Hannibal, Staffel 1 (Originalversion)

Der Direktor der Behavioral Analysis Unit des FBI Jack Crawford (Laurence Fishburne) untersucht mit seinem Team das Verschwinden von jungen Frauen, die sich extrem ähnlich sehen.
Da es keine heiße Spur gibt, zieht Crawford Will Graham (Hugh Dancy) hinzu, der an der FBI-Academy unterrichtet und in der Lage ist sich in die Gedanken von Serienmördern hineinzuversetzen und so Morde exakt rekonstruieren kann.
Da Will psychisch instabil ist besteht Dr. Alana Bloom (Caroline Dhavernas), die als Psychologin beim FBI arbeitet darauf, daß Will psychologisch betreut wird und empfiehlt dafür ihren Kollegen Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen).
Dieser therapiert fortan Will und unterstützt das Team von Crawford ebenfalls bei der Suche nach Serienmördern.
Wie lange wird das FBI-Team brauchen, um herauszufinden, das Lecter selbst ein Serienkiller ist, der Teile seiner Opfer verspeist und sowohl Jack, als auch Will und den Rest des Teams manipuliert?

Als ‚Hannibal‚ im Fernsehen ausgestrahlt wurde, hatte ich gerade Ekel-Schiffbruch mit einer anderen Serie (The Following) erlitten und so beschloss ich für mich ‚Hannibal‘ nicht zu schauen, obwohl ich die mitwirkenden Hauptdarsteller alle sehr gerne sehe.
Die Ankündigung vom Dienstag, dass einer meiner Lieblingsschauspieler in der kommenden 3. Staffel eine längere Gastrolle übernehmen wird, setzte die Serie dann doch wieder ganz oben auf meine Kucken-Liste und nach einem Hannibal-Marathon, bin ich heute morgen mit der ersten Staffel fertig geworden.

‚Hannibal‘ ist eine gut inszenierte Serie, die sehr viel Wert auf den Ausdruck des Bildes, Musik als Stimmungskomponente und gutes Schauspiel legt.
Zum Glück für mich ist die erste Staffel weit weniger eklig, als ich es erwartet hatte.
Das liegt für meine Begriffe vor allem daran, daß man die Serienmörder, die das FBI jagt, quasi nie bei ihrem blutigen Handwerk zu sehen bekommt, sondern fast ausschließlich das Ergebnis der Morde sieht und das dann auch eher kurz.
Außerdem spielen die Macher mit dem subtilen Einsatz von Geräuschen und Musik, um Stimmungen zu erzeugen und so findet ein großes Maß an Grusel und Ekel eher im Kopf des Zuschauers als auf der Mattscheibe statt.
So weiß man natürlich, daß Lecter ein Kannibale ist und ekelt sich automatisch, wenn Lecter für seine FBI-Kollegen kocht. Hinweise darauf, daß er Menschenfleisch verarbeitet, gibt es in der Serie selbst aber erst recht spät, eben auch, weil sich die wirklich gezeigte Gewalt, wie weiter oben schon bemerkt, in Grenzen hält.

Die Schauspieler sind für ihre jeweiligen Rollen absolut gut ausgesucht.
Mikkelsen verleiht Lecter genau das Maß an weltmännischer Gewandtheit, die die Rolle erfordert.
Er spielt den kultivierten Dandy mit so viel Eleganz, dass ich gut nachvollziehen konnte, daß Will und sein Team von dem intelligenten Psychiater fasziniert sind.
Fasziniert hat mich vor allem, daß Mikkelsen gar nicht viel sagen muss und wahnsinnig viel allein durch Blicke oder Gesten auszudrücken vermag, die die jeweils geforderte Stimmung für eine Szene erzeugen.
Dancy ist als psychisch Gehandicapter ebenfalls großartig und bringt genau das richtige Maß an Verletzlichkeit, Intensität und Stärke für die Rolle mit.
Fishburne überzeugt als Anführer, der auch mal skrupellos über Schwächen seines Teams hinweggeht, nur um eine Mordermittlung erfolgreich abzuschließen und einem Serienkiller das Handwerk zu legen.
Caroline Dhavernas als Dr. Bloom ist für mich eine Quelle der Wärme und ein klein wenig der moralische Kompass von Jack Crawford, auch wenn sie ihn letztendlich nicht wirklich beeinflussen kann, als es darauf ankommt.

Anfänglich zeigt die Serie einen ‚Fall der Woche‘, am Ende der Staffel werden diese jedoch für den allgemeinen Handlungsstrang aufgegeben und die Beziehung zwischen Will und Lecter wird weiterentwickelt.
Man erfährt mehr über Lecter, weil er im Gespräch mit seiner Therapeutin (Gillian Anderson) gezeigt wird und steigt tiefer in Wills psychische Probleme ein.

Leider ist das einer meiner Kritikpunkte an der Serie. Ich bin eigentlich schon ein Freund davon, wenn Figuren ausgebaut bzw entwickelt werden und man mehr über sie erfährt.
Allerdings war mir einerseits der Wahn von Will irgendwann zu viel und zu anstrengend und andererseits bin ich aus Lecter und seinen Motiven nicht schlau geworden (hurra, ich kann mich nicht in einen Kannibalen hineinversetzen zwinker).
Was mich auch gestört hat war, dass keiner Dr. Lecter hinterfragt. Da sind lauter schlaue Menschen, die ausserdem ausgebildete FBI-Ermittler sind, auf einem Haufen und keiner kommt auf die Idee den Arzt, den bis vor kurzem keiner kannte, unter die Lupe zu nehmen.
Stattdessen springt man auf den ersten Hinweis an, daß einer der Kollegen evtl. Dreck am Stecken haben könnte – sind wir Menschen wirklich so betriebsblind und leicht zu manipulieren???

Insgesamt kann ich verstehen, dass Hannibal so viele Fans hat, aber selbst zum Fannibal bin ich durch diese erste Staffel nicht geworden.
Allerdings bleibe ich dran und bin gespannt, ob in der zweiten Staffel weiterhin so oft gekocht wird (wenn ich englische Frühstückswürstchen gemocht hätte, hätte ich nach dem Kucken der Serie vermutlich ein Problem).

Der englische Trailer:

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10 Antworten zu Hannibal, Staffel 1 (Originalversion)

  1. uinonah72 schreibt:

    Eine ganze Staffel Hannibal in einer Nacht? Habe höchsten Respekt vor Dir, Herba 🙂

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  2. Hariclea schreibt:

    Will tu einem aus ganzem Herzen leid, oder? ich konnte das ganze gegen Ende auch nicht ausstehen wie die alle auf die Idee sprangen er war ein Mordern, doof! Und der Hannibal und die ewige Kocherei ging mir auf den Senkel, weil ich kochen und essen mag und leider auch english Breakfast, Wurstchen inklusive 😉 Nachdem was ich uber S2 gelesen habe geht es Will dann nur noch schlimmer bis es womoglich Anfang S3 wieder besser wird. Hast du auch S2 gleich mitbestellt? Ich lass es dich mal zuerst gucken und sehe weiter 😉 ich glaube ich kann mir die ganze S2 ersparen und mir wirklich nur uberlegen ob ich ab 308 mitgucke oder nicht.
    Bin total mit dir bei The Following, ich bin mir im nachheinein gar nicht so sicher das sowas wirklich gemacht werden muss, als erntertainment kann sowas gar nicht gelten. Hingegen ist H ziemlich ertraglich 😉 Aber falls die Will abmurksen gucke ich nicht mit! 😉

    Gut gemacht dir alles in Einem reinzuziehen, ich fand es in 1x Woche ziemlich anstrengend.

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  3. Herba schreibt:

    @uinonah: Das meiste hab ich am Tag gekuckt, aber danke 🙂

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  4. Herba schreibt:

    @Hari: Will tat mir mehr als leid und als Lecter dann bei seiner Psychotante sitzt und was von seiner großen freundschaft für Will faselt, war ich echt angepisst. HALLO? Verheimlicht man Freunden, daß sie krank sind und schaut zu wie sie total abdrehen???
    Aber weißt Du, was ich bei den Kochorgien irgendwie lustig fand (auf eine kranke Art und Weise)? Als Lecter das riesen Dinner kocht und immer erst das Rezept raussucht und dann eine andere Karte aus seinem Rolodex reißt – EInkaufen auf Lecter-Art 😉
    Ja, ich hab den Kombipack in England mit beiden Staffel bestellt, das war günstiger als die Staffeln einzeln in Deutschland zu kaufen.
    Mal schauen, wann ich zum Weiterkucken komme…
    Das Konzept von The Following war schon interessant, aber die dauernden Blutorgien waren mir wirklich zu viel, gerade zum Ende hin, hat sich mein Magen ein oder zwei Mal umgedreht und das brauch ich dann doch nicht.
    Mich hat es irgendwie weder so richtig dauerhaft gefesselt, noch besonders benasprucht, also konnte ich die dreizehn Folgen ganz gut mehr oder weniger in einem Rutsch ankucken und dabei Hausarbeit erledigen 🙂

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  5. N schreibt:

    Kann jemand wie Hannibal überhaupt echte Freundschaft empfinden? Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes, was er für Will fühlt?

    @Herba: Wow, da hast du ja wirklich einen Marathon hinter dich gebracht. Viel Spaß dann bei Staffel 2, da ist es sogar echt schwierig aufzuhören. Ich war äußerst froh, dass mir noch eine andere Serie dazwischen kam und ich die letzten 5 Folgen in 2 Tagen direkt hintereinander gucken konnte.
    Mein Schmunzeleffekt ist allerdings nicht das Einkaufen auf Lecter-Art, obwohl das schon ziemlich schräg ist, sondern es sind Hannibals schrecklich gemusterte Anzüge. 🙂 🙂 🙂

    Nun hau mal rein mit Staffel 2. 😉

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  6. Herba schreibt:

    @N: Ich glaube nicht, daher war ich ja auch so ’schockiert‘ als er bei den Sitzungen mit seiner Therapeutin immer wieder was von freundschaft gefaselt hat…

    Von Staffel 2 habe ich bis jetzt nur die erste Folge gesehen und die fand ich eigentlich noch recht unspektakulär…bin gespannt, wie sich das alles entwickelt!

    Oh ja, der Kleidungsstil von Lecter ist schon etwas ganz besonderes *hust*

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