Aus dem Leben einer Tante #3

Die letzten Wochen als Tante waren mal wieder sehr ereignisreich und es spielten sich einige Dramen ab.

Sowohl mein Neffe als auch meine Nichte gehen ja schon in die Schule und während mein Neffe seiner Mutter erklärte, daß eine 4 in der letzten Deutscharbeit kein Grund sei, um sich irgendwie größer aufzuregen (seine Mutter regte sich allerdings nicht über die Note auf, sondern über seine Erklärung wie es zu ihr gekommen war), weinte meine Nichte bittere, lautstarke Tränen über den EINEN Leichtsinnsfehler, der sie die 1 in der Englischarbeit gekostet hatte.
Und während mir die Kleine schon leid tat, mußte ich mir dann doch das Lachen verkneifen, als ich mir das Deutsch-Machwerk meines Neffen ansah.
Er wiederholt gerade was ein Subjekt, Objekt und Prädikat ist und sollte dazu in der Arbeit bei einem Text die drei verschiedenen Fälle unterstreichen.
Weil es ihm zu anstrengend erschien, den Text erst zu lesen UND dann auch noch Unterstreichungen in DREI verschiedenen Farben vorzunehmen, hat er einfach so ein paar Wörter unterstrichen, weil er sich sicher war, ich zitiere: ‚dass sicher ein bißchen was davon stimmt.‘
Tja, was soll man dazu noch sagen? icon_lol

Ende Mai hatte dann meine Nichte Geburtstag.
Wo früher bei Grundschulkindern Kuchen, ein Spielenachmittag mit Süßigkeitentüte und abschließendem Abendessen reichte, überbieten sich heutzutage die Eltern mit ‚Event’geburtstagen, bei denen ich mich frage, wie man das, was da geboten wird, bei älteren Kindern überbieten will, aber gut, das ist ja zum Glück nicht mein Problem.
Letztes Jahr wurde der Geburtstag von Nichte auf einem Indoorspielplatz gefeiert, was an sich eine gute Idee war, allerdings ungeahnte Probleme mit sich brachte, denn auch Sieben- bis Achtjährige können schon an Entscheidungsneurose leiden, was zum Beispiele bei der Getränkeauswahl zu mittelschweren Problemen führen kann.
Denn hat man sich endlich nach langwierigem Entscheidungsprozess für eine Zitronenlimo entschieden und überlegt es sich just in dem Moment wieder anders, wo die Kellnerin das Bestellte bringt, ist die Krise da und das Geheule groß, weil die abgrundtief bösen Erwachsenen dann darauf bestehen, das man die doofe Zitronenlimo nun auch trinkt.
Dieses Jahr sollte alles anders werden und mit weniger Zickenkrieg ablaufen, also beschloss Nichte zusammen mit ihrer Mutter, daß die Party im heimischen Garten steigen würde.
Neben Kuchen, einem Hund zum Knuddeln und Partymusik und einem pubertierenden großen Bruder wurde als Unterhaltungsprogramm der Bau eines Vogelhäuschens mit anschließendem Bemalen beschlossen.
Zwei Tage vor dem großen Ereignis, waren die Holzbauteile für 10 Vogelhäuschen samt Nägeln, Werkzeugen und Farbe unter der Pergola verstaut und der Wettergott um Sonnenschein gebeten worden.
Einen Tag vor dem Großereignis gab es dann den Supergau in Form meines Neffen, der mal wieder den Hyde gab und sich gar nicht mehr beruhigen wollte.
Aber was war passiert???
Nichte hatte eine Freundin zum Spielen zu Besuch gehabt und zu zweit hatten die Damen mit Kreide und Wasser experimentiert.
Dabei hatte nicht nur der Pergolaboden ein bißchen Farbe bekommen, sondern auch das Fahrrad vom Neffen, der nun bitterernste Rache schwor und mit toternster Grabesstimme verkündete:
‚Wenn das nicht wieder abgeht, kannst Du Deinen Geburtstag morgen vergessen!!!‘
Als die Mutter von Täter und Opfer sich den ‚Schaden‘ genauer angeschaut hatte, mahnte sie zu Ruhe und Besonnenheit, erklärte Nichte, dass sie bitte keine solche Sauerei mehr veranstalten würden und versicherte Neffen, daß die Farbe auf jeden Fall wieder abgehen würde und sie sich zusammen mit Nichte nach dem Gassigehen mit dem Familienhund um die Beseitigung kümmern würde.
Allerdings scherten Neffe diese Beteuerungen wenig, denn wenn ER etwas anstellen würde, gäbe es ja schließlich auch IMMER ein riesen Donnerwetter (Äh, nein, nicht immer! Nur wenn er zum Beispiel gerade den tragbaren Fernseher in der Badewanne versenkt hat) und überhaupt sei die Welt gerade ein furchtbar ungerechter Ort!
Da schrie es geradezu danach, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, die Freundin von Nichte anzurufen und ihre Eltern zu verlangen, um sich wortreich über den entstandenen Schaden auszulassen!!! icon_eek
Zum Glück Pech des selbsternannten Rächer der Enterbten waren die besagten Eltern nicht zu Hause und so mußte er sich damit begnügen, der Freundin von Nichte per Telefon Feuer unterm Hintern zu machen.
Da seine Mutter zu der Zeit wie geplant mit dem Hund unterwegs war, bekamen die Erwachsenen der Familie von Neffes Aktion erst etwas mit, als später am Abend die Freundin von Nichte ganz kleinlaut bei uns vor der Tür stand, um ‚das Fahrrad zu putzen, damit sie doch noch auf den Geburtstag ihrer Freundin kommen dürfte…‘
Meine Schwester ist zum Glück mittlerweile einiges gewohnt, atmete tief durch und versicherte ihr, daß alles in Ordnung und das Fahrrad schon längst wieder sauber sei, während meine Mutter und ich uns in ihrer Küche verschanzten und uns herzhaft kaputt lachten um uns dann später die Begründung von Neffen für sein Tun mit ernster Mine anhören zu können.
‚Weißt Du Mama, wenn Du nichts unternimmst, wenn meine Sachen demoliert werden, dann MUSS ich das halt selber erledigen!‘ klugscheiß
Hach ja, man muss das Kerlchen einfach gern haben icon_lol
Der Geburtstag von Nichte am nächsten Tag lief dann, sehr zu meiner Verwunderung, ohne Pleiten, Pech und Pannen ab und die Kids waren ganz begeistert von ihren selbst gemachten Vogelhäuschen, die in allen möglichen Farben leuchteten und vermutlich vor allem farbenblinde und schwule zwinker Vögel anziehen dürften giggle

Danach herrschte dann der ganz normale Wahnsinn Alltag, doch Anfang der Woche, mußte Neffe von der Schule abgeholt werden, weil er sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen hat und daher kotzte wie ein Reiher nicht schultauglich war rolleye113wb
Typisch männlich stirbt er seitdem geräuschvoll vor sich hin und beklagt sich mehr oder weniger dauerhaft über das fehlende Mitgefühl seiner Mitmenschen.
Besonders negativ aufgefallen ist dabei (mal wieder) seine Tante (moi), die ihm Schreckliches angedroht hat, wenn er sie ansteckt!!!
Meine Schwester und meine Mutter, leicht mitgenommen von der Betreuung des dauernörgeligen, kranken Zwölfjährigen, beneideten dann gestern meine Nichte, die morgens um Acht zu ihrer allerersten Klassenfahrt aufbrechen durfte und so der männlichen Dramaqueen auf dem heimischen Sofa entkommen konnte.
Allerdings hielt der Neid nur circa 11 Stunden vor, dann klingelte das Handy meiner Schwester und die Klassenlehrerin meiner Nichte bat darum, das nun auch kotzende kranke Kind aus der Jugendherberge abzuholen.
Nun sitzten also zwei leidende Kinder daheim und Nichtes Klassenfahrt wird als die kürzeste der Familiengeschichte in die Analen eingehen.

Tjaja, das Leben als Mutter oder Oma kann schon grausam sein.
Und das von Tanten?
Tja, wie das bei anderen so ist, weiß ich nicht, aber ich danke diese Woche Gott dafür, daß ich frühmorgens zur Arbeit fahren darf und erst am späten Nachmittag in das heimische Mehrfamilienhaus zurückkomme, um dort dann die Dramen des Tages ganz oft nur aus zweiter Hand zu erfahren icon_mrgreen

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24 Antworten zu Aus dem Leben einer Tante #3

  1. RuleBritannia schreibt:

    Oh Gott herrlich….

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  2. Die Poe schreibt:

    Kinder sind was feines!

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  3. cRAmerry schreibt:

    Ist ja mords was los bei euch 😀
    Bin übrigens gerade Hausi-Beisitzer zum Thema für die D-Arbeit morgen : Subjekt , Prädikat, Objekt UND adverbiale Bestimmung. 5. Klasse hat wirklich Charme 🙂
    Und unterstrichen werden muss auch……….
    Bloß die Kotzerei ist hier zum Glück noch nicht angekommen!

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  4. Herba schreibt:

    🙂

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  5. Herba schreibt:

    …besonders, wenn sie im schalldichten kellerloch verwahrt werden 😉

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  6. Herba schreibt:

    Na, dann drücke ich für die Arbeit mal die Daumen. Wenn Dein Fünftklässler meinem ähnelt ist nämlich im Zweifelsfall der Hausi-Beistzer schuld, wenn die Arbeit in die Hose geht 😉
    Bei uns klingt sie dem Vernehmen nach gerade ab 🙂

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  7. Die Poe schreibt:

    muhahahahaaaa….böse….böse, aber gut!

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  8. Herba schreibt:

    😎

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  9. cRAmerry schreibt:

    Mein zweiter Vorname ist: „Aber DU hast doch gesagt…..,,,,“
    Das Leben kann manchmal sooo einfach sein, wenn man 11 ist! (Seufz)
    Ich hoffe , das verwächst sich langfristig.

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  10. Herba schreibt:

    *lachen* sei froh, daß das Kind noch ganze Sätze bildet! Von meinem Neffen kommt oft nur noch ein scharfes „NAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA TOLL!“ meist gefolgt von dem Knallen der Türen, die ihm in die Quere kommen. Daher hatte ich ja zur Schonung der Türen schon vorgeschlagen, dass wir sie aushängen und statt dessen Teppiche in die Öffnungen hängen – nur so lange bis das Schlimmste vorbei ist…aber das wollte der Rest dann auch nicht….
    Zum Thema Verwachsen kann ich nur sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt 😉

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  11. Cat Crawfield schreibt:

    Oh man, ich wünsche deinen Zwergen eine gute Besserung!
    Aaaber… oh Gott, ich kann nicht mehr x’D Was hab ich gerade gelacht!! 😀

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  12. cRAmerry schreibt:

    Ja, das mit den Sätzen klappt schon (blubber, blubber, er kommt schon irgendwie nach mir, die Rache der Chromosomen halt 🙂 ). Aber die Teppichtüren wären auch bei uns
    angebracht . Die einzige Tür die man schließen kann ist (wer hätte es geglaubt ?) die eigene . Ansonsten herrscht bei und permanent „Tag der offenen Tür“. Oder mir schießt wahlweise die Weihnachtsmelodie „Macht hoch die Tür“ durch den Kopf.

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  13. Herba schreibt:

    Danke, richte ich gerne aus :*
    Das freut mich, Lachen ist ja schließlich gesund 🙂

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  14. Herba schreibt:

    Meine Mutter wünscht sich regelmäßig, daß so eine Tür mal zurückschwingt und den Richtigen am Kopf trifft. Aber DAS Elend könnte man dann vermutlich auch nicht ertragen, also ist es schon gut, daß unsre Türen ihr den Wunsch nicht erfüllen 🙂

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  15. silke lion schreibt:

    Auch von mir gute Besserung für die „lieben Kleinen“;-).
    Ich hab 4( !) von der Sorte-davon 3 derzeit in der Pubertät(2Mädels,11und 13-und einen Jungen, 11), der jüngste(7)ist in der ersten Klasse.
    Es ist soooo… schön zu hören, dass es nicht nur uns so geht ;-).
    Sonnige Grüße
    Silke

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  16. Herba schreibt:

    Danke!
    VIER???????? OMG!!! Mein Beileid!!!

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  17. Servetus schreibt:

    it’s so much easier when you don’t live with them … 🙂

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  18. cRAmerry schreibt:

    Nicht immer, aber immer öfter…….. 😀

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  19. nettebuecherkiste schreibt:

    Herzhaft gelacht! 🙂 Aber bitte: Bild vom Vogelhäuschen!

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  20. Herba schreibt:

    ABsolutely! 🙂

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  21. Herba schreibt:

    Wird nachgeliefert, versprochen

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  22. E. L. schreibt:

    E.L.
    Ich habe Ihren Beitrag gelesen und war sehr beeindruckt. Man kann bei manchen Abschnitten schmunzeln und schon in der nächsten Zeile ist man entsetzt. Einige Tatsachen habe ich auch erlebt mit meinen Kindern und jetzt mit den Enkelkindern (aber nicht sooo Grass).
    Was ist denn heute mit den Kindern los….schon im frühen Alter kommen Eltern mit Ihren Kindern nicht mehr klar. Aber so, wie sie es schildern, müssen die Eltern der Kinder fertig werden. Es hat keinen Zweck, wenn Sie oder Ihre Mama sich einmischen. Im Gegenteil, da kommt es noch zu Streitigkeiten zwischen den Erwachsenen.
    Gehen sie spazieren, oder lenken Sie sich mit irgend etwas ab. Es ist schwer, wenn man dann noch in einem Haus wohnt.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mama alles Gute. toi,toi,toi…….
    E. L.

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