Die Walrus – ein Insiderbericht

Viele haben eine etwas verklärte Vorstellung von Piraten und ihrem Leben. Bei Berichten über sie wird gerne übertrieben und man stellt sie entweder als böse Teufel oder als schneidige Helden dar.
Nun ja, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, aber laßt euch von einem, der seit einiger Zeit auf einem Piratenkutter zur See fährt, gesagt sein:
Das Leben an Board ist kein Zuckerschlecken!

Natürlich geht es unerwartet demokratisch zu, wenn es um die Wahl eines Kapitäns geht.
Da wird der beste Mann von der ganzen Crew gewählt oder eben auch wieder abgewählt, wenn er sich danebenbenimmt, keine Beute macht, es nicht genug Rum an Bord gibt oder die Männer einfach mal eine Veränderung brauchen.
Die Walrus hat gerade einen ziemlich guten Kapitän, wenn ihr mich fragt. Ich halte zwar allgemein nicht ganz so viel von Rotschöpfen, weil die so unberechenbar wie ihre Sommersproßen sind, aber ich muss einfach zugeben, daß James Flint alles hat, was man als Cäptn eines Piratenhaufens haben sollte.
Er ist groß, stattlich gebaut, hat einen netten Bart, kann segeln und kämpfen und hat einiges an Grips, was man nicht von allen Seelen auf diesem Schiff sagen kann.
Natürlich ist er auch absolut skrupellos und scheut sich nie davor irgendwem mal gehörig auf die Nuss zu klopfen, wenn er meint daß das nötig ist, aber nun ja, deswegen ist er vermutlich auch Pirat und nicht Kreuzfahrtschiffdirektor geworden.

Seine rechte Hand ist zur Zeit der riesige Billy Bones. Ihm vertraut die Crew, weil er einer von ihnen ist.
Außerdem durchschaut er Flint ganz gut und daß ist für alle von Vorteil. Na ja, immer kommen die beiden nicht gut miteinander aus.
Das liegt aber vor allem daran, daß Billy vor kurzem mal bei Sturm über Bord gefallen ist. Alle dachten er wäre tot. Und alle dachten Flint hätte ihn geschubst.
Wie man sieht ist er nicht tot, sondern einfach nur eine Zeit lang abgängig und über die andere Sache wird hier an Bord einfach nicht mehr geredet – wegen des Arbeitsklima und so…

Dann gibts hier auf der Walrus, wie auf jedem Schiff, eben die Crew. Davon sind die meisten halbwegs gute Seeleute – die schlechten ersaufen immer als erstes wenn’s gefährlich wird, daher gibts auf den sieben Weltmeeren auch nicht so viele davon – und einige sind nicht so übel wie andere.
Da ist zum Beispiel Jojo, der zur See fährt seit er ein kleiner Hosenscheißer war, fast die ganze Welt bereist hat und ein richtig guter Seemann ist.
Außerdem ist er ein richtig guter Pirat, aber nicht übermäßig blutrünstig, eben nur so viel, damit er selbst überlebt.
Dann gibts es Männer wie Smee in der Crew, die zwar gute Seeleute aber auch ziemlich morsch im Oberdeck sind.
Vor denen muss man sich in Acht nehmen, vor allem wenn ihnen langweilig wird. Dann fangen sie nämlich an nachzudenken und dabei kommt meist nichts Gutes heraus.
Aber unser Cäptn hat sie alle im Blick und sobald er in ihren Oberstübchen die Murmeln rollen hört, weiß er, daß es Zeit ist ein Schiff zu kapern und zwar ziemlich zügig!

Neben der normalen Crew ist im Moment auch noch ein Gast an Bord. Der Kerl heißt Charles Vane und ist ein ziemlich zwielichtiger Bursche.
Ich habe keine Ahnung wo unser Cäptn den aufgegabelt hat und wieso er mit durfte, aber gut, wenn er anfängt Fisimatenten zu machen, können wir ihn ja immer noch kielholen.
Man munkelt, daß er auch mal Piratenkapitän war, dann aber sein Schiff verloren hat und zwar durch die Machenschaften einer Dame.
HA! Das muss man sich mal vorstellen – eine Dame hat den sein Schiff gekostet!
Ganz so helle wie unser Cäptn kann er also nicht sein, denn ich bin mir sicher, daß das Flint nie passiert wäre!
Und was eine Dame an diesem Vane gefunden haben mag, ist mir auch unbegreiflich! Haare wie eine Klobürste, Klamotten aus der Mottenkiste und das Benehmen eines Vagabunden….na ja, wenn ich ehrlich bin, hat er eine ganz nette Stimme, also wenn ich eine Dame wäre….aber ich bin ja keine.
Also werde ich diesen Galgenstrick gut im Auge behalten. Nicht daß wir auch noch unser Schiff verlieren, weil Vane hier ist!

Zum Glück gibts hier keine Damen und auch sonst keine Frauenzimmer!!! Die bringen nur Unglück und sind am Ende dann noch schlauer als die Piraten und ruckzuck steht man unter dem Pantoffel, wird nur noch rumkommandiert und muss sich ständig waschen – schreckliche Vorstellung!
Nur in der Kombüse da wäre ein Frauenzimmer das kochen kann manchmal ganz nett.

Die Kombüse der Walrus ist John Silvers Reich und Kochen ist nicht so unbedingt seine Stärke.
Eigentlich war er mal Crewmitglied, aber er hat vor kurzem sein Bein verloren – fragt mich bitte nicht wie! Mir ist nämlich schleierhaft wie man ein Bein verlieren kann! – und nun wurde er während seiner Reha zum Kochen abkommandiert, damit er sich an sein Holzbein gewöhnen kann.
Ich fand das sehr nett vom Cäptn aber Silver ist seitdem ziemlich miesepetrig, weil er da den ganzen Tag allein ist, niemanden zum Quatschen hat und abends dann alle über sein Essen – schrecklicher Fraß! – nörgeln!
Quatschen hingegen kann Silver hervorragend.
Er soll sich schon aus so mancher Bredouille rausgequatscht haben und dumm ist er auch nicht. Auf ihn hat der Cäptn auch ein besonderes Auge, ich glaube nämlich, daß Flint Silver nicht traut.
Wenn ihr mich fragt ist das auch ziemlich verständlich. Wer traut schon einem Kerl, der sein eigenes Bein verloren hat?!
Er darf trotzdem auf die Bordziege, die Hühner und die Kuh aufpassen – einer muss den Job ja schließlich machen und es ist auch gar nicht so leicht die Zeige von ihren Verehrern innerhalb der Crew zu beschützen!

Mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten. Ich meine, die Walrus schippert ansonsten ganz ruhig über die sieben Weltmeere, die Besatzung kapert Schiffe und murkst renitente Seeleute ab – was Piraten halt so machen, wenn sie nicht gerade in Nasau oder Tortuga vor Anker gehen, um neue Vorräte aufzunehmen, ihre Beute zu verkaufen und den Gewinn zu versaufen.

Wer ich bin? Habe ich mich nicht vorgestellt? Bei meiner Piratenehre, wie unhöflich!
Ich, meine werten Leser, werde Cäptn Flint genannt….nur nicht von Silver, der nennt mich ‚verfluchtes Papageien-Vieh‘ – aber was will man auch von einem Piraten erwarten, der sein eigenes Bein verloren hat…

* * * * * * * * * * * * * * * * *

Dieser Text ist für das Gemeinschaftsblogprojekt von Poe und mir entstanden und wurde lose von den ‚Black Sails‚ inspiriert. Das Thema war ‚Piraten‘.
Gesamter Text © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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20 Antworten zu Die Walrus – ein Insiderbericht

  1. suzy schreibt:

    Da gingen mir ein paar Gesichter durch den Kopf! Danke, die Schatzinsel ist doch immer wieder für tolle Geschichten gut…….. ❤

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  2. Die Poe schreibt:

    HERRLICH!!!! ❤

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  3. M schreibt:

    Ich hätte es ja auch ‚herrlich‘ gefunden, wenn da nicht eine Sache wäre….
    Das mit dem ‚zwielichtig‘ kann ich echt nicht nachvollziehen!!!!
    Ihr verkennt den Mann total!!!! Und neben der g….. Stimme (die ist ja wohl mehr als nur ’nett‘) ist er einfach scharf!!!
    😉

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  4. silke lion schreibt:

    …klasse, danke.

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  5. Herba schreibt:

    @Suzy: Es freut mich wenn die Klamauk-Nummer die Herrschaften nicht zu stark verfremdet hat 😀

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  6. Herba schreibt:

    @Poe: Und das von der Frau mit der Vogelphobie 😉 :*

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  7. Herba schreibt:

    @M: *lol* im Gegensatz zu Flint ist Vane halt zwielichtig, da kannst du sagen, was du willst! Das heißt ja nicht, daß ich seine Qualitäten nicht zu schätzen weiß, ganz im Gegenteil! Ich freu mich immer, wenn er in der Serie was sagen und/oder sein Hemd ausziehen darf :mrgreen:

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  8. Herba schreibt:

    @Silke: Nichts zu danken. Auch wenn das Thema für mich ein harter Brocken war hat das Schreiben am Ende doch wieder Spaß gemacht 🙂

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  9. Hedgehogess schreibt:

    LOL!

    Wahrscheinlich bin ich die einzige, die die Inspirationsquelle nicht guckt, aber man kann problemlos auch losprusten, ohne das zu kennen. Ich sag nur: Arbeitsklima, Reha, „wie kann man ein Bein verlieren“ … 😀 😀

    Sehr schön, Unkraut!

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  10. Pingback: Gemeinschaftsblogprojekt ‘Mach was!’ – Ergebnis #3 und neues Thema | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  11. Herba schreibt:

    @Hedgehogess: Ach ich glaube da gibts schon noch ein paar mehr Leutchen 🙂
    Danke schön!!!

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  12. N schreibt:

    „Und was eine Dame an diesem Vane gefunden haben mag, ist mir auch unbegreiflich!“
    Das kann ich jetzt nun überhaupt nicht nachvollziehen. Eine Dame kann eine Menge an diesem Vane finden. Als erstes die absolut klasse Stimme. Whisky, Zigarren und S.. pur. 😉 Dann der Body, …..

    Doch klasse geschrieben, ich habe mich köstlich amüsiert.

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  13. utepirat schreibt:

    Herrliche Geschichte, herba, woher nimmst du nur die Einfälle…
    Nur die Haare könnte sich der Flint mal waschen, ich wäre da auch gerne behilflich, und dann in die roten Locken greifen 🙂
    Nun muss ich wohl doch noch aufbleiben, habe den Start im Abendprogramm verpasst, Recorder ist zwar programmiert, aber jetzt habe ich Appetit auf mehr bekommen, das wird eine lange Nacht.

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  14. Hariclea schreibt:

    ausgezeichnet! war das ein Lacher mit der G’sellschaft da an Bord 🙂 und toll geschrieben!

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  15. Herba schreibt:

    @N: Hast Du dich gerade als Dame bezeichnet? Damit hätte ich ja nun nie gerechnet. Ich hab Dich immer unter ‚Frau mit Badboy-Syndrom‘ verbucht 😉
    Danke, freut mich, daß Dir die Story gefällt! :*

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  16. Herba schreibt:

    @Ute: Danke! Vermutlich einfach zu viel überschüssige Phantasie 😉
    Und, wie gefällt Dir die 2. Staffel?

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  17. Herba schreibt:

    @Hari: Danke, schön, daß es Dir gefallen hat!

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  18. Hariclea schreibt:

    mir hat der Ton gefallen und wie er uber alle redetet, echt toll 🙂 Freue mich auf deine Zwerggeschichte :-p

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  19. Herba schreibt:

    @Hari: Ich freue mich wirklich, daß die Geschichte gut ankam. Ich hatte nämlich wirklich Schwierigkeiten was zum Thema Piraten zu fabrizieren. Zwerge sind da einfacher im Handling 😉

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  20. Hariclea schreibt:

    na also ich weissss nicht, mir fallen bei Zwerge immer diese wackelnden Zwergelein von Disney in Schneewittschen ein und der dazu passende Song hey-ho hey-ho ;-))

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