Erinnerungen zum Advent, die Erste

Letztes Jahr habe ich mich an jedem Advent mit Weihnachtsliedern und Weihnachtsfilmen beschäftigt.

Dieses Jahr bleibe ich allgemeiner bei meinen Erinnerungen an die Weihnachtszeit und möchte einfach ein paar davon mit euch teilen.

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In den letzten Tagen habe ich mich öfter an verschiedene Nikolaus-Tage aus der Vergangenheit erinnert. Hauptsächlich, weil meine Nichte mich gefragt hat, wieso wir keine Stiefel vor die Tür stellen, wie es wohl die Familie einer ihrer Freundinnen tut und wie es ja auch in Liedern besungen wird.
Leider weiß ich auf die Frage auch keine Antwort, außer: Das ist halt einfach so 😆

In meiner Familie wurde immer schon am Abend des 6. Dezembers Nikolaus ‚gefeiert‘. Bis ich ein Teenie war, trafen wir uns im Haus meiner Großeltern, man saß zusammen und unterhielt sich, wir Kinder spielten und wenn es draußen ganz dunkel war, hörten wir polternde Schritte und durch die Tür kam der Nikolaus mit seinem goldenen Buch unter dem Arm, dem großen Jutesack über der Schulter und der Rute in der Hand.

Beim Anblick des bärtigen Kerls im roten Mantel verkrochen sich meist zwei oder drei meiner Cousins in die hinterste Ecke oder unter den großen Küchentisch, obwohl sie Minuten zuvor noch bekräftigt hatten, dass sie vor dem doofen Nikolaus keine Angst hätten und ihm ans Schienbein treten würden, sobald er durch die Tür kommt (das mit dem ans Schienbein treten hab ich schon damals nicht verstanden und finde es heute auch noch ziemlich unlogisch aber gut).

Währenddessen hatten die Erwachsenen den Nikolaus begrüßt und ihm einen Stuhl hingestellt, auf dem er dann vor uns throne, um sich blickte und dann sein goldenes Buch aufschlug, um unsere guten und weniger guten Taten vorzulesen.

In einem Jahr versuchte der gute Mann den damals kleinsten meiner Cousins auf den Schoss zu nehmen, der daraufhin so laut brüllte und heulte, dass uns allen die Ohren klingelten und der Nikolaus nie wieder einen von uns auf den Schoß nehmen wollte 😆

Unter den Enkeln meiner Großeltern sind wir Mädchen gnadenlos in der Unterzahl und trotzdem wurde meist eine von uns herausgedeutet, um den Anfang zu machen, nach vorne zu treten, ein Gedicht aufzusagen und sich beschenken zu lassen.

Denn auch wenn bei dem ein oder anderen die negativen die positiven Taten bei weitem in den Schatten stellten, gab es doch immer auch etwas geschenkt.
Als Kind fand ich es manchmal schon sehr ungerecht, dass die mit dem längsten ‚Schandtatenregister‘ meist auch die meisten Geschenke davonschleppten und ich erinnere mich daran, dass ich deswegen einmal auf der Heimfahrt eine ziemlich hitzige Diskussion mit meinen Eltern geführt habe.
Aber aus erwachsener Sicht kann ich mich nicht beschweren, denn meine Eltern haben immer ihr Möglichstes getan, um meiner Schwester und mir alles zu ermöglichen, was wir wollten. Zum Glück spielte sich das alles in vernünftigem Rahmen ab und wir wurden nicht mit teurem Zeugs überhäuft, das nach einer Weile sowieso in der Ecke landete.

Wenn alle Kinder beschenkt waren, animierte der Nikolaus meine Großmutter dann noch dazu ein Weihnachtslied anzustimmen und dann verabschiedete sich der gute Mann auch schon wieder bis zum nächsten Jahr.

Als meine Großeltern ihr Haus verkauft hatten, schlief die große Nikolausfeier ein, denn wir Enkelkinder waren alle schon zu groß, um noch an den Nikolaus zu glauben und da sich dieser Tag wirklich nur um die Kinder drehte, schlief das Ganze ein.

Vor ein paar Jahren hat dann meine Mutter, als ihre Enkelkinder groß genug für den Nikolaus waren, den alten Brauch wieder aufleben lassen, aber leider stellte sich dabei die Nostalgie der früheren Nikolausfeiern nicht mehr ein.
Vielleicht auch, weil ‚unser‘ Nikolaus (ein Klassenkamerad meiner Mutter, der ein Teil der mietbaren Pfadfinderweihnachtstruppe unseres Ortes war, Insiderwissen über meine Familie besaß und uns des öfteren über die Schandtaten von Onkeln und Tanten aus früheren Zeiten aufklärte) seinen roten Mantel an den Nagel gehängt hatte und das Ganze doch ziemlich unpersönlich ablief.

Was sich nicht geändert hat war, dass der mit der größten Klappe (mein Neffe) zu heulen anfing, als der Nikolaus ins Wohnzimmer kam und meine Nichte die Veranstaltung mit einem Gedicht rettete 😆

Jetzt gibt es für die beiden nur noch einen Jutesack, der vor der Haustür abgelegt wird – schade eigentlich….

Ich wünsche euch allen einen schönen ersten Advent!!!!

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7 Antworten zu Erinnerungen zum Advent, die Erste

  1. Andrea schreibt:

    Aber so bleibt wenigstens eine schöne Erinnerung an die Zeit…..all sowas gabs bei mir leider nie….

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  2. Herba schreibt:

    Das stimmt, eine große Verwandtschaft hat auch seine Vorteile, zumindest als Kind 🙂

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  3. diepoe schreibt:

    Da wir das auch nicht im Familienkreis gemacht haben, haben wir es damals im Nachbarschaftskreis gemacht.

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  4. Herba schreibt:

    Das war sicher auch immer schön 🙂

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