Die Bücherdiebin

Eine Stimme (Ben Becker) aus dem Off, die den Tod repräsentiert, erzählt eine Geschichte:
Die Mutter (Heike Makatsch) der neunjährige Liesel Meminger (Sophie Nélisse) ist Kommunistin und fliegt daher mit Liesel und ihrem Bruder vor den Nazis. Liesels Bruder stirbt auf der Flucht und Liesel kommt zu Pflegeeltern.
Hans (Geoffrey Rush) und Rosa Hubermann (Emily Watson) sind ein altes Ehepaar ohne eigene Kinder, die sich jeweils auf ihre Art sehr um Liesel bemühen. Hans bringt Liesel sogar das Lesen bei, als er bemerkt, daß sie das nicht kann. Nun entwickelt Liesel einen unstillbaren Durst nach Büchern und liest alles, was ihr in die Finger kommt.
Sie erlebt die Bücherverbrennung und willkürliche Gewalt durch die Nazis, aber auch Freundschaft und Liebe durch Familie und Freunde…

Ich hatte wahnsinnig viel Gutes über die Romanvorlage gehört, habe es allerdings bis jetzt nicht geschafft, das Buch auch zu lesen von daher kann ich keinen Vergleich anstellen.
Der Film wirkt durch die Farbgebung ein bißchen wie ein Märchen und wenn der 2. Weltkrieg nicht so fest in meinem Kopf sitzen würde, hätte ich zwischendurch sicher vergessen, dass die Geschichte in einem historischen Kontext spielt, der nicht ausgedacht ist, einfach weil vieles irgendwie sureal auf mich wirkte.
Vor allem in Szenen, wo Liesel mit ihrem besten Freund Rudi (Nico Liersch) durch die Straßen des kleinen Städtchens läuft, war die Filmstudioatmosphäre sehr, sehr greifbar und ich wüßte gerne, ob das von den Machern so beabsichtig oder ob da ein bißchen was schiefgelaufen ist.
Die Landschaftsaufnahmen allerdings waren wunderschön und teilweise fast wie gemalt.
Die Schauspieler sind gut ausgesucht und ausnahmsweise haben mich auch mal die deutschen Herrschaften, die mitwirken nicht gestört.
Meine absoluten Lieblinge des Ensembles sind allerdings Geoffrey Rush als herzensguter Pflegevater und Emily Watson als knurrige Pflegemutter, die ihr Herz aber auch am rechten Fleck hat.
Sophie Nélisse und Nico Liersch haben gut gespielt, waren mir rein von der Optik her aber fast ein bißchen zu blond und hübsch.
Mir fehlte allgemein ein bißchen der rote Faden in der Geschichte beziehungsweise vielleicht eher am Ende das Verständnis dafür, worauf die Geschichte nun eigentlich hinauswollte.
Dass man in Bücher flüchten kann, um den schrecklichsten Alltag eine Zeitlang zu vergessen?
Dass Menschen, die gerne lesen gute Menschen sind?
Dass man trotz großer Verluste ein glückliches und erfülltes Leben führen kann?
Auch die Einbindung des Todes in den Film, der ja nur per Stimme agiert, fand ich zu schwach umgesetzt.
Insgesamt ist ‚Die Bücherdiebin‚ ein durchaus sehenswerter und anrührender Film, aber wieso die Geschichte so hochgelobt ist, hat sich mir durch den Film nicht erschlossen und ich werde sicher irgendwann das Buch lesen und hoffentlich darin mehr Zauber finden als der Film zu verbreiten vermochte.

Der deutsche Trailer:

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6 Antworten zu Die Bücherdiebin

  1. nettebuecherkiste schreibt:

    Ja, man sollte das Buch gelesen haben. Wenn man das Buch kennt, ist der Film auch gut, wobei ich ein paar Abweichungen nicht mochte. Ich habe es in meiner Rezension damals so ausgedrückt: ein Buch über Freundschaft und die Macht des geschriebenen Wortes. Außerdem ist es einfach eine schöne, wenn auch traurige Geschichte 🙂

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  2. Herba schreibt:

    Das dachte ich mir. Wobei ich den Film schon auch nicht schlecht fand, aber ich habe mich eben stellenweise gefragt, worauf das denn nun hinausläuft

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  3. suzy schreibt:

    Ich habe das Buch gelesen, in das man sich erst einlesen muss, eine Freundin von mir hat dreimal angefangen, bis sie den Einstieg hatte, ich fand das Buch gut, es fesselt und nimmt einen mit in die Handlung. Es erzählt auch mehr „Geschichte“ als der Film. Als ich den Film dann gesehen habe, hat mir natürlich nichts gefehlt, da ich mehr Hintergrundinfo hatte. Man hätte natürlich den Krieg, den Todesmarsch zum KZ, das Leben in einem Keller natürlich viel grausamer und intensiver darstellen können, das haben viele dem Film auch vorgeworfen, dass er zu weichgespült ist, aber mir ist trotzdem oft ein Schauer über über den Rücken gelaufen, wenn man einmal die Originalaufnahmen aus den KZ´s gesehen hat, sind die abgespeichert und so ist mein Kopfkino ist weitergelaufen…..

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  4. Herba schreibt:

    Das Weichgespülte hat mich gar nicht so sehr gestört, ich fand nur, daß manche Szenerien einfach so unecht wirkten, fast wie in einem Märchen- oder Fantasyfilm und das ich nicht verstanden habe, was das genau bezwecken soll.
    Aber ich seh schon, ich sollte doch mal das Buch lesen und über den Film dann nochmal neu nachdenken 🙂

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  5. Die Poe schreibt:

    Ich kenne nur das Buch und war damals überrascht, wieviel Freude in einer Geschichte über den 2.Weltkrieg stecken kann. Natürlich nicht Freude a la Party-ole-ole. Und beim Buch habe ich damals für mich das Fazit gezogen, dass es um Menschlichkeit im 2. Weltkrieg geht. Also von daher, wenn Du das Buch nochmal irgendwann dazwischenschieben kannst, lies es! 🙂

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  6. Herba schreibt:

    @Poe: Danke, das werde ich bestimmt irgendwann

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