Konfrontation

Diese Episode ist (irgendwie) Teil einer FanFic, die ich 2011/2012 geschrieben habe und die seit letztem Jahr auf Eis liegt, obwohl ich sie mehr oder weniger fertig in meinem Kopf habe.
Die Episode erscheint vielleicht etwas zusammenhanglos, wenn man die FanFic nicht kennt und schließt leider nicht da an, wo ich aufgehört habe zu schreiben, aber sie wollte nicht mehr warten und ganz dringend zu Papier gebracht werden 😉

* * * * * * * * * * * * * * * * *

…Sie schäumte innerlich vor Wut. Sicher er war der Herr, der über alles bestimmen konnte.
Aber sah er denn nicht ein, dass seine harte Haltung in diesem Fall mehr schadete als nützte?
Frustriert klapperte sie mit den hölzernen Schalen, als sie begann die Tafel abzuräumen. Zum Glück waren alle verschwunden und gingen ihren Aufgaben nach, selbst die Hunde waren nach draußen gelaufen.
Da hörte sie feste Schritte auf dem steinernen Boden, doch sie drehte sich nicht um, um festzustellen, wer da zurück in die Halle kam, in der die Mahlzeiten eingenommen wurde, sondern räumte weiter konzentriert Schalen und Löffel zusammen.

„Da! Schau sie dir an, wie sie dich, einen Mann von edler Geburt, ignoriert. Diese kleine graue Maus, die durch Dein Anwesen huscht und Dir nicht einmal in die Augen sehen kann. Nun geh schon hin und zeig ihr endlich, wer der Herr in diesem Haus ist!“

Da war sie wieder, die Stimme, die zu seiner Erleichterung in den letzten zwei Jahren nahezu verstummt war.
Seitdem die junge Frau, die von allen anderen nur Flo genannt wurde, mit ihrer Herrin auf seinem Anwesen aufgetaucht war und seine Gedanken ständig beschäftigte, erklang auch wieder das boshafte Gewäsch in seinem Kopf.
Aber hatte diese Stimme nicht Recht? Wie konnte sie als einfache Dienerin es wagen, ihm zu wiedersprechen und dann auch noch vor all seinen Leuten?
Breitbeinig und mit vor der Brust verschränkten Armen blieb er stehen, lehnte sich an die Wand und starrte sie an. Sie würde ihn nicht ewig ignorieren könnten.

Da, Flo war an der Ecke der Tafel angekommen umrundete diese nun und drehte ihm nicht mehr den Rücken zu.
Flüchtig schaute sie auf, um dann ganz schnell wieder den Blick zu senken und ein leises ‚Mylord…‘ zu murmeln, das ihn nur noch mehr aufbrachte.

„Was hast Du dir dabei gedacht, mir vor all meinen Leuten in dieser unverschämten Art und Weise zu wiedersprechen?“ presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen wütend hervor.

„Ich…es tut mir leid, Mylord. Es wird nie wieder vorkommen…“

„Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit Dir spreche!“ schnauzte er sie an.

Ihr Kopf fuhr erschrocken hoch und kurz sah er in ihre blauen Augen, bevor sich ihre Lider wieder senkten.

„Ich will wissen, wieso Du mir widersprochen hast!!!“

Nach wie vor die Augen auf den Tisch vor sich gerichtet, schüttelte Flo den Kopf. „Nein, das wollt ihr nicht. Männer wie Ihr, fragen nach der Meinung von anderen, aber wirklich wissen wollt Ihr sie nur in den seltensten Fällen…“

Erbost machte er einen Schritt auf sie zu und ballte seine Hände zu Fäusten.
„Wenn ich dich etwas frage, hast Du gefälligst zu antworten Weib!!!“

Flo schaute auf und seufzte dann resigniert.
„Also gut, aber das was ich euch zu sagen habe, wird euch nicht gefallen…ich habe euch widersprochen weil ich nicht verstehen kann, wieso ihr ein Kind so behandelt.“
Flo holte tief Luft und sprach dann immer schneller weiter.
„Euer Sohn schaut zu euch auf und versucht Euch stolz zu machen und alles was Ihr tut ist ihn zurückzustoßen. Er braucht euch, seht ihr das denn nicht?“

Mit gefährlich funkelnden Augen fixierte er sie. „Wie kannst Du es wagen???“

Die junge Frau schaute ihn erbost an. „IHR habt darauf bestanden, dass ich euch antworte. Ich kann nichts dafür, dass euch das, was ich zu sagen hatte nicht passt.“

Doch ihre Worte waren an ihn verschwendet. Ohne sie zur Kenntnis zu nehmen, ging er langsam und mit versteinerter Miene auf sie zu.
Wollte er sie für die eingeforderten offenen Worte etwa schlagen?
Diese Vorstellung rief Flo all die Situationen aus der Vergangenheit ins Gedächtnis, in denen ein Mann sie nach ihrer Meinung gefragt und diese dann einfach abgetan hatte, weil sie ja nur eine Frau war.
All die Zurückhaltung, die sie als Frau und Dienerin zu wahren hatte, verschwand hinter einer Wolke aus Trauer und Wut und bevor Flo wusste, was sie tat, hatte sie schon den hölzernen Suppentopf in der Hand, in dem sich noch ein Rest Suppe vom Abendmahl befand und schleuderte ihn in Richtung des großen Adligen, der wie ein Wolf auf der Pirsch auf sie zukam.
Der Topf flog haarscharf an seinem linken Ohr vorbei und ergoss dabei seinen Inhalt auf den Mann und den steinernen Boden, bevor er mit einem Krachen an der Wand der Halle zerbarst.

Schockiert von sich selbst ballte Flo ihre Hände vor ihrem offenen Mund zu Fäusten, starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und bewegte sich langsam rückwärts von ihm weg.

„Dafür sollte sie die Peitsche zu spüren bekommen!“ kreischte die Stimme in seinem Kopf.

Nein, die Peitsche würde er nicht benutzen, aber er würde ihr zur Strafe kräftig den Hintern versohlen.
Und ihr Fluchtreflex würde ihr auch nichts nützen! Die Wand der Halle würde sie schon sehr bald aufhalten und die Angst, die sich gerade in ihren Augen zeigte, hatte sie verdient.

Da stieß sie mit dem Rücken auch schon gegen harten Stein und er genoss nun die Situation in vollen Zügen!
Mit einem wölfischen Grinsen auf dem Gesicht, schnappte er sich mit der linken Hand einen Schemel, mit der rechten griff er nach Flos Arm und während er sich in einer fließenden Bewegung auf dem Schemel niederließ, zog er die junge Frau unerbittlich zu sich heran, obwohl sie sich gegen seine Hand stemmte.

Er war ein großer Mann und sie eine kleine Frau, darum befanden sich ihre Augen auf gleicher Höhe miteinander, als er sie nun vor sich stehen hatte und sie seinen eisigen Blick mit noch immer weit aufgerissenen Augen standhielt bevor sie diese Verbindung unterbrach und einen Punkt hinter seinem Kopf zu fixieren schien.
Dabei wechselte der Ausdruck ihrer Augen von Furcht zu etwas das aussah wie Verwunderung, bevor ihr ganzes Gesicht plötzlich erheiterte aussah.
Verwirrt schaute er sich um, ohne sie dabei loszulassen, doch die Halle war nach wie vor leer.

Flo wusste, dass sie in furchtbaren Schwierigkeiten steckte, die sich in den letzten 15 Sekunden rapide vergrößerten.
Doch dieses Wissen half ihr nun genauso wenig wie beim Werfen des Suppentopfs weiter, sie konnte einfach nicht anders und laut platzte es aus ihr heraus.

Sie lachte!!!
Erst bewarf sie ihn mit Essen und nun lachte sie….vielleicht auch noch über ihn???
Fuchsteufelswild nahm er sie an den Schultern, schüttelte sie kräftig und schrie:
„Hör sofort auf zu lachen!!!“ doch das schien alles nur noch schlimmer zu machen, denn die junge Frau lachte einfach laut weiter und große Lachtränen liefen ihr übers Gesicht.

Schließlich gelang es Flo trotz des anhaltenden Lachkrampfes dem großen Mann ihren rechten Arm zu entziehen. Sie hob ihre Hand, griff an sein Ohr, förderte einen Stängel Suppengrün zu Tage und kicherte:
„Das ist an Euch hängen geblieben….es sah aus, als würde es aus eurem Ohr wachsen…“

Und dann tat die junge Frau etwas ganz und gar Verrücktes, dass ihn vollkommen überrumpelte.
Erschöpft von der Auseinandersetzung und dem herzhaften Lachen vergaß sie sich selbst, lehnte sich an die breite Brust des Lords und schlang aufseufzend ihren Arm, den er nicht mehr festhielt, um ihn.

Stocksteif stand er da, denn solch körperliche Nähe hatte er schon lange nicht mehr erfahren.
Gerade als er sich der Weichheit ihres Körpers bewußt wurde, kam Flo zu sich, wich zurück und murmelte dabei verlegen:
„Verzeiht Mylord….ich….ich habe mich vergessen….es….es tut mir leid….es wird….nie wieder vorkommen….“

Sie huschte an ihm vorbei in den Teil des Saals, wo die Suppe von der Wand tropfte und eine Lache gebildet hatte, sammelte den Topf auf und eilte hinaus.
Den durchdringenden Blick, mit dem ihr der Lord nachsah, bemerkte sie nicht und auch sein leise gemurmeltes: „Na warte…“ hörte sie nicht…

* * * * * * * * * * * * * * * * *

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und absolut unbeabsichtigt!
Gesamter Text © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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8 Antworten zu Konfrontation

  1. crystalchandlyre schreibt:

    Diese Geschichte liest sich wie Poesie. Ich genoss diese. Und es übersetzt in Englisch gut mit nur wenigen Ausnahmen.

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    Hi Crystal,
    thanks for your nice feedback – much appreciated!
    I am glad you liked it even though it is only a little snippet of a bigger story

    Gefällt mir

  3. crystalchandlyre schreibt:

    It works well alone, so again very good job!

    Gefällt mir

  4. fleischfee schreibt:

    Schön geschrieben! Weiter so…

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  5. Herba schreibt:

    Danke schöööön!

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  6. Pingback: All Hallows‘ Eve | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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