Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

Jean Louise Finch alias Scout ist erwachsen geworden und lebt mittlerweile in New York.
Nun kehrt sie wie jedes Jahr zu einem Sommerurlaub zurück nach Maycomb, wo sich seit ihren Kindertagen einiges verändert hat und Jean Louise sieht sich mit einer Realität konfrontiert an der sie zu zerbrechen droht…

Ein bißchen ist ‚Gehe hin, stelle einen Wächter‚ mit daran schuld, daß ich vor kurzem zum ersten Mal den Vorgänger ‚Wer die Nachtigall stört…‚ gelesen habe, denn durch die angekündigte Veröffentlichung des Nachfolgers war sowohl die Autorin als auch der Klassiker seit Monaten in aller Munde.
Mit der Diskussion um die Veröffentlichung habe ich mich eher weniger beschäftigt, ich weiß nur, daß Harper Lee sehr, sehr lange gegen das Publizieren war und nun wird gemunktelt, daß ihre Erben ihr Alter ausgenutzt haben, um ein weiteres Buch, das eigentlich nur eine Rohfassung sein soll und noch vor ‚Wer die Nachtigall stört…‘ geschrieben wurde, auf den Markt zu werfen und viel Geld zu verdienen.
Ob diese Vorwürfe wahr sind, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, daß sich das Buch beim Lesen an manchen Stellen tatsächlich leicht unausgegoren anfühlte und ich nicht immer durchschauen konnte, worauf die Autorin mit manchen Szenen abzielte.
Gerade die erste Hälfte fand ich etwas zäh, was ich von einem Buch, von dem ich die Hauptfiguren schon kenne, so nie erwartet hätte.
Dass Scout sich verändert hat ist klar, schließlich ist sie mittlerweile erwachsen und damit kann ich auch ganz gut leben.
Dass Dill und Jem keine wirkliche Rolle mehr spielen tat mir sehr leid, wäre aber auch noch halbwegs verschmerzbar.
Was ich der Autorin aber doch etwas übel nehme ist die Beschreibung von Atticus und Calpurnia.
Dabei finde ich die Schilderungen gar nicht unglaubwürdig, sondern einfach traurig und ich habe im letzten Drittel des Buches mit Jean Louise gelitten, als ihre Welt in Scherben fällt.
Onkel Jack fand ich mit seinem Geschwafel über weite Schrecken ziemlich nervig und Hank fand ich zuerst sympathisch und dann aus heutiger Sicht, die man zugegebenermaßen nur bedingt auf die Südstaaten der Fünfziger Jahre anwenden sollte, furchtbar borniert.
Der geschichtliche Hintergrund mit den Andeutungen auf die Gesetzesänderung des Bundesgerichtshofs war mir zu wenig gut erklärt. Ich kann zwar etwas damit anfangen, weil ich mich (auch wegen Selma) vor nicht allzu langer Zeit damit beschäftigt habe, aber wenn man davon keine Ahnung hat, könnte ich mir vorstellen, daß man das nicht wirklich gut einordnen kann.
Insgesamt ist ‚Gehe hin, stelle einen Wächter‘ für mich ein eher mittelmäßiges Buch, das bei mir nicht den Wunsch geweckt hat, es noch einmal zu lesen und das mich bei weitem nicht so verzaubern konnte, wie sein Vorgänger.

Harper Lee’s Homepage

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Eine Antwort zu Gehe hin, stelle einen Wächter von Harper Lee

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