Glück und Glas von Lilli Beck

Am schicksalhaften 7. Mai 1945 werden in einer Münchner Frauenklinik die beiden Mädchen Marion und Hannelore geboren.
Während Hannelore die Tochter eines wohlhabenden Schuhfabrikanten ist, dessen Familie den krieg relativ unbeschadet überstanden hat, ist Marion die einzige Tochter eines Soldaten, der in Kriegsgefangenschaft ist und dessen Frau sich allein durchschlagen muss.
Aus Mitleid stehlen Hannelores Eltern die Frau ein und die beiden Mädchen wachsen zusammen fast wie Schwestern auf.
Doch je älter sie werden, umso stärker macht sich der unterschiedliche Hintergrund der Mädchen bemerkbar und als Marion schließlich als Fotomodell entdeckt wird und Hannelore Jura studiert, driften die beiden jungen Frauen immer mehr auseinander.
Doch erst die Liebe stellt sie vor die wirkliche Feuerprobe für ihre Freundschaft…

Lilli Becks autobiographisch angehauter Roman, über eine Freundschaft, die sich über sieben Jahrzehnte erstreckt, ist in klarer Sprache und flüssig lesbar geschrieben und dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt, merkt man auch.
Da Marion von den beiden Frauen das aufregendere Leben führt, konzentriert sich die Geschichte in großen Teilen sehr stark auf sie, daher war sie mir vermutlich auch näher als Hannelore, die ich ein klein wenig zu klischeehaft beschrieben fand.
Marion kommt aus ärmlichen Verhältnissen, hat einen kriegstraumatisierten Vater und noch dazu rote Haare, wegen denen sie furchtbar gehänselt wird.
Trotzdem schafft sie es irgendwie einen eigenen Weg einzuschlagen, auch wenn dieser sie nicht immer glücklich macht.
Und obwohl sie keine große Schulbildung erlangen konnte, ist sie eine kluge Frau, die sich dafür in meinen Augen in manchen Lebenslagen ziemlich dumm anstellte.
Sie fand ich als Figur wirklich am besten ausgearbeitet und beschrieben.
Andere wiederkehrenden Figuren, wie Marions bester Freund, waren mir zwar oft sympathisch, aber auch hier fehlte mir wie bei Hannelore manchmal etwas Tiefe, um die jeweilige Figur interessanter zu machen.
Dafür schildert Lilli Beck sehr ausführlich Kleidung und Wohnumstände der Hauptpersonen, was mir persönlich auf Grund der Art der beschreibung sehr gut gefallen hat.
Die Handlung ist in die deutsche Geschichte eingewoben, was der Autorin am Anfang besser gelingt. Zum Ende hin kam es mir öfter mal so vor, als hätte Lilli Beck historische Fakten eher zusammenhanglos erwähnt, was für mich nicht wirklich viel Sinn macht, dem Lesevergnügen aber auch keinen Abbruch tut.
Insgesamt ist ‚Glück und Glas‚ eine unterhaltsame und doch gesellschaftskritische Geschichte über Freundschaft, Durchsetzungsvermögen und Liebe, die trotz kleinerer Schwächen durchaus lesenswert ist.

Die Homepage der Autorin
Lilli Beck bei RandomHouse

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