Herbas Hundehistorie

Wir Menschen teilen uns ja gerne mal in Hunde- oder Katzentypen ein und mit der Antwort auf die Frage: ‚Hund oder Katze?‘ soll sich schon so manch einer in die Nesseln gesetzt haben.

Ich bin mit beiden Arten aufgewachsen, allerdings hatten wir selbst keine Katzen und die meiner Großeltern waren sehr unabhängige Bauernhofkatzen, die sich selbst aussuchten, ob sie Kontakt mit Menschen haben wollten und so stehen mir Hunde näher, denn mit denen bin ich wirklich groß geworden.

Hasso mit meiner Schwester - Anfang der 80iger

Hasso mit meiner Schwester – Anfang der 80iger

Mein erster Hund war ein schwarzer, kurzhaariger Schnauzer-Jagdhund-Mischling namens Hasso.
Hasso war circa zwei Jahre alt, als meine Mutter mit mir schwanger war und er legte oft seinen Kopf auf Mamas Bauch oder stieß mit seiner Schnauze sanft dagegen.
Leider gibt es davon keine Fotos, aber meine Mutter meint immer, dass es aussah, als würde er mit mir kommunizieren und für mich ist Hasso ganz klar der Grund, daß ich Hunde so liebe.
Hasso hatte tiefgründige Augen und war zu fünfundneunzig Prozent die Ruhe selbst.
Aber er liebte es zu laufen und zu buddeln und wenn er irgendwo eine Maus oder einen Hasen witterte, konnte er ewig vor so einem Loch ausharren.
Hasso war kein großer Knuddler, er entschied meist selbst, wenn er Streicheleinheiten brauchte.
Sein Rudel beschützte er ohne Wenn und Aber und wenn er einen von uns in Gefahr wähnte, konnte er richtig heftig werden, besonders wenn fremde Männer die Arme zu hoch hoben oder nach Alkohol rochen.
Für Nußschokolade und Rhabarberkuchen konnte Hasso auch mal vergessen, dass man sich nicht an Menschenessen vergreift und wenn im Sommer eine alte Bundeswehrliege auf dem Rasen stand, quetschte er sich zu gerne mit den beiden Jüngsten des Rudels auf das Teil – allerdings traf ihn keinerlei Schuld, als meine Schwester mir bei so einer Quetschaktion einen Milchzahn austrat. Das war ganz allein IHRE Schuld klugscheiß zwinker

Mero auf seinem Lieblingsaussichtspunkt Anfang der 90iger

Mero auf seinem Lieblingsaussichtspunkt Anfang der 90iger

Als Hasso langsam in die Jahre kam, erzählte ein Arbeitskollege, der Schäferhunde züchtete, meinem Vater, daß er einen Welpen hätte, der durch eine Fehlstellung der Hüfte nicht zur Zucht zu gebrauchen sei und den er daher ‚entsorgen‘ müßte.
Daraufhin kam kurze Zeit später der 13 Wochen alte Mero in unsre Familie.
Hasso war zuerst von dem kleinen Hundeknirps gar nicht begeistert, arrangierte sich aber nach zwei Tagen mit ihm und überließ dem Jungspund irgendwann sogar die Chefrolle.
Mero war ein richtiger Alpharüde ohne großen Jagd- und Apportiertrieb (‚Was kuckst Du mich so an?! DU hast das Ding geworfen, also kannst DU es auch holen gehen!‘), aber mit ganz viel Schmusebedürfnis und wenig Kompromissbereitschaft – wenn ihm nach Schmusen war, wurde so lange genervt, bis sich jemand fand, der ihn beschmuste und ihm erzählte, was für ein toller Kerl er doch sei!
Hasso und Mero ergänzten sich super und führten ein zufriedenes Leben als Doppelgespann.

Als uns Hasso mit knapp 14 Jahren verließ, beschloß mein Vater, daß ein Hund nun erstmal reichen müßte.
Mero fand das eigentlich ganz schön, weil er nun entgültig der Platzhirsch war, aber dem weiblichen Familienanteil fehlte definitiv was.

Dino beim ersten Kennenlernen im Garten der Vorbesitzer

Dino beim ersten Kennenlernen im Garten der Vorbesitzer

Bis ein paar Monate später ein Freund meiner Eltern vom Hund seines Sohns erzählte, der über jeden normalen Gartenzaun sprang und somit leider zum Problemfall geworden war.
Nach einer Besichtigung des Hochspringers und einem Blind Date mit Mero, das zum Glück ohne Hauen und Stechen ablief, zog der zweijährige Bobtail-Mix Dino bei uns ein.
Dino war ein recht genügsames Kerlchen, Hauptsache es gab genug Futter, ab und an mal eine Streicheleinheit und genug Federvieh zum Beobachten.
Ja, Dino war ein großes Fan von Hühnerfernsehen, allerdings sollten wir lernen Meet and Greets mit den Stars seiner Lieblingsserie zu vermeiden, da diese eher unglücklich abliefen.
Ansonsten war der große Fussel total verträglich und man konnte ihn nur mit Gewittern wirklich schocken – die Geschichte wie mein Vater ihn an den Hinterpfoten unter einem VW-Bus, wo er sich vor Angst versteckt hatte, hervorziehen mußte, erzähle ich aber lieber ein anderes Mal.
Leider wurde Dino mit circa 10 Jahren krank und bevor sich der Tierarzt darüber klar wurde, wie man ihm helfen konnte, wachte er eines Morgens nicht mehr auf.
Nun war Mero wieder der einzige Hund im Haus, aber er wurde natürlich auch nicht jünger und nur wenige Monate nachdem uns Dino verlassen hatte, ging auch Mero im Schlaf.

Jack, der Familienhund im Sommer, in dem er über die Regenbogenbrücke gegangen ist

Jack, der Familienhund im Sommer, in dem er über die Regenbogenbrücke gegangen ist

Meine Schwester und ich hätten nach einiger Zeit gerne wieder einen Hund gehabt, aber meine Eltern (vor allem mein Vater) lehnte das strikt ab und es sollte 7 Jahre dauern, bis sich meine Schwester durchsetzte und der kuschelige Mischling Jack bei uns einzog – Leute, die regelmäßig meinen Blog lesen, haben sicher schonmal von ihm gehört.
Jack war treu wie Gold und absolut verträglich. Durch ihn hat eine ängstliche Hündin die schlimmste Scheu vor anderen Hunden verloren und auch hundescheue Besucher trauten sich meist nach kurzer Zeit ihn zu streicheln, wobei er aber nie aufdringlich war.
Selbst Postboten und Paketlieferanten brauchten sich vor ihm nicht in Acht zu nehmen und freuten sich, wenn der Knuddelbär sie begrüßte.
Leider war ihm kein langes Leben vergönnt und im letzten August mußten wir ihn mit knapp zweieinhalb Jahren erlösen lassen, was alle im Mehrgenerationenhaus Herba, aber vor allem meine Schwester, schwer getroffen hat.

Jeder dieser Hunde war etwas ganz Besonderes, hat viele Spuren in meinem Leben hinterlassen, wird immer vermißt werden und einen besonderen Platz in meinem Herzen haben!

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18 Antworten zu Herbas Hundehistorie

  1. frauvonelmdings schreibt:

    Schön 🙂 … meine erste eigene Webseite wurde inspiriert durch den ersten „eigenen“ Hund der im Sommer 2002, 9 Wochen alt, bei uns einzog. Leider verliess er uns nach knapp 10 Jahren, was ein grosses Loch in meinem Herzen hinterlassen hat. Dies konnten auch die verbliebenen beiden (und mittlerweile vier) nur bedingt „stopfen“. Die Seite erhielt zwar irgendwann ein neues Layout, aber wird schon lange nicht mehr richtig gewartet. Im Archiv findet sich aber viele schöne Erinnerungen, weswegen ich sie auch nicht völlig stillegen möchte 😉 Kannst ja mal reinschauen: http://www.sambamba.de
    Sambamba ist swahili und bedeutet „Seite an Seite“

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  2. suzy schreibt:

    Wie Du uns schon mitgeteilt hast, hat ein neues schwarzes/ graues? Fellbündel Eure Herzen erobert – wie sieht es aus? Ist der Hörtest erfolgreich gewesen? Ich hoffe einfach ja?!!! und dass Du aus diesem Grunde heute Deine Hundehistorie veröffentlicht hast? ❤

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  3. Guylty schreibt:

    Och schööööön. Ich hab noch nie einen Hund gehabt. Ich hätte gerne einen. Aber wer zwischen zwei Ländern lebt, der reist viel und das kann man einem so sozialen Tier einfach nicht antun. Ich freu mich solange einfach an den schönen Geschichten von anderen, so wie deiner. Hoffe, die hundlose Zeit ist nun bald vorbei bei euch!

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  4. Servetus schreibt:

    Aaaaw.

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  5. Herba schreibt:

    @frauvonelmdings: Danke für den Link. Ein paar Bilder habe ich mir gerade schon angeschaut, total toll! Vor allem, weil ich Rhodesian Ridgebacks total klasse finde 🙂

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  6. Herba schreibt:

    @Suzy: Schokoladenbraun, aber er dunkelt gerade etwas nach und hört dabei hervorragend 😀 Demnächst gibt es dazu dann auch mal ein paar Bilder!

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  7. Herba schreibt:

    @Guylty: Ja, das stimmt, für solche Lebensumstände sind Hunde definitiv nicht geeignet, da sind Katzen pflegeleichter. Ich könnte mir ohne unser Mehrgenerationenhaus auch keinen Hund halten, von daher ist das eine schöne Sache. Meine Schwester ist der Rudelführer und ich springe ein, wann immer ich Zeit habe oder Not am Mann ist oder ein acht Wochen alter Welpe meint, er hätte ‚Hunger‘ auf Schuhe *grummel*

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  8. nettebuecherkiste schreibt:

    Das hast du wunderbar erzählt! Soll noch mal ein Hundi bei euch einziehen?

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  9. Herba schreibt:

    @Nette: Danke! Wenn man meine Schwester Anfang des Jahres gefragt hätte, wäre ein klares, lautes „NEIN!!!“ die Antwort gewesen. Mittlerweile sind wir aber wieder beim „Ja“ und es gibt sogar schon einen konkreten Einzugsplan.
    Hat sich denn eigentlich mittlerweile Dein Bilbo wieder erholt?

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  10. nettebuecherkiste schreibt:

    Das freut mich! 🙂 Bilbo scheint es besser zu gehen, aber ich bin noch vorsichtig mit solchen Aussagen. Morgen haben wir noch mal einen Termin zur Blutabhnahme.

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  11. suzy schreibt:

    Da bin ich aber heilfroh dass der Kleine gut hört! Viel Spaß! Viel Freude und ich freue mich auf weitere Fotos von dem neuen Familienmitglied 🙂

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  12. Herba schreibt:

    @Nette: Ich drücke Euch beiden weiterhin die Daumen, daß er wieder gesund wird!

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  13. Herba schreibt:

    @Suzy: Und ich erst! Das wäre das Megadrama geworden… Danke Dir, den werden wir sicher haben und langweilig wird es mit dem Kerlchen auch nicht 🙂

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  14. Hariclea schreibt:

    oh, das waren ja sehr sehr schone Freunde und eigentlich auch Mitglieder 🙂 Ich hoffe ihr findet einen neuen Hunde-Familienzusatzt bald 🙂 bei euch im Haus lebt es sich ganz gut 🙂

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  15. Herba schreibt:

    @Hari: Sie waren definitiv Familienmitglieder. Danke, wir sind auf einem guten Weg für einen neuen Vierbeiner 🙂

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  16. Ines schreibt:

    Einfach nur schön ❤

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  17. Pingback: Gekommen, um zu bleiben | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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