Ismaels Orangen von Claire Hajaj

Jaffa, 1948:
Salim Al-Ismaeli ist sieben Jahre alt und der mittlere Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters.
Er fühlt sich dem Land seiner Familie sehr verbunden und kann es kaum erwarten, zum ersten Mal die Früchte des Orangenbaums zu ernten, der zu seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch bevor es dazu kommt, bricht Krieg aus und Salims Familie flüchtet wie so viele andere Palästinenser vor der jüdischen Armee.
Zur gleichen Zeit wird in England Judit als einzige leibliche Tochter einer jüdischen Familie geboren. Sie wächst behütet auf, kann sich allerdings nicht ganz in ihre Familie einfügen, genau wie Salim.
Als sich die Lebenswege der Beiden kreuzen, ist das der Beginn einer fast unmöglichen Liebe…

Claire Hajaj erzählt in ihrem ersten Roman die Geschichte von Salim und Judit und ihrer Liebe, die sich zwischen zwei grundverschiedenen Kulturen und Mentalitäten zu behaupten versucht.
Diese Geschichte ist nicht biographisch, aber sie wurzelt doch in der Familiengeschichte der Autorin, die als Kind einer Jüdin und eines Palästinensers geboren wurde.
Hajajs Schreibstil fand ich teilweise etwas blumig und dadurch an manchen Stellen vielleicht etwas unrund, trotzdem war das Buch für mich gut zu lesen.
Die Geschichte hat mich nicht nur gefesselt, sondern auch sehr bewegt und teilweise tief berührt, weil anhand von Salim und Judit der Schmerz und das Leid von so vielen Menschen verdeutlicht wird.
Gibt es denn wirklich keine Lösung für diesen Konflikt, der nun schon so lange ausgetragen wird?
Ist denn niemand in der Lage die vielen Jahrzehnte an Ungerechtigkeit, Tod und Hass ad Acta zu legen, den Mitmenschen die Hand zu reichen und an einer dauerhaften Lösung zu arbeiten, die für alle Beteiligten irgendwie erträglich ist?
Diese und andere Fragen habe ich mir beim Lesen gestellt, aber keine Antworten bekommen, denn das Buch ist kein Sachbuch, sondern trotz aller Realitätsnähe und Bezugnahme auf historische Ereignisse ’nur‘ ein Roman.
Daher hat mir auch gefallen, daß Claire Hajaj die meiste Zeit nicht Stellung für oder gegen eins der beiden Völker bezieht, sondern sich auf die jeweiligen Personen, deren Gefühlslage und Taten beschränkt.
Leider verlieht sich diese Neutralität in meiner Wahrnehmung zum Ende hin ein wenig, aber das tut dem Buch in meinen Augen keinen Abbruch.
Was ich dagegen wirklich schade fand sind die großen Zeitsprünge innerhalb der Geschichte, durch die mir ab der Mitte des Buches manche Entwicklung etwas zu schnell und nicht ganz nachvollziehbar erschien.
Insgesamt ist ‚Ismaels Orangen‚ für mich ein berührendes, absolut lesenswertes Buch, das mich auch Tage nach dem Fertiglesen immer noch beschäftigt und dessen tragische Geschichte nicht leicht zu verdauen ist.

Kurze Notiz am Rande:
Für jede Lesermeinung, die beim Verlag eingeht, werden 3 Euro für das Projekt ‚Ferien vom Krieg‚ gespendet!

Claire Hajaj bei RandomHouse
Ein Interview mit der Autorin zum Buch (deutsch)
Claire Hajaj bei OneWorld Publications
My Jewish Mother, My Palestinian Father and a Family Torn Apart“ – ein Artikel, den Claire Hajaj 2014 in Newsweek veröffentlicht hat

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2 Antworten zu Ismaels Orangen von Claire Hajaj

  1. nettebuecherkiste schreibt:

    Das steht auch auf meiner Liste, das mit der Spende ist ja toll!

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Nette: Die Idee mit der Spende fand ich auch richtig gut! Ich bin gespannt, wie Dir das Buch gefällt.

    Gefällt 1 Person

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