Totensonntag

Am Totensonntag vor zwei Jahren habe ich vom Gottesdienst in meiner Heimatgemeinde erzählt.

Zwei Jahre….unglaublich wie schnell diese Zeit vergangen ist und wie weitreichend die Veränderungen in meinem Leben seitdem waren.

Und doch muss ich feststellen, daß mein Vater Recht hatte, wenn er sagte: ‚Wenn ich gegangen bin, geht Euer Leben weiter.‘
Die Welt dreht sich unbarmherzig weiter, egal wie schwer der Verlust eines Einzelnen wiegt und egal wie sehr man sich wünscht, daß sie anhalten möge, nur für einen kleinen Moment, nur für zwei oder drei Atemzüge…

Was sich nicht verändert hat ist das Spüren von Verlust, auch wenn sich die Trauer an sich geändert hat.

Ich dachte immer, dass so eine Aussage Quatsch wäre, aber nun stelle auch ich fest, dass ich jeden Tag an meinen Vater denke.
Manchmal nur kurz und eher unbewußt, aber es gibt auch immer noch Tage, wo ich denke ‚Das mußt Du später Papa erzählen!‘ und wo es ein paar Sekunden dauert bis mein Kopf sagt ‚Aber er ist doch nicht mehr da.‘.
Dieser Augenblick der Erkenntnis tut dann immer wieder aufs Neue weh, als wäre Papas Todestag erst gestern gewesen.

Andererseits bringen mich manche Erinnerungen mittlerweile auch wieder zum Lachen.
Gerade in der letzten vier Wochen, in denen es eine Krise in meiner Verwandtschaft gab, hatte ich oft Papas Kommentare zu einzelnen beteiligten Personen im Ohr.
Das verändert natürlich die Situation an sich nicht, aber wenn ein kleines Grinsen dabei herausspringt, ist manchmal schon viel geholfen.

Vor zwei Jahren fiel der Totensonntag auf einen trüben, kalten Tag und paßte damit komplett zur Stimmung in meiner Familie.

Heute scheint hier die Sonne auf die bunten Blätter und die Temperaturen sind für Ende November eigentlich viel zu mild.
Daher saß ich heute morgen schon dick eingemummelt mit einer Tasse Tee auf der Terrasse meiner Eltern.
Die Erinnerungen, die dabei aus meinem Kopf (oder meinem Herzen?) aufstiegen sind unglaublich kostbar und ich sollte mich darüber freuen – dachte ich und wischte mir doch Tränen der Trauer vom Gesicht…

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11 Antworten zu Totensonntag

  1. RuleBritannia schreibt:

    Es spricht mir aus dem Herzen, gerade jetzt erinnere ich mich an die Zeit vor einem Jahr als bei meiner Mutter die finale Diagnose gestellt wurde…. LG Heike

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  2. silke lion schreibt:

    Ich schicke Dir eine warme Umarmung.
    Bewahre diese kostbaren Erinnerungen in Deinem Herzen und teile sie mit Deinen Lieben.

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  3. Cat Crawfield schreibt:

    Fühl dich gedrückt!
    Ich weiß gar nicht warum, aber ich musste erst gestern wieder an den Tag denken. Und es macht mich jedes Mal traurig, wenn ich dann an dich denke…

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  4. Servetus schreibt:

    Sei umarmt von mir. Ich hatte auch meine Gedanken / Erinnerungen heute morgen …

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  5. Servetus schreibt:

    English translation (delete if this bothers you):
    On Totensonntag two years ago I wrote about the worship service in my home congregation.

    Two years — unbelievable how quickly the time has gone by and how far-reaching the changes in my life have been since then.

    And yet I must notice that my father was right when he said, „When I’m gone, your lives will go on.“
    The world keeps on turning mercilessly, no matter how heavily the loss of any individual weighs upon one and no matter how much one wishes that it would stop, only for a short moment, for two or three breaths.

    What has not changed is the sensation of loss, even if the mourning in itself has changed.

    I always thought that such statements were nonsense, but now I see as well that I think of my father every day. Sometimes only briefly and rather unconsciously, but there are still days as well, where I think, „You have to tell Papa about that,“ and it takes a few seconds until my head says, „But he’s not there anymore.“ This glimpse of recognition hurts freshly, over and over again, as if Papa had died only yesterday.

    On the other hand, in the meantime, some memories also make me laugh again. Particularly in the last four weeks, during which my relatives were experiencing a crisis, I often heard Papa’s commentaries on the individual people involved in my ears. Of course that did nothing to change the situation itself, but when a little grin pops out because of it, sometimes it helps a lot.

    Two years ago Totensonntag fell on a cold, overcast day and fit completely with the mood in my family. Today the sun is shining here on the colorful leaves and the temperatures are much too mild for the end of November. So this morning I sat, wrapped up tightly, with a cup of tea on my parents‘ terrace. The memories that rise up from my head (or my heart?) are unbelievably precious and I should be happy about them — I thought, and nonetheless wiped tears of mourning from my face …

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  6. Pingback: Christ the King / Eternity Sunday | Me + Richard Armitage

  7. Herba schreibt:

    Danke an Euch alle für die lieben Kommentare!!! ❤

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  8. Herba schreibt:

    @Serv: it’s fine! Thanks for the translation and the mentioning on your blog with the kind words – much appreciated!!!!

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  9. Hariclea schreibt:

    @Herba bin leider nur spat dran, troztdem knuddel!! die Sehnsucht geht nie weg und ich denke das kann nichts fullen, diesen lehren Platz, den Wunsche uber Sachen reden zu konnen usw Ich denke mit der Zeit erinnern wir uns viel mehr an die netten Sachen die wir geteilt haben, aber andererseits erinnert man sich immer wieder das das nicht moglich ist. Ich denke dann immer gern dass ich hoffe dass sie es irgendwie wissen wie es mir geht (in meinem Fall sind es die Grosseltern mit denen ich aufgewachsen bin). Dicke Umarmung!

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  10. Herba schreibt:

    @Hari: Dank Dir. Ja, ich denke auch, dass disen leeren Platz niemand füllen kann und eigentlich ist das ja auch gut so…

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