The Hard Problem (National Theatre London live)

Am letzten Donnerstag wurde im Kino meines Vertrauens mal wieder eine NTlive Produktion aus England gezeigt und zwar ‘The Hard Problem‚ von Tom Stoppard.

Und darum geht es:
Hilary (Olivia Vinall) hat Psychologie studiert und beschäftigt sich mit der Frage was das Bewußtsein ist und wie es entstand. Dabei ist für die junge Frau Gott die Antwort, zu dem sie jeden Tag vorm Schlafengehen betet.
Dieser Antwort auf das ‚Hard Problem‘ widerspricht ihr Tutor Spike (Damien Molony) ganz entschieden. Er sieht alles, was Menschen an Gutes tun, als Lernprozess, Eigennutz und Sicherung der Spezies. Kann die Forschung des „Krohl Institute for Brain Science“ Aufschluss darüber geben, wer von den beiden Recht hat?

Da ich auf dem naturwissenschaftlichen Sektor eher unbegabt bin, hatte ich bei diesem Stück im Vorfeld etwas Sorge, daß ich dem Thema in einer Fremdsprache nicht mehr folgen könnte.
Zum Glück habe ich die Kernaussagen des Stücks durchaus mitbekommen – glaube ich zumindest…

Olivia Vinall hat mich schon bei dem kurzen Videoeinspieler vor Beginn des Stücks begeistert und zwar mit ihrer tollen Stimme.
Sie klingt wahnsinnig ausdrucksstark und sehr angenehm und wirkt dadurch nicht ganz so zierlich wie ihr Körperbau das eigentlich nahelegen würde.
Zwischen Vinall und Damien Molony herrscht eine großartige Chemie. Da konnte man selbst durch die Leinwand hindurch das Knistern und die Verbindung der beiden spüren.
Ich mag vor allem in der ersten Szene, wie Spike Hili anschaut und daß er nicht verbergen kann, daß er sie am liebsten zu Boden knutschen würde, obwohl er über das, was sie sagt, total erbost ist.
Molony ist mit seinen Wuschelhaaren, seinem spitzbübischen Grinsen und dem netten Körperbau ein wirklich ansehnlicher Anblick – vor allem im mintgrünen Seidenneglige mit Spitzenbesatz – und für den leicht zynischen, aber sehr liebenswerten Spike eine absolut wunderbare Besetzung!
Anthony Calf, der Jerry, den Millionär und Finanzier des Instituts bei dem Hili arbeitet spielt, gibt den Selfmademan überzeugend, auch wenn die Rolle nur recht klein ist und seine teuren Klamotten nicht gerade wie maßgeschneidert passen – der Pulli in seiner ersten Szene spannte ganz schön und hat meine Begleitung und mich etwas irritiert.
Den restliche Cast fand ich passend ausgesucht, alle Schauspieler bildeten meiner Meinung nach gute Ergänzungen zu Olivia Vinalls Hili.

Die klassische Klaviermusik, die immer mal wieder ertönte fand ich einerseits wunderschön und andererseits auch hervorragend als Untermalung zu den Szenenwechseln. Genau wie die Lichteffekte, die die riesige Lichtinstallation des National Theatre an die Decke zaubert und die mich bei ‚Frankenstein‘ schon schwer beeindruckt hat.
Was ich allgemein am englischen Theater sehr schätze, sind die zurückhaltenden Kostüme und Kulissen und das ist mir auch bei ‚The Hard Problem‘ wieder positiv aufgefallen.
Da findet sich kein unnützes Requisit auf der Bühne und niemand ist unpassend gekleidet.

Tja, und wie war das nun mit dem ‚Hard Problem‘?
Ist unser Bewußtsein nun ein Beweis für die höhere Macht, die uns geschaffen hat oder ist sie Teil unserer Evolution?
Für mich hat das Stück diese Frage nicht beantwortet – wie auch – aber ich fand die beiden Positionen zu diesem Thema für mich als Laien relativ anschaulich gegenübergestellt.
Bei längerem Nachdenken haben beide Positionen für mich Teile, die ich unterstreichen kann; andere finde ich dagegen wieder nicht ganz nachvollziehbar.

Insgesamt war ‚The Hard Problem‘ für mich, anders als für viele englische Theaterkritiker, ein sehenswertes Stück, weil ich mich einerseits amüsiert und gut unterhalten gefühlt habe und andererseits zum Nachdenken angeregt wurde.

Den Kuckeindruck meiner Begleitung könnt ihr hier nachlesen.

Die Seite des National Theatre zu ‘The Hard Problem’

Der Trailer (samt Spike im Neglige)

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14 Antworten zu The Hard Problem (National Theatre London live)

  1. Die Poe schreibt:

    Ja, die Frau hat wirklich eine sehr schöne Stimme.

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  2. linnetmoss schreibt:

    A play by Tom Stoppard about consciousness! This is really interesting, BUT I wish he had made the man the believer and the woman the rational, materialist skeptic. Like in the X-Files where Mulder was the one who believed in the supernatural. To me that’s more interesting, to go against the gender stereotypes. But either way, I would love to see this.

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  3. franziska-t schreibt:

    Klingt gut. Ich konnte es leider nicht sehen, aber Ich freue mich schon auf den nächsten Monat, wenn Ralph Fiennes auf der Bühne steht.

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  4. Hariclea schreibt:

    ach habe ich leider verpasst 😦 aber man kann nicht alles haben, vielleicht findet es sich ja irgendwo online wieder… Thema finde ich sehr interessant und die Schauspieler gefallen mir

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  5. suzy schreibt:

    Hört sich gut an,musste an dem Abend ‚leider‘ die andere Version von Frankenstein sehen…..

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  6. cRAmerry schreibt:

    Also, die Schauspieler waren toll, ob mit oder ohne Neglige (besonders, der eine dann schließlich „ohne“ 🙂 ), aber das Thema habe ich zugegebenermaßen nur rudimentär umrissen. Aber den Schauspielern zuzusehen, war schon auch ein Gewinn. Insgesamt sind mir die landläufigen Themen (Beziehung, Liebe, und alles ohne Wissenschaft) dann doch schon lieber, wenn sie in englisch dargeboten werden. Das gleiche Problem hatte ich auch bei der S.Hawking-Verfilmung. Die Beziehungskiste habe ich noch auf die Reihe gekriegt. Aber das mit diesen Löcher??? Es ging doch um Löcher, oder? 😉
    Ja, genau, dieser Pulli von Jerry war schon sehr, nun ja, tailliert…….

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  7. Herba schreibt:

    @Poe: Ich hab die echt immer noch im Ohr – unglaublich, das passiert mir mit fraunestimmen sonst eigentlich nie!

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  8. Herba schreibt:

    @linnetmoss: Yes, you’re right. Reversed roles would have been more interesting but the way Stoppard drew his story it wouldn’t made much sense.

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  9. Herba schreibt:

    @Franziska: Auf das Stück mit Herrn Fiennes freue ich mich auch schon

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  10. Herba schreibt:

    @Hari: Das ist wirklich schade. Aber ein Meisterwerk wie andere Stücke war es nicht, von daher ist der ‚Verlust‘ vielleicht nicht ganz so groß

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  11. Herba schreibt:

    @Suzy: Das ist natürlich ein ganz schreckliches Schicksal 😉

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  12. Herba schreibt:

    @cRAmerry: Mir liegt eigentlich sowas wie Beziehungsgedöns, etc. auch eher, aber ich fand das mal ganz spannend und für mich war das auch immer noch leichter zu durchschauen, als so manches Werk von Shakespeare 🙂
    Löcher? Was denn für Löcher? oder reden wir jetzt von der Hawking-Verfilmung? Falls ja, die hab ich noch nicht gesehen 😉
    Ich glaube ja, daß an dem Pulli von Jerry die kleinen unsichtbaren Wichtel dran waren, die über Nacht die Klamotten enger nähen 😉

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  13. cRAmerry schreibt:

    @herba: Ja, ich meinte die Löcher bei Hawking 🙂 War etwas konfus kommentiert von mir, weil deutlich zu spät 😀

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  14. Herba schreibt:

    @Herba: Das macht nichts. Ich war nur zuerst auch etwas konfus und fragte mich: Hab ich beim Stück was verpaßt? Nochmal über den Kommentar drüberlesen hat dann aber geholfen 🙂

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