Die Seiten der Welt von Kai Meyer

Die fünfzehnjährige Furia Salamandra Faerfax lebt mit ihrem kleinen Bruder und ihrem Vater abgeschieden auf einem englischen Landsitz. Freunde hat sie keine, dafür ist sie umgeben von Unmengen an Büchern, die in einer unendlich großen Bibliothek im Keller des Hauses untergebracht sind.
Furias Vater ist ein mächtiger Libromant, der mit seiner Magie die Ehre seiner Familie reinwaschen möchte.
Doch bei einem seiner nächtlichen Ausflüge geht etwas schief, Furias kleiner Bruder Pip wird entführt und Furia macht sich ganz allein auf den Weg nach Libropolis, einer zauberhaften Stadt der Bücher, um dort Hilfe zu finden…

Kai Meyer hat mit Libropolis, den Libromanten, der Adamitischen Akademie und den Exlibris ein ganzes Universum geschaffen, das einen ganz eigenen Zauber versprüht und das Herz eines bibliophilen Menschen eigentlich höher schlagen lassen sollte.
Da es einige Zeit in der Geschichte dauert, bis man als Leser erklärt bekommt, was es mit den einzelnen Dingen auf sich hat, hatte ich zu Anfang ein paar Problemchen wirklich ins Buch zu kommen und mich auf die Geschichte von Furia einzulassen, was sich zum Glück aber gegeben hat.
Und von der Idee dieser Welt, in der Bücher sprechen, es für manche Menschen ein Seelenbuch gibt, einzelne Buchstabenschwärme lebendig sind, es Bücherwälder, Lesebändchenbäume und lebendige Origamitierchen gibt, war ich aber direkt begeistert.
Auch das leere Buch, in das Furia Nachrichten schreibt, mit denen sie mit einem jungen Mann aus der Vergangenheit kommunizieren kann, fand ich mehr als cool und ich war froh, daß der Autor das nicht in eine schmalzige Teenieliebesgeschichte ausgeweitet hat.

Furia als Hauptfigur fand ich wahnsinnig tough für eine Fünfzehnjährige, die ein relativ zurückgezogenes Leben geführt hat, bis sich die Ereignisse überschlagen und die Menschen um sie herum anfangen zu sterben wie die Fliegen.
Für ein Jugendbuch war das teilweise schon starker Tobak, aber da ich denke, daß es schon realistisch ist, dass Kinder und Jugendliche in Krisensituationen schneller erwachsen werden, möchte ich das nicht weiter kritisieren.
Man sollte die relativ vielen Toten allerdings im Hinterkopf behalten, falls man das Buch an einen Jugendlichen verschenken möchte, denn nicht jeder kommt damit dann auch gut zurecht.

Die Adamitische Akademie als oberste Behörde, die das Leben der Libromanten reglementiert und die Exlibris in Ghettos sperrt, aus denen dann eine Widerstandsbewegung für Freiheit kämpft, hat mich stark an verschiedene historische Begebenheiten aus der menschlichen Geschichte erinnert und Meyer fragt zwischendurch auch ganz offen: ‚Wie weit darf ich gehen?‘.
Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich mit den Antworten, die er darauf in seinem Jugendbuch liefert wirklich glücklich bin, dazu sind die dazugehörigen Handlungsstränge zu offen gelassen worden – was natürlich die Neugierde auf einen zweiten Band schürt und daher recht clever ist.

Den Schreib- und Erzählstil von Meyer fand ich sehr angenehm, allerdings hat das Buch zwischendurch für mich durchaus seine Längen.
Aber insgesamt hat mich ‚Die Seiten der Welt‚ wirklich begeistert und ich würde zu gerne das Lesezeichen, das zum Buch gehört, dazu benutzen, um genau wie Furia über die Londoner Brücker nach Libropolis zu gelangen und die geheime Stadt der Buchhandlungen und Magie zu durchstreifen.

Die Reihe in chronologischer Reihenfolge:
Die Seiten der Welt
Nachtland

Die Homepage von Kai Meyer
Kai Meyer bei Fischer

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Eine Antwort zu Die Seiten der Welt von Kai Meyer

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