Jugendsünden

„Sssssssscccccchhhhhhhhhhhhhhhhh! Wenn uns Balin erwischt zieht er uns die Hammelbeine lang!!!!“
Thorin hatte keine Ahnung, wieso er sich zu diesem Schwachsinn hatte überreden lassen, aber hier war er nun.
Nachts, unterwegs mit einer alten, klapprigen Leiter aus Holz und in der Gesellschaft einer seiner besten Freunde, der einmal mehr auf Freiersfüßen wandelte.
Dwalin war ein junger Heißsporn, der kein Risiko scheute, egal ob es um Kampf auf Leben und Tod oder um die Liebe ging.
Nun hatte er sich in den Kopf gesetzt um die beste Freundin der königlichen Prinzessin Dis zu werben und Thorin war hier, um Dwalin dabei zu unterstützen, auch wenn er von der ganzen Unternehmung wenig hielt.
Als königlicher Prinz war ihm in die Wiege gelegt sein Handeln stehts mehrfach zu überdenken, seinem Volk mit gutem Beispiel voranzugehen und sich nicht durch unsinnige Taten zu blamieren.
Dazu gehörte unter anderem, daß er nicht mitten in der Nacht durchs Fenster bei einer Zwergin einbrach, um sie mit Liebesschwüren zu überhäufen. Und auch seinem besten Freund dabei die Leiter zu halten war hart an der Grenze dessen, was sich schickte, aber er hatte es versprochen und der Sohn von Thráin hielt immer, was er versprach, egal was es ihn kostete!
Wenn die Zwergenfrau allerdings nur ein klein wenig seiner Schwester Dis ähnelte, würde sie Dwalin ihren Nachttopf überziehen und ihn dann rückwärts zum Fenster hinausbefördern.
Bei diesem Gedanken mußte Thorin grinsen. Eigentlich täte so ein Dämpfer Dwalin mal ganz gut und vielleicht würde das den Heisporn wenigstens zeitweise wieder zur Vernunft bringen!
„Wir sind da“ flüsterte Dwalin kurz darauf und stellte die Leiter an eine Wand.
„Die Leiter ist zu kurz!“
„Ach was, ich komme trotzdem locker an das Fenster. Mach Dir mal keine Sorgen mein Prinz und halt einfach die Leiter fest!“
Ohne auf weitere EInwände zu warten, klopfte Dwalin Thorin auf die Schulter und fing an leise und behänd die Leiter hinaufzuklettern, als aus einer Gasse hinter ihnen das Geräusch von Schritten erklang.
Aber bevor Thorin Dwalin warnen konnte, passierten mehre Dinge gleichzeitig; ein wutschnaubender Balin stand vor ihm und setzte an ihm die Leviten zu lesen.
„Hab ich euch nicht verboten Euch mit meinem nichtsnutzigen Bruder in Schwierigkeiten zu bringen….“
Zur gleichen Zeit, gab die altersschwache Leiter ein merkwürdiges, krachendes Geräusch von sich und ein leises ‚Zwwwwuuuuuusch‘ kündigte das schnelle Fallen eines schweren Gegenstandes an, als auch schon Dwalin, der wild mit den Armen ruderte, vom Himmel fiel und Balin und Thorin mit sich zu Fall brachte, als er unsanft auf dem Boden landete.
Stöhnend half Dwalin Thorin auf die Beine.
„Das nächste Mal besorge ich eine anständige Leiter, versprochen mein Prinz!“ und grinste dabei frech…

„Wieso mir wohl ausgerechnet diese Begebenheit nun wieder in den Sinn kommt?“ fragte sich ein älterer Thorin, als er schwankend auf den Rand des vereisten Wasserfalls zulief.
„Weil ich glücklich war, vermutlich! Meine Welt war noch heil und noch kein Drache hatte unser Reich in Schutt und Asche gelegt…“
Vor seinem inneren Auge sah er die Hallen seines Volks, die vor Geschäftigkeit nur so brummten, seinen Vater und Großvater, die noch nicht von der Last des Goldes niedergedrückt wurden.
Er sah seine Schwester, die glücklich lächelnd ihre Söhne im Arm hielt, sah Kili und Fili wie sie als kleine Zwerge quietschend vor Freude auf seinem Rücken geritten waren.
Ja, sie alle waren glüclich gewesen, aber diese Zeiten waren lange vorbei, viele seiner Lieben waren gegangen und er hatte sie und sein ganzes Volk enttäuscht.
Er hatte sich blenden lassen und das verdammte Königsjuwell hatte ihn genauso beherscht und wahnsinnig gemacht, wie seine Vorväter.
Thorin atmete schwer. Seine Reise, die vielen Entbehrung – alles war umsonst gewesen!
Er ging in die Knie, fiel auf den Rücken und schaute in den wolkenverhangenen Himmel.
„Thorin!!!“
Nein, alles war nicht umsonst gewesen. Beim Klang der Stimme, die seinen Namen rief, fiel ihm ein, daß er auf dieser Reise einen Freund gefunden hatte. Einen Freund, der immer zu ihm gestanden hatte, egal was passiert war und das konnten nicht viele von sich sagen.
Er hustete, das Atmen fiel ihm jetzt schwer und seine ganze linke Seite brannte wie Feuer.
„Thorin….oh nein….ich hole Hilfe!“
„Nein, Bilbo, mein Freund. Es ist zu spät! Lass mich gehen und geh zurück nach Hause….zu Deinen Büchern….schau Deinen Bäumen beim Wachsen zu…es tut mir leid…“
„Thorin!!!! Nein, halt durch! Schau, da sind die Adler, sie kommen und helfen uns….“

Aber es war zu spät! Das Licht in Thorins Augen war für immer verloschen und der Prinz und Anführer der Zwerge sah nicht mehr, wie die Schlacht endete.
Er sah nicht mehr, wie der Feind vertrieben wurde. Und er sah auch nicht mehr, wie seine Freunde und Gefährten sich um ihn herum versammelten und sich ein letztes Mal vor ihrem König verneigten.
Thorin, Sohn von Thrain, Sohn von Thror war für sein Volk gefallen, ehrenvoll und ohne Bedauern, tot aber nicht vergessen…

* * * * * * * * * * * * * * * * *

Dieser Text ist für das Gemeinschaftsblogprojekt von Poe und mir entstanden und wurde von Peter Jackson Adaption von Tolkiens ‚Der Hobbit‘ inspiriert. Das Thema war ‚Zwerge‘.
Gesamter Text © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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12 Antworten zu Jugendsünden

  1. Die Poe schreibt:

    Hach scheeeeee!

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  2. silke lion schreibt:

    Klasse, danke 🙂 .

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  3. suzy schreibt:

    Oh jeee das weckt Erinnerungen…….

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  4. M schreibt:

    Dwalin als junger Heißsporn! Da erklärt sich doch die Tatsache, wie Dwalin an (O-Ton HobbitCon, Beitrag im GMT-Panel) an 16.000 Töchter gekommen ist. Früh übt sich….. 😉

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  5. Servetus schreibt:

    What a way to go!

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  6. Pingback: Mach was #4 Zwerge | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  7. Herba schreibt:

    @all: Danke für die lieben Kommentare!!!

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  8. Herba schreibt:

    @M: *lol* Man muss den Mann einfach mögen! ❤

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  9. Herba schreibt:

    @Serv: A truly majestic dwarf!

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  10. M schreibt:

    Sorry, ich muss mich korrigieren. Ich weiß nicht wie sich diese Zahl (16.000) in meine Gehirn geschlichen hat, aber Dwalin hat ’nur‘ 3.000 Töchter. Da hat er aber nochmal Glück gehabt *g*

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  11. Herba schreibt:

    @M: Ach na ja, ob 3000 oder 16000! Alles Peanuts 😉

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