Erinnerungen zum Advent, die Zweite

Das erste Weihnachtsgeschenk, an das ich mich bewußt erinnern kann und das ich nach wie vor heiß und innig liebe ist ein Bilderbuch und zwar ‚Wo der Weihnachtsmann wohnt‚ von Mauri Kunnas.

Zum eine, weil es ein wundervoll bebildertes Buch mit einer schönen Geschichte ist und zum anderen weil es eins der Geschenke meiner Patentetante war, mit dem ich wirklich etwas anfangen konnte.
Meine Patentante neigte leider dazu viel Geld für Dinge auszugeben, die ich ganz schrecklich fand, die nicht zu mir paßten und die für ziemlich viel Heiterkeit sorgten, auch wenn es für mich als Kind eigentlich nicht so lustig war, daß sie nicht wirklich viele Gedanken investierte, um mir eine Freude zu machen.
Dazu kam, daß sie sowohl an Weihnachten als auch an meinem Geburtstag nie da war. Das Geschenk erreichte mich also entweder Monate später und/oder wurde mir von ihren Eltern übergeben, was die Enttäuschung dann immer noch ein bißchen größer machte. Denn eigentlich ging es mir nie um geschenke, sondern darum, daß sich meine Patentante Zeit nahm…

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Nun ja, zurück zu ‚Wo der Weihnachtsmann wohnt‚. Meine Ausgabe hat ein anderes Titelbild und ist rot statt gelb – also so richtig weihnachtlich – aber der Inhalt ist natürlich derselbe.

Mauri Kunnas erzählt kindgerecht vom Weihnachtsmann, seiner Frau und den Weihnachtswichteln, die alle zusammenleben und an Weihnachten losziehen, um Kinder auf der ganzen Welt zu beschenken – einfach schön und ein tolles Buch zum Vorlesen!

Es gab jedoch ein Mitglied in meiner Familie, die dieses Buch gar nicht toll fand und das war meine Oma.
Sie mußte mir nämlich, nachdem ich es geschenkt bekommen hatte, ständig daraus vorlesen und das brachte sie an den Rand der Verzweiflung, weil sie den Namen des Berges, wo der Weihnachtsmann wohnt, nicht aussprechen konnte.
Zuerst sprach sie ‚Korvatunturi‘ falsch aus – wie es richtig geht, hatte meine Mama beim ersten Vorlesen vorgemacht – und ich wies sie gleich darauf hin.
„Oma, das heißt doch ‚Korvatunturi‘!“
„Ach so, danke.“
Aber nun hatte ich es ja gesagt und sie machte einfach beim nächsten Satz weiter.

Beim nächsten mal Vorlesen passierte es wieder, wieder wies ich sie auf ihren Fehler hin und wieder bedankte sie sich und lass einfach weiter.

Als es wieder passierte, wollte ich mit ihr üben, wie man es richtig macht und sie mußte von meiner Mutter gerettet werden…

Nach dieser Erfahrung versuchte sie meine Erziehungsversuche zu umgehen, indem sie den Satz, in dem der vermaledeite Berg vorkam, einfach wegließ.
Aber leider hatte ich die Geschichte nun schon so oft gehört, daß ich genau wußte, wo was hingehörte und sie freundlich daran erinnerte:
„Oma, Du hast was vergessen!“
„Ach Kind, dir kann man auch gar nichts vormachen,“ seufzte sie und wieder rettete sie meine Mama vor weiteren Sprachübungen.

Das Ganze endete damit, dass sie bei einer unseren Vorlesestunden, bei der ich ihr wieder versuchte beizubringen, wie man ‚Korvatunturi‘ richtig ausspricht, ihr Gebiß verlor.
Zum Glück fiel es nicht auf mein geliebtes Buch, aber das war der Zeitpunkt wo ich beschloss selbst lesen zu lernen und damit war die Vorlesezeit auf Omas Schoß mit dem Weihnachtsmann und Oberlix und Unterlix (Asterix und Obelix wollte oder konnte sie nämlich auch nie sagen) und all den anderen Buchgestalten für immer beendet.

Aber immer wenn es weihnachtet, denke ich an dieses Buch und an meine Oma, die sich so tapfer damit herumgeschlagen hat.

Habt alle einen schönen 2. Advent!

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7 Antworten zu Erinnerungen zum Advent, die Zweite

  1. Servetus schreibt:

    This is a really sweet story — thanks for writing it down for us!

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  2. Herba schreibt:

    My pleasure. I think I need time to remember right now and I hope I’ll be able to make that time because it is so important for me at the moment…

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  3. nettebuecherkiste schreibt:

    LOL, „Oberlix und Unterlix“ ist gut 😉

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  4. Herba schreibt:

    Ja, meine Oma war sehr kreativ 😆

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