The Burning of Bridget Cleary – a true story von Angela Bourke

Irland, 1895:
Die junge Bridget Cleary wird krank. Ihr Ehemann Michael Cleary kommt zusammen mit ihrem Vater, anderen Verwandten und den Nachbarn zu dem Schluss, daß sie von Feen entführt wurde und stattdessen ein Wechselbalg zurückgeblieben ist, das nur so aussieht wie Bridget.
Umd die echte Bridget zurückzubringen, wird nun einiges unternommen. Schließlich verschwindet die Frau und die Polizei findet Tage später nur noch ihre verbrannte Leiche.
Wurde Bridget Cleary von ihrem eigenen Ehemann umgebracht?

The Burning of Bridget Cleary‚ ist mal wieder eins der Bücher, über die ich beim Fangirlen gefallen bin und das nicht wirklich zu meiner normalen Leseroutine paßt. Sachbücher zu lesen (und dann auch noch in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist), wird sicher auch nie Routine für mich werden, aber in diesem Fall hat es mit dem Verstehen ganz gut geklappt.
Angela Bourke beschreibt nicht nur die Lebensumstände der Clearys, die Ereignisse während Bridgets Krankheit und den Prozess, der auf das Auffinden ihrer Leiche folgt, sie taucht auch in soziologische, politische und folkloristische Themengebiete ein, die als Hintergrund einen Einfluss auf Bridget Clearys Schicksal zu haben scheinen.
Die Autorin tut das sehr anschaulich und ich habe beim Lesen viel über irische Geschichte und Tradition gelernt.
Leider verzettelt sie sich dabei aber auch ein wenig und stellenweise fehlte mir der rote Faden beziehungsweise der nahe Bezug zum eigentlichen Thema des Buches, nämlich Bridget Cleary.
Ansonsten hat mich beim Lesen erschreckt, wie weit Menschen für das was sie glauben gehen und das, was Bridget durchgemacht haben muss.
Genauso erschreckend fand ich aber auch wie stark kulturelle Unterschiede (in diesem Fall zwischen Irland und England) zum Beispiel das Recht beeinflussen können und wie schädlich es für ein Volk sein kann, einfach eine andere Kultur übergestülpt zu bekommen, ohne die Chance die eigene Identität bewahren zu können.

Dass dieses Problem auch mehr als hundert Jahre später noch aktuell ist, wurde mir übrigens vor ein paar Tagen bewußt, als mir jemand von einer Gesprächsrunde zur Optimierung der Flüchtlingsunterbringung in meinem Wohnort erzählte.
Da waren die zuständigen Menschen total überzeugt davon eine verschiedensprachige Broschüre mit den wichtigsten Infos für Flüchtlinge zu erarbeiten und fanden es eher merkwürdig, als der geladene Experte, der selbst vor einigen Jahren als Flüchtling nach Deutschland kam, von diesem Plan abriet und vorschlug, eher das persönliche Gespräch in den Vordergrund zu stellen, weil man das in den Kulturen, aus denen aktuell die meisten Flüchtlinge kommen, eben so macht.
Ich würde darauf wetten, daß trotzdem für teures Geld so ein Werk gedruckt wird und man sich dann befremdet und empört darüber wundert, daß es die Zielgruppe nicht nutzt….aber vielleicht kommt da auch einfach mein angeborener Realismus zu sehr durch und ich irre mich, wer weiß!

Für mich ist die Schuld von Michael Cleary und den anderen Beteiligten am Tod von Bridget übrigens vollkommen unstrittig.
Trotzdem kann ich auch nach der Lektüre noch schwer einschätzen, ob sie alle wirklich an die Feengeschichte glaubten, oder ob nicht teilweise auch andere Beweggründe hinter den Ereignissen steckten.
Daher fällt es mir auch schwer zu bestimmen, ob ich mit dem Ausgang des Prozess einverstanden bin, oder ob ich die Urteile unbefriedigend finde.
Insgesamt fand ich das Buch interessant, lehrreich und es hat mich definitiv zum Nachdenken angeregt.
Wer mehr über den Fall Cleary wissen möchte, liegt hier auf keinen Fall falsch und wer das Buch nicht kaufen möchte, kann meinem Beispiel folgen und es (per Fernleihe) über die Bibliothek seines Vertrauens ausleihen!

Angela Bourke bei „Irish Writers Online“
Angela Bourke bei RandomHouse

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16 Antworten zu The Burning of Bridget Cleary – a true story von Angela Bourke

  1. Sarah schreibt:

    Das Buch liegt auch noch bei mir auf dem Lesestapel, aber bis dato fremdele ich immer noch damit. Auch weil ich Irland nicht wirklich „auf dem Radar“ habe. Und auch weil ich bei den ersten 10 Seiten irgendwie vermisst habe das mir erklärt wird wer Bridget Cleary ist. Vielleicht wird’s noch was mit dem Buch und mir.

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  2. nettebuecherkiste schreibt:

    Klingt interessant. In Wie Herr Rosenblum in England sein Glück fand geht es um eine solche Broschüre für Flüchtlinge in England im 2. Weltkrieg.

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  3. Herba schreibt:

    @Sarah: Das Fremdeln kann ich nachvollziehen. Im Verlauf des Buchs erfährt man schon einiges über Bridget, aber die Autorin weicht wie schon weiter oben beschrieben immer mal wieder vom ‚rechten Weg‘ ab, daher braucht man ein bißchen Geduld und auch einiges an Konzentration, damit man mitbekommt, wenn sie einen Gedankengang, den sie drei Kapitel vorher angefangen hat, zu Ende führt.
    Wenn Du dich gar nicht mit dem Lesen anfreunden kannst und nur einen groben Überblick erhalten möchtest, reicht meiner Meinung auch der englische Wikipediaartikel zu Bridget Cleary…

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  4. Herba schreibt:

    @Nette: Das war es definitiv. Vor allem über den Feenglauben im ‚alten‘ Irland wußte ich so gut wie gar nichts, da war das schon sehr erhellend.
    Danke für den Tipp, das schaue ich mir gleich mal näher an

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  5. Guylty schreibt:

    Oh, wow – du machst wirklich deine Hausaufgaben! Ich habe mich nach der kurzen Erstbegegnung mit dem Fall Bridget Cleary vor ein paar Wochen noch nicht weiter in das Thema vertieft, aber nach deiner Buchbesprechung hier bin ich jetzt doch neugierig. Vielleicht muss ich mal gucken, ob meine Dubliner Bibliothek das Buch bestellen kann. Immerhin hatte ich vor ein paar Wochen schon mal einen Freund, der aus Co Tipperary stammt (das ist die Grafschaft, in der Bridget Cleary gelebt hat), gefragt, ob ihm der Fall etwas sagt. Treffer. Tatsächlich ist diese Mordgeschichte dort immer noch präsent.
    Noch kurz zu deiner Anmerkung, es sei schwer einzuschätzen, ob die Leute wirklich an die Feengeschichte glaubten, oder ob es andere Motive für den Mord gab. Es mag grundsätzlich bei so einem erzkatholischen Land wie Irland schon einmal seltsam anmuten, dass dort ein Feenglaube so starken Rückhalt hatte. Interessanterweise herrschte in Irland schon immer eine ganz eigene Version des Katholizismus, die sich sehr stark mit Naturglauben verbunden hat. Gegen diese keltische Prägung ist Rom immer machtlos gewesen. – Auch heute noch gibt es überall in Irland so genannte „Fairy Rings“ und „Fairy Trees“. Bei letzteren handelt es sich meistens um Weißdornbäume, sehr knorrig und alt, oft mitten auf Feldern. Man sagt, dass darin die Fairies leben – und weil man die Macht der Fairies fürchtet, fällt man diese Bäume nicht, weil es sie ganz sicher verärgern würde. Die Weißdornbäume sind das Tor zur Schattenwelt. Vor einigen Jahren gab es den aufsehenerregenden Fall, als der Bau einer Autobahn sich verzögerte, weil ein Fairy Tree im Weg stand. Liest du hier: http://www.independent.co.uk/news/john-walsh-on-monday-irish-road-sidetracked-by-the-fairies-right-of-way-1120744.html Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass vor 100 Jahren die Leute noch fest an die Fairies glaubten…

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  6. suzy schreibt:

    Danke für die Kurzzusammenfassung, jetzt weiß ich wenigstens etwas konkreter worum es geht. Ich dachte allerdings immer dass nur Babys als Wechselbalg galten und nicht erwachsene Menschen. Die Idee mit der Fernleihe ist gut, kaufen muss ich das Buch glaube ich nicht 🙂

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  7. Servetus schreibt:

    Thanks for this — I think I’ll wait until he starts filming it to get involved …

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  8. Herba schreibt:

    @Guylty: Das kann ich mir gut vorstellen. Diese Geschichte geht so tief ans Eingemachte auf so vielen Ebenen…
    An den tief verwuzelten katholischen Glauben dachte ich bei meiner Bemerkung ehrlich gesagt gar nicht, obwohl das ein guter EInwand ist. Ich meinte damit eher, ob die Leute wirklich glaubten, daß Bridget von Feen entführt worden war und man sie wieder zurückholen müßte, oder ob bei der Gewalt gegen sie nicht andere Motive wie Neid eine Rolle spielten und der Feenglaube nur vorgeschoben war.
    Hier kann man fast eine Parallele zu den Hexenprozessen von Salem ziehen, wo ja auch einige Bewohner die Prozesse dazu nutzen, ungeliebte Nachbarn loszuwerden.
    Da Bridget und ihr Mann im Gegensatz zu ihren Nachbarn finanziell relativ gut dastanden und Bridget durch ihre Nähmaschine eine selbstbewußte, unabhängige Frau war, gab es sicher einige, die ihr gerne eine Lektion erteilt hätten…
    Die ‚Fairy Trees/Rings‘ finde ich total spannend, danke für den Link!

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  9. Herba schreibt:

    @Suzy: Der im Buch verwendete Begriff ist ‚fairy changeling‘ und ich fand Wechselbalg als Überzetzung jetzt auch nicht so gelungen, aber was besseres habe ich nicht gefunden/ist mir nicht eingefallen. Gemeint ist aber einfach ein ‚Platzhalter‘, den die Feen für den entführten Menschen zurücklassen.
    Ja, eine wirkliche Alternative zum Buchkauf, wenn man ein bißchen Zeit hat und das gewünschte Buch nicht am nächsten Tag schon in Händen halten will – nutze ich sehr gerne für Fangirllektüre, die ich sonst nie gelesen hätte 🙂

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  10. Herba schreibt:

    @Serv: I thought filming of this piece would start sooner than later, but RA surprised me with the brain-thingy (reading that book too right now)

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  11. Guylty schreibt:

    Ist sicher nicht auszuschließen, dass es noch andere Motive gab, warum Cleary das Leben seiner Frau aufs Spiel gesetzt hat. Bin nur nicht sicher, ob ich das Ganze „Mord“ nennen würde, sondern eher Totschlag.
    Zieht die Autorin die Parallele zu der Hexenjagd von Salem? Erscheint mir auf den ersten Blick nämlich nicht einleuchtend. Ich hätte angenommen, dass die Menschen zu viel Respekt und Angst vor den Fairies haben, als dass sie sie für ihre eigenen Zwecke missbrauchen… Aber das wird die Lektüre mir sicherlich erschließen.

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  12. Herba schreibt:

    @Guylty: Ihrem Ehemann habe ich eigentlich noch mit am meisten abgenommen, daß er das alles tut, um seine Frau zurückzubekommen, aber es waren ja auch Nachbarn und Verwandte beteiligt.
    Nein, jedenfalls nicht, daß ich mich erinnern könnte. Diese Parallele hat sich mir ein bißchen aufgedrängt…

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  13. nettebuecherkiste schreibt:

    Ich hab schon ein paar Bücher über keltische Mythologie gelesen, daher kenne ich die irischen Feengestalten. Interessiert mich immer 🙂

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  14. Herba schreibt:

    @Nette: Ich fand das auch megaspannend!

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  15. Pingback: Bridget Cleary ( w/Richard Armitage) is Alive and Well | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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