An Inspector calls (Originalversion)

England 1912:
In der fiktiven Industriestadt Brumley feiert die Unternehmerfamilie Birling die Verlobung ihrer Tochter Sheila (Chloe Pirrie) mit Gerald Croft (Kyle Soller), einem Sohn aus vornehmem Haus.
Gerade als der Selfmademan und Oberhaupt der Familie Arthur Birling (Ken Stott) eine Rede hält und dabei betont, daß jeder selbst für sein Glück verantwortlich ist, wird der Polizeibeamte Inspektor Goole (David Thwelis) gemeldet, der den Selbstmord einer jungen Frau (Sophie Rundle) untersucht.
Hat ein Mitglied der Familie Birling diese Tat verursacht?

Ich bin auf den Fernsehfilm ‚An Inspector Calls‚ eigentlich nur aufmerksam geworden, weil Thwelis und Stott mitspielen, die ich beide sehr schätze.
Ich wußte weder, das als Vorlage ein Bühnenstück von J.B. Priestley diente, noch worum es genau geht und habe mich daher auch ganz unbelastet vor den Fernseher gesetzt.
Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Esszimmer der Familie Birling. Dort lernt man die Familie und ihren Gast kennen und kann einen ersten Eindruck gewinnen, ohne schon genauer hinter die Fassade zu schauen. Als der Inspektor auftritt, gerät das Familiengefüge schnell aus den Fugen und jeder Anwesende muss damit umgehen, von Inspektor Goole gnadenlos einen Spiegel vorgehalten zu bekommen.
David Thwelis spielt den selbstbewußten, aber leicht undurchsichtigen Inspektor sehr überzeugend und mit der genau richtigen Mischung aus Arroganz und Durchsetzungsvermögen.
Ken Stott als Vater Birling hat mir auch sehr, sehr gut gefallen; allerdings habe ich bedingt durch seine markante Stimme immer mal wieder Ausschau nach Balin dem Zwerg gehalten.
Miranda Richardsons Rolle als Sybil Birling ist furchtbar blasiert und für mich wenig sympathisch. Auch wenn sie vermutlich nur das Beste für ihre Kinder will, erscheint sie kalt und hartherzig und das verkörpert die Schauspielerin zugegebenermaßen gekonnt.
Kyle Soller war mir als Sohn aus gutem Haus ein bißchen blass, aber das kann auch an der Rolle gelegen haben.
Die Birling-Kinder Sheila und Eric (Finn Cole) scheinen die einzigen zu sein, die der Inspektor mit seiner Geschichte erreicht und die bereit sind Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen. Pirrie und Cole sind für die Rollen der Geschwister sehr gut ausgewählt und wissen zu überzeigen.
Am besten in diesem guten Cast hat mir aber Sophie Rundle als Selbstmordopfer Eva gefallen. Glaubhaft verkörpert Rundle eine junge Frau voller Hoffnung, die nach und nach immer weiter abrutscht und irgendwann so verzweifelt ist, dass sie nur noch einen Ausweg sieht.
Neben der offensichtlichen Gesellschaftskritik hat mich am meisten der Inspektor beschäftigt.
Ist er überhaupt ein Inspektor? Ist er ein Mensch? Ein Engel? Oder eher sowas wie einer der drei Geister aus Dickens Weihnachtsgeschichte?
Viele Fragen und keine Antworten, aber genau das macht diesen Film sehenswert!

Ein kurzer Teaser-Trailer:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Filme und Serien, Spielfilm abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu An Inspector calls (Originalversion)

  1. CraMERRY schreibt:

    Klingt sehr vielversprechend. Ich habe zuhause eine steinalte Ausgabe von ’58 (Schulausgabe aus dem Bestand meines Papas) und kenne deshalb das Stück. Es hat mich immer sehr fasziniert. Gerade weil das mit dem Inspektor schon eine reichlich mysteriöse Angelegenheit ist.

    Gefällt mir

  2. Fufi schreibt:

    Ich war auch „schulisch vorbelastet“ und hatte das Stück noch halbwegs in Erinnerung, weil es mich damals sehr beeindruckt hat.

    Diese Verfilmung hat mir außerordentlich gut gefallen, weil sie, obwohl historisch und daher werkgetreu angelegt, das Zeitlose der Geschichte und damit auch die heutige Relevanz so gut herüber bringt.

    Und natürlich wegen David Thewlis, der einfach Klasse ist 😀

    Gefällt mir

  3. suzy schreibt:

    Ich muss mir jetzt endlich mal eine Programmübersicht besorgen…….Kam das jetzt gerade auf BBC1?

    Gefällt mir

  4. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Ja, mysteriös ist genau der richtige Ausdruck!

    Gefällt mir

  5. Herba schreibt:

    @Fufi: Die BBC hat das wirklich klassisch-zeitlos inszeniert und Thwelis war genau richtig für die Inspektoren-Rolle!

    Gefällt mir

  6. Herba schreibt:

    @Suzy: Nein, das lief schon vor zwei oder drei Wochen bei der BBC

    Gefällt mir

  7. Die Poe schreibt:

    🙂 Beim Titel dachte ich auch sofort: Moment, den Titel kenn ich, davon hab ich so ein kleines Heftchen, was irgendwer aus der Verwandschaft mal in der Schule gelesen hat 🙂

    Gefällt mir

  8. Herba schreibt:

    @Poe: Ist bestimmt schon älter, ich glaube in den letzten 30 Jahren hat das niemand mehr an deutschen Schulen gelesen 🙂

    Gefällt 1 Person

  9. CraMERRY schreibt:

    Meine Ausgabe wurde das letzte mal 1958 im Unterricht gelesen 😉

    Gefällt mir

  10. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Du weißt schon, daß das gerade eigentlich eine Steilvorlage für einen dummen Witz übers Alter war 😛 Gut, daß meine Selbstbeherrschung heute ihren guten Tag hat 😎 😉

    Gefällt mir

  11. CraMERRY schreibt:

    Herba-Hase: wer die Kommentare hier aufmerksam liest, der hat mitbekommen, dass es sich um eine historische Ausgabe aus der Schulzeit meines Papas handelt. 😉
    Darauf kannste mal grade garnix zu meinem Alter herleiten. Also nichts, was nicht schon schlimm genug wäre 😉

    Gefällt mir

  12. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Das hält mich an selbstbeherrschungsarmen Tagen nicht von dummen Witzen ab 😉

    Gefällt mir

  13. CraMERRY schreibt:

    Bin ja gerne beim Zeittotschlagen behilflich 😀

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s