The Imitation Game (Originalversion)

1951 wird im Haus des Wissenschaftlers Alan Turing (Benedict Cumberbatch) eingebrochen. Turing gibt jedoch bei der Polizei an, dass nichts gestohlen worden sei. Der ermittelnde Polizist Detective Nock (Rory Kinnear) glaubt daraufhin, daß Turing ein russischer Spion ist und verhört den Wissenschaftler.
Dieses Verhör bildet die Rahmenhandlung des Films, der in Rückblenden von Turings Jugend und von seiner Arbeit als führender Codeknacker im 2. Weltkrieg erzählt…

Da ich ‚The Imitation Game‚ unbedingt auf Englisch sehen wollte, war ich direkt in der zweiten Woche nach Filmstart im Kino.
Der Film hat mich sehr bewegt und beschäftigt, nur das drüber bloggen gestaltete sich irgendwie schwierig.
In den Tagen direkt nach dem Anschauen wollten sich so gar keine Worte einstellen und dann kam ständig irgendetwas dazwischen. Daher kommt dieser Post auch nun etwas daher wie die alte Weihnacht…

Ich glaube, ich habe hier schon öfter erzählt, daß ich Filme mit historischem Hintergrund sehr gerne anschaue und wenn der Cast sich dann so eindrucksvoll liest wie in diesem Fall, ist das Anschauen quasi ein Muss.
Dabei meine ich gar nicht mal so sehr Benedict Cumberbatch, den ich zugegebenermaßen mittlerweile sehr schätze, sondern vor allem Mark Strong als MI6-Chef Stewart Menzies (ausnahmsweise einer von den Guten), Matthew Goode als Schachmeister und Codeknacker Hugh Alexander (charmant wie immer), Allen Leech als Codeknacker John Cairncross und Charles Dance als Commander Denniston (distinguiert und bei Turing kurz davor, die Fassung zu verlieren).
Sie alle brauchen sich nicht hinter der großartig aufspielenden Cumberbatch zu verstecken und bieten den passenden Rahmen, damit er brillieren kann.

Ich bin ja mittlerweile leider etwas von der Rollenauswahl von Cumberbatch enttäuscht, denn für mich wählt er etwas zu oft den hyperintelligenten, leicht autistisch anmutenden Typ, der arrogant und unbeholfen seine Umgebung nervt und doch alle mit seinen Leistungen in den Schatten stellt.
Auch Turing ist wieder so eine Rolle, aber zum Glück darüber hinaus viel, viel mehr. Ja, er ist ein herausragender Wissenschaftler. Ja, er kann sich zwischenmenschlich mehr schlecht als recht durchschlagen, aber er ist außerdem verletzlich und unsicher, darf aber auch mal lachen und seine Unsicherheit zeigen und lebt mit ein wenig Hilfe und Kameradschaft während des 2. Weltkriegs, als er mit seinem Team den Enigma-Code knackt, auf.
Die Szenen im Team, in denen gelacht und gescherzt wird, sind mir ebenso im Gedächtnis geblieben, wie die tragischen Szenen.
Nach dem Krieg wird Turing von seiner Regierung als Homosexueller und damit als Verbrecher gebrandmarkt und durch eine staatlich verordnete Hormontherapie in den Selbstmord getrieben, was an sich schon schändlich genug ist, im Hinblick auf Turings grandiose Leistung im Krieg aber noch tragischer scheint.
Kritikern war diese Seite der Geschichte nicht ausgearbeitet genug, aber ich fand sowohl die Rückblicke auf Turings Schulzeit und seine erste Liebe gelungen, als auch die Szenen kurz vor seinem Tod.
Ich brauche keinen Todeskampf zu sehen, um von dem gebrochenen Mann, der weiß, daß er langsam all das verliert, was ihn als Mensch ausmachte, tief berührt zu sein.

In diesem Zusammenhang sollte ich auch Keira Knightley erwähnen, von der ich persönlich kein großer Fan bin, die mir aber als Joan Clarke weit weinger auf den Geist gegangen ist, als in den anderen Filmen, die ich von ihr kenne.

Insgesamt gehört ‚The Imitation Game‘ für mich zu den Filmen, die Geschichte vermitteln, dennoch sehenswert sind und auch den ein oder anderen Ansatz zum Nachdenken bieten!
Mich hat der Film jedenfalls sehr berührt und ich finde, daß alle Nominierungen und Preise, die er bekommen hat, mehr als verdient sind!

Wer gern mehr über Alan Turing wissen möchte, kann sich ausführlich im Netz informieren.
Eine, wie ich finde, recht gute Darstellung zu Turing, Enigma und seiner Verurteilung findet man bei Tagesschau.de

Der englische Trailer

Der deutsche Trailer

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20 Antworten zu The Imitation Game (Originalversion)

  1. suzy schreibt:

    Ja ich fand den Film auch sehr beeindruckend und war am Schluss total wütend was man mit diesem unglaublich talentierten Mann gemacht hat!

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  2. TBW-Pur schreibt:

    ich hab ihn noch nicht gesehen … aber wenn er im September auf DVD erscheint kauf ich ihn sofort 😉

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  3. Herba schreibt:

    @Suzy: Leider war zu dieser Zeit in vielen Ländern die Gesetzeslage so wie in England und die Aufarbeitung dieser Fälle läßt leider auch meist überall gleich zu wünschen übrig :/

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  4. Herba schreibt:

    @TBW-Pur: Das lohnt sich auf jeden Fall!

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  5. Die Poe schreibt:

    Hach, da wollte ich doch auch unbedingt rein, habs aber nicht geschafft.

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  6. franziska-t schreibt:

    Zur Rollenauswahl von Cumberbatch möchte ich an dieser Stelle noch etwas einwerfen. In meiner
    Kritik habe ich den kompletten ersten Absatz dazu genutzt, um mich darüber auszulassen, dass er eben nicht nur schlaue egozentrische Leute spielt, auch wenn das immer überall behauptet wird. Ich fand, dass sein Alan Turing sogar noch seinen Sherlock in Sachen Humor toppt und ich fühlte mich immer wieder an Sheldon Cooper aus THE BIG BANG THEORY erinnert.

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  7. Herba schreibt:

    @Poe: Zum Glück gibts DVDs!
    Ich war ganz stolz auf mich, daß ich es dieses Mal ins Kino geschafft habe 🙂

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  8. Herba schreibt:

    @franziska-t: Wenn man sich seine komplette Filmographie anschaut hast Du sicher recht, aber wenn ich mir überlege, was ich zuletzt mit ihm gesehen habe (Sherlock, Parade’s End, Im August in Osage County, Inside Wikileaks, Frankenstein, Hobbit, Imitation Game) zeichnet sich für mich schon eine gewisse Tendenz ab, die mich persönlich einfach etwas langweilt. Aber wie ich in meinem Post schon schrieb ist Turing zum Glück mehr als das und BC hat mir sehr gut in dieser Rolle gefallen!

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  9. schauwerte schreibt:

    „In diesem Zusammenhang sollte ich auch Keira Knightley erwähnen, von der ich persönlich kein großer Fan bin, die mir aber als Joan Clarke weit weinger auf den Geist gegangen ist, als in den anderen Filmen, die ich von ihr kenne.“

    So ungefähr habe ich es in meiner Kritik auch ausgedrückt! 🙂

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  10. Allalbavincero schreibt:

    Sehr schöner Bericht, und vollste Zustimmung zu Keira Knightley!
    Magst du das „den ich mittlerweile sehr schätze“ etwas ausführen? Ich finde diese Wortwahl sehr interessant, weil ich es selber genauso formulieren würde. Noch vor gar nicht so langer Zeit konnte ich den ganzen Hype um ihn überhaupt nicht verstehen, aber mittlerweile hat er sich langsam, aber sicher in meine Liste sehenswerter Schauspieler geschlichen.

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  11. Herba schreibt:

    @Allalbavincero: Ich fand eigentlich immer, daß BC ein guter Schauspieler ist, aber wie Du schon sagst: den Hype habe ich nicht verstanden und war stellenweise auch leicht genervt davon.
    So ganz kann ich den Hype immer noch nicht nachvollziehen, aber ich verstehe mittlerweile besser, wieso ihn manche attraktiv finden. Und sehenswert finde ich ihn auf Grund seiner Qualität als Schauspieler, aber vor allem wegen seiner Eigenschaft mich in seinen Rollen überraschen zu können. Ich saß in ‚The Imitation Game‘ und hatte mich auf ‚das Übliche‘ eingestellt und dann verleiht er seinem Turing so viele Facetten, dass es mich wirklich gefesselt und auch berührt hat…

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  12. franziska-t schreibt:

    @Herba: Zum Hype um Schauspieler hätte ich auch noch ein paar Gedanken, vielleicht kannst du damit was anfangen.

    Ich glaube, es gibt im Grunde zwei Arten von Schauspielern: die Schönlinge und die Typen. Die Schönlinge sehen in erster Linie gut aus, deshalb kannst du sie auch auf fast jede Rolle besetzen, sie spielen von grottig schlecht bis recht solide. Die Typen sind tolle bis grandiose Schauspieler, sie haben etwas Markantes an sich, sind nicht schön im allgemeinen Sinne und deshalb können sie auch nicht auf jede Rolle besetzt werden. Natürlich gibt es da auch noch Mischformen, aber die sind eher selten und deshalb klammere ich sie hier aus ebenso wie den Einfluss der Medien, der sicherlich auch noch etwas dazu beiträgt.

    In der Regel werden die Schönlinge gehypt, schlichtweg weil sie eben schön anzusehen sind und deshalb für viele Leute eine Projektionsfläche für deren Wünsche und Träume bieten. Wenn Typen gehypt werden, dann hat das andere Gründe: ich würde die kühne These aufstellen, dass es tatsächlich mit der Schauspielkunst zu tun hat. 😉 Hier schafft es ein Schauspieler DURCH SEINE ROLLE eine Projektionsfläche zu bieten. Soll heißen, man erkennt sich in der Figur wieder oder findet sie zumindest interessant. Und schaut man sich nur mal die Oscar-Gewinner der letzten Jahre und Jahrzehnte an, dann sieht man, dass sich auffällig viele Typen durchsetzen.

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  13. nettebuecherkiste schreibt:

    Bei uns läuft der Film nur an zwei Terminen im Mai, seufz, da kann ich auch gleich auf die DVD warten und ihn auf Englisch gucken, seufz…

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  14. Allalbavincero schreibt:

    Danke für deine Antwort! Bei „The Imitation Game“ hatte ich lediglich gehört, dass er gut sein soll, und war trotzdem sehr angenehm überrascht, dass der Film soviel Tiefgang und Kritik lieferte und zum weiter Nachdenken anregte. Und so etwas funktioniert für mich nicht ohne Schauspieler, die, wie du schon schreibst, sehr facettenreich spielen, glaube ich. Ich muss aber mal genauer darüber nachdenken, was genau für mich einen guten Schauspieler ausmacht, das kann ich nicht so aus dem Stegreif.
    Zu der Rollenwahl: Vermutlich habe ich einfach noch zu wenig mit ihm gesehen, lediglich Sherlock, The Imitation Game und natürlich den Hobbit, als dass ich von dem Typecasting gelangweilt oder enttäuscht wäre. Gerade die hochintelligenten, sozial eher unbeholfenen Charaktere finde ich unglaublich spannend, weil jeder einzelne ganz individuell zeigt, was ihn bewegt und wie er in der Welt – oder manchmal auch schlichtweg nur in seiner Welt – zurechtkommt.

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  15. Hariclea schreibt:

    ich denke wir konnen uns alle auf Hamlet freuen 🙂 Definitiv mal was anderes, oder auch nicht, mal sehen, Ich habe mir jedenfalls gestern eine Kinokarte gekauft weil ich es sicher 2 x sehen will und es unwahrscheinlich ist dass ich es mehr als 1x live schaffe im Theater. Von all seinen bisherigen Rollen hat mir Alan Turing am meisten gefallen 🙂

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  16. Herba schreibt:

    @Franziska: Interessante Theorie. Ich denke, daß da auf jeden Fall was Wahres dran ist, aber noch mehr Faktoren mitspielen müssen, damit jemand erfolgreich ist/wird.

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  17. Herba schreibt:

    @Nette: Das ist ja doof. Ich glaube, da würde ich auch auf die DVD warten.

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  18. Herba schreibt:

    @Allalbavincero: Für mich ist es auch ganz schwierig zu definieren, was für mich einen guten Schauspieler ausmacht. Oft muss da einiges zusammenkommen und manchmal springt auch einfach der Funke nicht über…
    Es lohnt sich auf jeden Fall BCs Werke anzuschauen, ich habe da auch noch ein paar Lücken, die ich definitiv irgendwann aufarbeiten will 🙂

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  19. Herba schreibt:

    @Hari: Alle bis auf die nicht Shakespeare-affinen unter uns 😉 Aber wenn mich Leute zum guten Willie bekehren können, sind es definitiv Größen wie Hiddles und BC, also werde ich es mir auch anschauen, wenn es (hoffentlich) in meinem NTlive-Kino gezeigt wird!

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  20. Pingback: Das Erste eröffnet sein Sommerkino heute mit ‚The Imitation Game‘ | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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