Hochhaus von J.G. Ballard

Hochhaus‚ ist auch unter dem Titel ‚Der Block‚ erschienen und auf Deutsch scheinbar nur noch antiquarisch zu bekommen. Die englische Originalversion ‚High-rise‚ ist darum zur Zeit wesentlich günstiger…für Juni 2016 ist allerdings eine Neuauflage der deutschen Version angekündigt, daher habe ich in diesem Beitrag die Verlinkung von der alten in die neue Version geändert.

Der Psychologe Dr. Robert Laing ist gerade frisch geschieden und zieht in ein Apartment in einem hochmodernen neu gebauten Nobelhochaus, das er sich mit anderen wohlhabenden Menschen teilt.
Kurz nachdem alle Wohnung des 40 stöckigen Gebäudes belegt sind, fängt die Technik an zu streiken, es gibt immer wieder Stromausfälle, die Klimaanlagen sind überlastet und die Aufzüge fallen aus.
Dadurch bildet sich unter den Bewohnern eine Dreiklassengesellschaft aus unteren, mittleren und oberen Bewohnern und es wird schnell klar:
Wenn es hart auf hart kommt ist sich jeder selbst der Nächste…

Mit dieser Dystopie aus dem Jahr 1975 habe ich mich ziemlich weit von meinem normalen Lesepfad wegbewegt und ich bin immer noch nicht ganz sicher, wie ich das Buch nun eigentlich finden soll.
Direkt im ersten Satz wird beschrieben wie Robert Laing einen Hund zubereitet, was für mich einerseits etwas befremdlich war und ich mich andererseits gefragt habe, ob der geplante Kinofilm das aufgreifen wird.
Ansonsten ist Laing auf den ersten Blick ganz sympathisch, allerdings verwendet Ballard wenig Zeit darauf seine Figuren tiefer gehend zu ergründen, sondern beschreibt eher wie Laing, Wilder und Royal (die beiden anderen Hauptfiguren) sich entwickeln, als das Hochhaus immer mehr verwahrlost und die Bewohner geltenden Gesellschaftsregeln über Bord werfen.
Wilder und Royal fand ich direkt unsympathisch und dieses Bild hatte sich auch am Ende des Buchs nicht geändert.
Die drei Männer stehen für die drei verschiedenen Klassen des Gebäudes und die Entwicklung, die diese durchmachen.
Wilder möchte unbedingt aus der unteren Hälfte des Hauses bis ganz nach oben aufsteigen, Laing richtet sich in der Mitte ein und versucht diese Position zu behaupten und Royal ist der Meinung, dass der Platz an der Spitze ihm zusteht und auch niemand daran rütteln wird.
Diese Aussage als Metapher unserer Gesellschaft fand ich ganz spannend und auch nachdenklich machend, aber im Verlauf der Geschichte, als es keinen Strom mehr gibt, die Wohnungen demoliert werden, Gewalt immer mehr um sich greift und die Menschen Hunger leiden, habe ich mich nur noch gefragt: Warum?
Warum zieht ihr nicht einfach aus? Warum bleibt ihr dort wohnen und macht der Außenwelt weis, dass alles in Ordnung ist? Und wieso bekommt die Aussenwelt nicht mit, was da vor sich geht?
Natürlich können wir auch nicht einfach so aus unserem Umfeld flüchten, aber für das Hochhaus fand ich das dann schon sehr an den Haaren herbei gezogen.
Und spätestens als Wilder mit entblößten Genitalien durchs Hochhaus rennt, wurde es dann komplett skurril…
Nach dieser ganz anderen Leseerfahrung weiß ich was ich schon länger vermutet hatte (Dystopien sind nicht unbedingt mein Ding) und bin nun auf den Film gespannt, den ich mir auf jeden Fall ankucken werde – es sei denn, der Trailer schreckt mich ab 😉

Edit: Mittlerweile habe ich den Film gesehen und hier kann man meinen Eindruck dazu nachlesen.

J.G. Ballard bei phantastik-couch.de
Eine englischsprachige Materialsammlung, die dem verstorbenen Autor gewidmet ist
Die Ankündigung einer Romanverfilmung für 2014

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2 Antworten zu Hochhaus von J.G. Ballard

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