Es wäre an der Zeit…

Ich war nie ein ambitioniertes Kind und hatte auch nicht, wie einige Klassenkameraden schon in der 7. Klasse einen fertigen Lebensplan für mich im Kopf.
Eine Sache wollte ich allerdings schon sehr früh und zwar Gitarre spielen lernen.
Ich habe keine Ahnung woher dieser Wunsch kam, denn in meinem damaligen Umfeld spielte nur meine Musiklehrerin aus der Grundschule Gitarre und die gehörte nun nicht wirklich zu den Menschen, die ich mir zum Vorbild genommen habe.

Meine Eltern unterstützten mich und meine Mutter erkundigte sich recht früh bei einer Musiklehrerin, nach dem geeigneten Alter, um Unterricht zu nehmen.
Und auch deren Antwort, daß ich noch zu jung bzw meine Hände zu klein seien, wenn ich nicht mit einer Kindergitarre anfangen wollte und der Umweg über (wahrlich grausigen) Flötenunterricht zum Noten lernen, konnten mich nicht von diesem Vorhaben abbringen.

Als es dann irgendwann doch losging, war ich auf meine Gitarre stolz wie Bolle und stört mich auch nicht daran, daß die Lehrerin, bei der ich unterricht bekam mit einer klassischen Ausbildung loslegte und ich in den ersten 10 Monaten nur Noten spielte und keine Akkorde für ‚richtige‘ Lieder.

Später, als ich dann bereit für die Akkorde war, spielten wir alles Mögliche – die Beatles, Rod Stewart, Reinhard Mey, Schlager, Pop, etc. und ich kam mit Musik in Berührung, die teilweise neu, teilweise cool, teilweise merkwürdig für mich war, die aber damals definitiv meinen musikalischen Horizont stark geweitet hat.

Die meisten Liedtexte kann ich immer noch komplett mitsingen, was beweist, daß der Platz in meinem Hirn für unnützes Wissen scheinbar unendlich ist und mir außerdem immer mal wieder den ein oder anderen schrägen Blick einbringt (‚Muss ich verstehen, wieso Du ein Lied von Truckstop mitsingen kannst???‘ ‚Wieso? Würdest Du lieber eins von Peter Alexander hören?‘).

Eins dieser Lieder geistert mir seit letztem Wochenende dauernd durch den Kopf.
Die Version, die ich kenne wurde 1980 veröffentlicht (das englische Original stammt aus dem Jahr 1976) und mich macht es gerade unendlich traurig, wie aktuell manche Zeilen jetzt wieder sind.
Sind wir Menschen denn wirklich nicht in der Lage friedlich miteinander zu leben, statt uns gegenseitig nur Leid und Schmerz zuzufügen?
Müssen wir wirklich immer nur Angst und Schrecken verbreiten, wenn wir uns von der Lebensweise unserer Mitmenschen bedroht fühlen?
Haben wir vergessen, wie man friedlich für den Frieden kämpft?

Die Zeilen von ‚Es ist an der Zeit‘ haben mich als Teenie sehr beschäftigt, vielleicht weil sie so kompromisslos vom Krieg erzählen.
Trotzdem möchte ich nicht den kompletten Liedtext hierher kopieren, sondern nur die letzte Strophe:

‚…Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur
Von deinem Leben, doch hör‘ meinen Schwur
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein:
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein
Dann kann es gescheh’n, daß bald niemand mehr lebt
Niemand, der die Milliarden von Toten begräbt
Doch finden sich mehr und mehr Menschen bereit
Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit!!!‘

Ich weiß, daß man mit ein bißchen Gesang und Gitarrengeklimper weder Terroristen noch andere Radikale beeindrucken kann.
Aber ich würde mir wünschen, daß wir alle mehr darüber nachdenken, wohin uns die aktuelle Weltlage auf die Dauer führen wird und das wir deshalb im Großen und im Kleinen wieder mehr für den Frieden tun werden, denn es wäre an der Zeit!!!

Habt alle ein sicheres Wochenende und paßt auf Euch auf!!!!!!!

‚Es ist an der Zeit‘ von Hannes Wader

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14 Antworten zu Es wäre an der Zeit…

  1. Esther schreibt:

    Danke, Herba, das ist schön!

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  2. Guylty schreibt:

    Das Lied kam mir gleich bekannt vor, obwohl ich jetzt kein Hannes Wader Fan bin (trotz fortgeschrittenen Alters). In Irland ist es unter dem Namen „The Green Fields of France“ bekannt. Ein wunderschönes Lied, aber inhaltlich natürlich todtraurig. Danke für diese Erinnerung – ich habe die deutsche Version mit Gänsehaut gehört.
    PS: Was machte die Klampfe heute? Spielst du noch?

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  3. schauwerte schreibt:

    Ich finde es so schade, dass die Zunft der LIedermacher so wenig Nachwuchs hervorbringt. Hannes Wader höre ich immer sehr gern.
    (Ich habe auch noch eine alte Akustikgitarre hier herumstehen, ich hatte als Jugendliche mal 3 Jahre Unterricht…)

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  4. Servetus schreibt:

    I love Hannes Wader (although I think I’m a bit too young and not German enough to appreciate him) and I love this song. Thanks for posting!

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  5. nettebuecherkiste schreibt:

    Das Lied bringt mich direkt zum Heulen. Wirklich wunderbar!

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  6. Herba schreibt:

    @Guylty: Die Klampfe wird nach wie vor gehegt und gepflegt, aber ich klimpere ab und zu höchstens für mich ein bißchen rum. Zu mehr reicht es leider nicht mehr, dazu fehlt die Übung…

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  7. Herba schreibt:

    @schauwerte: ich kenne von ihm bewußt relativ wenig und nehme mir immer mal wieder vor, mehr über seine Musik herauszufinden…

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  8. Herba schreibt:

    @Serv: I thought I might have seen some Wader-vids on your blog 🙂

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  9. DoomKitty schreibt:

    Wirklich ein beeindruckendes Lied! Nach solchen schonungslosen Worten bleibt man erstmal baff zurück.
    Und ich befürchte fast, dass man deine Fragen alle negativ beantworten muss. Das liegt wohl hauptsächlich an den in dem Lied genannten Lügen. Denn obwohl wir heutzutage so weitreichende Mittel und Wege hätten, um uns zu informieren, glauben wir doch das Meiste, was uns aufgetischt wird und folgen lieber bereitwillig dem Strom. Man muss halt wissen, wie man seine Schafherden im Zaum hält… (ja, ich weiß, zynisch, aber manchmal bleibt mir keine andere Reaktion auf das Geschehen in unserer Welt übrig)

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  10. Herba schreibt:

    @DoomKitty: Ich fürchte es auch. Wir hier in der westlichen Welt sind vermutlich einfach zu träge, um wirklich was zu ändern 😦

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  11. Guylty schreibt:

    Immerhin. Ist doch schön, wenn du sie dann und wann noch mal benutzt!

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  12. Servetus schreibt:

    Full disclosure: despite all the political objections to the song, of which I am aware, when Wader sings „Wie schön blüht uns der Maien,“ I get teary. „Ännchen von Tharau“ is a close second. (Servetus, geheime deutsche Nationalistin)

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  13. Herba schreibt:

    @Guylty: Finde ich auch und ich würde mich auch nie von ihr trennen!

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  14. Herba schreibt:

    @Serv *Roflmao*

    Gefällt 1 Person

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