Die Räuber (Audible)

Karl Moor (Sven Lauer), der älteste Sohn eines reichen Firmenbesitzers studiert und lebt in Berlin, wo er seine Freiheit genießt und schließlich sein Studium hinschmeißt.
Als er von vorne anfangen und seinem Vater (Friedrich Liechtenstein) beichten möchte, was passiert ist, wendet er sich zuerst telefonisch an seinen jüngeren Bruder Franz (Gero „Stumpen“ Ivers).
Dieser rät ihm verständnisvoll dem Vater einen Brief zu schreiben und ihn um Verzeihung zu bitten. Doch Franz spielt ein falsches Spiel. Er unterschlägt Karls Brief, verleumdet ihn und setzt schließlich durch, daß Karl enterbt wird.
Verzweifelt ist Karl nun alles egal und er schließt sich als Hauptmann einer Räuberbande an. Wird der Verrat von Franz irgendwann auffliegen?

Ich mag den Herrn Schiller ja sehr gerne (im Gegensatz zu Herrn Goethe) und fand die Idee sein erstes veröffentlichtes Drama in einer modernen Version zu vertonen total spannend!
Audible hat sich dafür einiges einfallen lassen und als Sprecher Mitglieder der Bands Jupiter Jones, Knorkator, Ohrbooten, Der Fall Böse, Beatsteaks und Gleis 8 angeheuert.
Dass viele der Sprecher keine Profis sind, hat man meiner Meinung nach nicht wirklich gemerkt.
Dafür fand ich zwei Sprecher für ihren Part etwas unpassend.
AnNa R. klang etwas zu jung für eine Haushälterin, die schon jahrzehntelang im Haus ist, aber wirklich schlimm ist das nicht.
Dagegen nervte mich das breite Berlinerisch von Ivers kolossal. Nicht, weil ich etwas gegen diesen Dialekt hätte, sondern weil bei mir während des Hörens die Frage aufkam, ob man damit die Unterlegenheit von Franz demonstrieren wollte.
Falls das die Lösung des Rätsels ist, finde ich persönlich das mehr als fragwürdig!!! Ansonsten macht der Dialekt einfach keinen Sinn, weil sowohl Vater als auch Bruder Moor Hochdeutsch sprechen und Franz ja vermutlich nicht die ersten paar Jahre seines Lebens in eine – Achtung Klischee! – Berliner Currywurstbude ausgelagert wurde!
Musik und Hintergrundgeräusche werden sparsam eingesetzt, was mir gut gefallen hat, weil man sich so wirklich auf die Stimmen der Sprecher konzentrieren kann und die Dialoge nicht unnötig überdeckt werden. Wo dann Hintergrundgeräusche/Musik eingesetzt wurden, fand ich es immer passend und gut gelungen.
Die Transformation von Schillers Drama in die Neuzeit funktioniert hier für mich leider nur bedingt, da hätte man mit manchen Details vielleicht noch kreativer beziehungsweise mutiger umgehen müssen – wählen zum Beispiel Verbrecher in unserer Zeit und unsren Breiten wirklich einen Hauptmann für ihre „Bande“?
Insgesamt ist das Hörspiel ein kurzweiliges Hörerlebnis mit kleinen Schwächen, das aber durchaus geeignet sein kann, um einem jüngeren Publikum einen ersten Zugang zu einem klassischen Stoff der deutschen Literatur zu verschaffen.

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