So ein Bahnstreik der ist lustig…

….So ein Bahnstreik der ist schön.
Denn da kann man ganz viele Reisende
Genervt am Bahnsteig stehen sehn!“

Quelle: Mein eigenes Machwerk frei nach dem Motto: Reim Dich oder ich fress dich!

Ich glaube, ich habe schon öfter erzählt, daß ich seit nun fast 15 Jahren mein Berufsleben als Pendler friste, was bei einer halbwegs guten und noch recht schnellen Verbindung jetzt nicht soooo hart ist – zumindest im Normalfall.

Kleine Verspätungen, die sich im Rahmen von 5 bis 15 Minuten bewegen, sind normal und fallen gar nicht mehr weiter auf und auch an ‚Störungen im Betriebsablauf‘ gewöhnt man sich irgendwann.
Für Aufregung sorgt bei mir eigentlich nur noch die oft nur rudimentär oder gar nicht vorhandene Informationspolitik der Verantwortlichen, aber auch da kann man ja leider als Kunde nicht für Abhilfe sorgen und so lohnt längeres Aufregen nicht wirklich.

Nun wird mein Pendlerleben in den letzten Monaten durch anhaltende Warnstreiks ‚bereichert‘, die der ganzen Geschichte tageweise eine ganz neue Art der Spannung verleihen.
Ob die Forderungen der Streikenden gerecht und vernünftig sind, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen, weil ich mich damit nicht wirklich auseinandergesetzt habe, aber die Verdoppelung meiner Fahrzeit und das ’sympathische‘ Auftreten der Gewerkschaftsfunktionäre sind nicht gerade darauf ausgelegt meine Empathie zu steigern!

Urlaubnehmen war dieses Mal leider keine Option, also hieß es für mich auf den Notfallfahrplan zu warten und das Beste zu hoffen.

Überraschenderweise hatte die Bahn das Ganze scheinbar im Griff und am späten Dienstagnachmittag konnte ich online den Ersatzfahrplan für meine Strecke abrufen, der mir sagte, daß jede Stunde eine Bahn fahren würde – na, wenn das wirklich so kommen würde, wäre für mich alles nur halb so wild!

Mittwochmorgen war dann auch noch alles entspannt, totz Notfallfahrplan. Die Bahn war zwar viiiiiel voller als sonst, kam aber pünktlich und ich konnte sogar noch einen Sitzplatz ergattern.
Auf dem Heimweg am selben Tag sollte ich nicht so viel Glück haben. Ich quetschte mich abends in einen absolut überfüllten Zug, verbrachte die Heimfahrt stehend und war mehr als froh, als ich an meinem Heimatbahnhof ankam.

Fazit des ersten Tages: Volle Bahnen, längere Wege, aber alle Mitreisenden entspannt und froh, daß der Notfallfahrplan funktioniert!

Gestern Morgen war die Bahn dann schon an meinem Bahnhof gut besetzt, also hieß wieder stehen.
Nach vier weiteren Haltestellen war der Zug dann so proppenvoll, daß niemand mehr rein kam, wenn vorher keiner ausstieg.
Das hielt aber wartende Menschen nicht ab, ins Abteil zu drängen, was erstens mehr als unbequem für die, die schon drin waren, war und zweitens auch nichts brachte, außer sarkastische und unmutige Bemerkungen der Mitreisenden – voll ist eben voll!
Außerdem durfte ich mal wieder feststellen, daß ich mit meinen 1,60 in solchen Situationen immer den größten Mitreisenden abbekomme, der dann vor mir steht, mich einkeilt und das perfekte Sardinen-in-der-Büchse-Gefühl auslöst – gut, daß ich keine Platzangst habe und das Ganze zwar immer unangenehm finde, es aber ohne größere Blessuren überstehe!

Nach einem leicht durchwachsenen Arbeitstag wollte ich meinen Heimweg nicht schon wieder stehend verbringen und versuchte mein Glück daher an einem anderen Bahnhof, wo immer sehr viele Leute ein- und aussteigen und siehe da, der Umweg wurde wirklich mit einem kleinen Plätzchen für meinen Hintern belohnt.
Ansonsten war die Bahn wieder so voll, wie die am Morgen und die Unterhaltungen um mich herum, bei denen es um das absehbare Streikende ging, waren deutlich angestiegen.
Umso ungläubiger registrierte ich, daß die junge Frau, die den Platz neben mir ergattert hatte, in aller Seelenruhe eine Haarbürste auspackte, anfing ihre hüftlangen Haare zu bürsten und den Bürstabfall durch die Gegend schnickte.
Der Herr, der mir gegenübersaß, schaute genauso ungläubig wie ich, brauchte allerdings circa 2 Minuten länger als ich, um seine Sprache wiederzufinden.
Denn ich konnte mir ein ‚Entschuldigung, hören Sie bitte auf, mich mit Ihren Haaren einzudecken!‘ nicht verkneifen.
Das rief keinerlei Reaktion hervor und erst als der Herr, der mir gegenübersaß sich einmischte und forsch fragte: ‚He, haben Sie nicht gehört?! Sie sollen aufhören!‘ wurde die Bürste unter Protest weggepackt (der Herr und ich bekammen lautstark Ausländerfeindlichkeit unterstellt, allerdings hat sich mir die Logik dieses Vorwurfs nicht so ganz erschlossen).
Weiter hinten im immer noch knallvollen Abteil gab es dann kurze Zeit später eine hitzige Diskussion zum Thema laute Musik, aber zum Glück war ich drei Haltestellen weiter endlich an meinem Heimatbahnhof angekommen und konnte mich nach dem Aussteigen erstmal enthaaren.

Fazit des zweiten Tages: Weniger Chaos als erwartet, irgendwann ist auch der verträglichste Pendler genervt und Dreistigkeit kennt keine Grenzen.

Heute morgen lief dann wieder alles mehr oder weniger normal und ich bin echt froh, daß das Wochenende ohne öffentlichen Nahverkehr vor der Tür steht – der nächste Streik kommt schließlich bestimmt und dann heißt es wieder:

‚So ein Bahnstreik der ist lustig…‘

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu So ein Bahnstreik der ist lustig…

  1. silke lion schreibt:

    Willkommen daheim und ein sonniges Wochenende sei Dir gewünscht.

    Gefällt 1 Person

  2. suzy schreibt:

    Schönes Wochenende und erhol Dich gut vom Streik!

    Gefällt 1 Person

  3. Die Poe schreibt:

    Wochenendeeeeee!!! Erhol Dich gut!

    Gefällt 1 Person

  4. Servetus schreibt:

    Ok, I admit I’m laughing because I didn’t realize „schön“ rhymes with „sehn.“ Too much time in Göttingen.

    Gefällt mir

  5. Ruhrköpfe schreibt:

    Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln – damit lässt sich ein ganzer Blog füllen 😉

    Gefällt mir

  6. Hariclea schreibt:

    jo, das war lustig auch in der Dortmund Dusseldorf Kombination neulich… quetsch questch.. von einem Bahnsteig zum anderen laufen um den schnelleren (weniger verspateten Zug) zu erwischen dann um 2 Uhr morgens von 5 auf 10 auf 25! Verspatung…. mitten in der Nacht, wiesoooo??? usw usf. Ich war von meinen Freundinnen vorgewarnt und hatte selber schon mal Quetscherlebinisse auf der Strecke aber so wars… plus Mitreisende, vor uns schnarchte eine mit offnem Mund wahrend ihr Handy laut aus der Tasche in einem fort bimmelte… bloss sie hat es nicht gehort, sonst alle im Vagon…
    ich fuhle deinen Schmerz! schon dass endlich Wochenede ist und hoffe der jetztige Streik ist bald vorbei..
    Ach ja, aus unserer Wochenenderfahrung war online Info uber Handy besser als die am Bahnhof, also uber die App oder die Seite, da stand tatsachlich was noch lief und was nicht. 🙂

    Gefällt mir

  7. Herba schreibt:

    @Serv: Well it doesn’t 🙂

    Gefällt 1 Person

  8. Herba schreibt:

    @Ruhrköpfe: Oh ja, gut, daß man irgendwann abstumpft!

    Gefällt 1 Person

  9. Herba schreibt:

    @Hari: Oh je, bei einer Reise in einem fremden Land braucht man so eine Erfahrung ja noch weniger 😦 Ich hoffe, Du bist trotzdem halbwegs gut dahin gekommen, wo Du hin wolltest!?

    Gefällt mir

  10. Hariclea schreibt:

    ja ist alles doch gut gelaufen und ich war darauf vorbereitet 😉 aber im Alltag wurde mich sowas auch die Wande rauftreiben!

    Gefällt mir

  11. Herba schreibt:

    @Hari: Man gewöhnt sich wie gesagt dran. Vor 10 Jahren wäre ich mehr als verärgert gewesen, jetzt war ich einfach froh, daß ich trotz Streik irgendwann am Arbeitsplatz bzw daheim ankam 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s