Und außerdem würde ich mich für den Älteren entscheiden und nicht für nen jungen Schönling! *püh*

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  4. Herba schreibt:

    @DoomKitty: Ja, mach das mal!!! Na ja, das mit der Singstimme ist ja immer so eine Sache. Mir ist das fast schon ein wenig zu hoch, aber man kann es sich anhören 🙂
    Der Junge war halt die erste große Liebe, aber am Ende erkennt sie ja, daß sie vielleicht mit etwas weniger Gefühl und etwas mehr Verläßlichkeit besser dran ist. Und da Brandon genauso schön Gedichte rezitieren kann wie der Jüngling und außerdem auch musikalisch ist, war die Sache dann gebongt 😉

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  5. suzy schreibt:

    Ein wunderschöner Film mit großartigen Schauspielern, die hier wirklich ihr Können zeigen dürfen. Ich habe ihn auch auf DVD und lege ihn immer mal wieder ein wenn das Fernsehprogramm mäßig ist 🙂

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  6. Herba schreibt:

    @Suzy: Das ist ein guter Plan. Ich werde die DVD nun auch nicht mehr ganz so tief in meinem DVD-Schrank verstecken 🙂

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  7. Fufi schreibt:

    Neben „Galaxy Quest“ und natürlich seiner Rolle als Snape ist dies auch meine Lieblingsrolle von Alan Rickman. Er und Emma Thompson sind einfach ein dream team 🙂 Wie Du habe ich den Film auch zum ersten Mal im Original gesehen und mir (mal wieder) geschworen, Filme mit ausgezeichneten Darstellern möglichst nur noch in OV zu sehen. Alan Rickman mit seiner eigenen Stimme ist einfach noch mal eine ganze Stufe besser!
    Und deshalb werde ich mir jetzt die Harry Potter-Filme auch zum ersten Mal im Original anschauen – und einen wundervollen Schauspieler und Menschen feiern.

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  8. nettebuecherkiste schreibt:

    Ich liebe den Film, er hat so viel Witz! Mir fällt gerade auf, dass ich Alan Rickman schon in jungen Jahren immer im Original gesehen habe, mit 16 wie schon erzählt in Robin Hood in einem midlandischen Kino, mit 19 in einem schönen Kino in Salisbury in Sense & Sensibility. Ein oder zwei Tage später waren wir dann in Wilton House, wo die Ballszene gedreht wurde und Kates Kleid ausgestellt war. Ich hätte es soooo gerne anprobiert 😉 (Kate Winslet ist übrigens genau 2 Tage älter als ich :-)).

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  9. Herba schreibt:

    @Fufi: Ich muss gestehen, daß ich ‚Galaxy Quest‘ (noch) nicht kenne…
    Emma Thompson und Alan Rickman haben wirklich toll harmoniert und wenn man ihre Botschaft nach seinem Tod liest, kann man vermutlich zum Teil verstehen, wieso das so war. Sie hat nicht nur einen tollen Kollegen, sondern auch einen engen Freund verloren 😦
    Damit hast Du absolut Recht. Die Synchro für ‚Sinn und Sinnlichkeit‘ ist zwar gut getroffen, wie ich finde, aber mit der eigenen Stimme wird das nochmal besser!
    Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim Potter-Rewatch!!! Ich glaube schöner kann man nicht an einen Schauspieler erinnert werden, als ihm beim Arbeiten zuzuschauen…

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  10. Herba schreibt:

    @Nette: Dieser Witz ist mit ein Grund, daß der Film so gut ist, denke ich. Er überrascht mich aber auch immer ein bißchen, weil Austen ja nicht unbedingt für ihren Witz bekannt ist – zumindest soweit ich weiß.
    Das klingt nach wirklich tollen Erinnerungen ❤ Das Kleid war sicher wunderschön anzusehen, solche Ausstellungen mag ich ja total gerne und das Kleid anprobieren zu wollen, liegt nahe! Und dann wartet man drauf, daß Colonel brandon ums Eck kommt 😉

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