The Eichmann Show (Originalversion)

1961 stand Adolf Eichmann, der als Leiter des ‚Judenreferats‚, das „…ab 1941 die sogenannte Endlösung der Judenfrage administrativ koordiniert und organisiert“, für den Tod für geschätzt 6 Millionen Menschen mitverantwortlich war, in Jerusalem vor Gericht.
Die Gerichtsverhandlung wurde gefilmt, bearbeitet und täglich als erste globale Fernsehdokumentation in mehr als 30 Ländern gezeigt.
Der Fernsehfilm ‚The Eichmann Show‚ blickt hinter die Kulissen und schaut dem Produzent Milton Fruchtman (Martin Freeman) und dem Regisseur Leo Hurwitz (Anthony LaPaglia) bei ihrer Arbeit über die Schulter…

Bevor ich ‚The Eichmann Show‚ gesehen habe, wußte ich oberflächlich über SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann bescheid. Ich wußte, daß er einer von Hitlers Bürokraten war, der die Vernichtung der Juden mit so viel schrecklicher Effizienz organisierte. Ich wußte, daß er sich nicht in Nürnberg verantworten mußte, sondern nach Südamerika entkam, wo er 1960 vom israelischen Geheimdienst, entdeckt und nach Israel entführt wurde.
Ich kannte Bilder und Ausschnitte des Prozess gegen ihn, die ich als gruselig empfinde, weil er mehr oder weniger regungslos dem Prozess folgt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Was ich nicht wußte war, wie umstritten dieser Prozess war (wird im Film nicht wirklich thematisiert).
Ich wußte nicht, wie viel Bedeutung die Verbreitung der Zeugenaussagen in alle Welt hatte, damit Überlebende nicht mehr als Lügner abgestempelt wurden.
Ich wußte nicht, daß Milton Fruchtman, der Produzent, der für die Aufzeichnung verantwortlich war, mit dem Tod bedroht wurde.
Daher bin ich der BBC für diesen Film und die neuen Erkenntnisse auch sehr dankbar!

Die gecastete Schauspielerriege ist durch die Bank weg gut ausgesucht, wobei mich Martin Freeman am meisten überrascht hat.
Ich halte ihn für einen guten Schauspieler, aber bei ihm hatte ich immer, egal was ich mit ihm gesehen habe, Bilbo aus dem Hobbit vor Augen.
Milton Fruchtman ist nun die erste Rolle, die mich weder durch Mimik und Gestik noch durch Stimmlage und die Art zu sprechen an den kleinen Hobbit erinnert hat.
Der Produzent tut alles, um den Eichmann-Prozess filmen zu dürfen.
Er verhandelt mit der israelischen Regierung, er überzeugt die drei Richter davon, dem Filmen zuzustimmen, er heuert den amerikanischen Regisseur Hurwitz an, der in den USA wegen seiner politischen Überzeugung auf der schwarzen Liste stand und er macht auch dann weiter, als sowohl seine Familie als auch er mit dem Tod bedroht werden.
All das spielt Freeman eindringlich, aber so reduziert, das bei mir nichtmal der Gedanke an frühere Rollen aufgekommen ist.
Anthony LaPaglia als Hurwitz hat mich auch sehr beeindruckt. Der Regisseur fühlt sich bei seiner Ankunft in Israel ein bißchen wie ein Fisch auf dem Trockenen und bezweifelt, daß das Filmen im Gerichtssaal machbar ist und verbeist sich dann doch so stark in seine Arbeit, daß er wie besessen von Eichmann wirkt.
Er will um jeden Preis eine Reaktion des Angeklagten einfangen und kann nicht begreifen, wie dieser selbst bei Filmaufnahmen aus den KZs unbeteiligt ja fast gelangweilt wirken kann.
Als anwesende Journalisten befinden, daß der Prozess viel zu langweilig ist und die Leute viel lieber Gagarin im Weltall zuschauen würden, wird der Regisseur fuchsteufelswild.
Alle diese Emotionen hat LaPaglia großartig dargestellt.
Von den anderen Darstellern sind mir vor allem Rebecca Front als Auschwitz-Überlebende, die der Lüge was ihre Erlebnisse im KZ angeht bezichtigt wird und Nicholas Woodeson als Kameramann, der das, was er vom Prozess mitbekommt kaum erträgt, in beeindruckender Erinnerung geblieben.
Gefreut habe ich mich über den Kurzauftritt von Anna-Louise Plowman.

Besonders wird der Film nicht nur, durch die Geschichte, die erzählt wird, sondern auch durch das Vermischen von fiktiven Szenen und autenthischem Filmmaterial aus der ursprünglichen Dokumentation.
So sieht man zum Beispel den Staatsanwalt nur in Originalaufnahme und auch die drei oder vier Zeugen, die im Film exemplarisch aus über 100 Zeugen herausgesucht wurden und gegen Eichmann aussagten, sieht man nur in Originalaufnahmen.
Auch einige Originalfilmaufnahmen aus KZs bekommt man zu sehen, die für mich, egal wie oft ich solche dokumentarischen Szenen schon gesehen habe, nur schwer ertragbar sind und die das stoische Gesicht von Eichmann beim Anschauen nur noch unerträglicher machen.

Für mich ist der BBC mit der ‚Eichmann Show‘ wieder einmal ein wichtiger Fernsehfilm gelungen, der ein Stück Geschichte in eindrucksvollen Bildern untermalt mit kraftvoller Musik, davor bewahrt vergessen zu werden.

Die BBC-Homepage zur Show (mit Videos, Interviews, etc.)
Interessante Eindrücke von Esther, einer englischsprachigen Bloggerin, zum Film

Der Trailer

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