Er ist wieder da von Timur Vermes

1945 hat sich Adolf Hitler in seinem Führerbunker in Berlin erschossen, als der 2. Weltkrieg verloren war.
66 Jahre später passiert nun das Unfassbare:
Der Führer wacht auf einer unbebauten Wiese mitten in Berlin wieder auf. Desorientiert und nach Bezin stinkend macht sich Hitler auf den Weg zurück in sein Hauptquartier und muss feststellen, dass er sein Hauptquartier nicht wiederfindet, Berlin ganz anders aussieht und die Menschen sich allesamt komisch benehmen.
Keiner scheint ihn zu erkennen und korrekt begrüßt wird er erst recht nicht.
An einem Zeitungskiosk muss Hitler dann feststellen, dass es nicht 1945 sondern 2011 ist und sich sein geliebtes Reich in den letzten Jahren sehr verändert hat.
Erneut begibt sich Adolf Hitler auf eine Mission um Deutschland zu retten…ob ihm das im Jahr 2011 nun gelingen wird?

Ich war mal wieder sehr spät und habe von ‚Er ist wieder da‘, das im September 2012 erschienen ist, erst vor gut drei Monaten erfahren.
Da landete ich durch Zufall auf der Spiegel-Bestseller-Seite und fragte mich kopfschüttelnd, welcher Trottel ein Buchcover gestaltet hatte, das bei genauem Hinsehen wie Adolf Hitler aussieht.
Natürlich musste ich mich dann genauer informieren und schüttelte etwas ratlos ob der etwas morbiden Idee Hitler im 21. Jahrhundert wiederzubeleben verwundert den Kopf und fragte mich: Darf man das?
Darf man aus Hitler eine Politsatire machen und kann so ein Buch überhaupt lustig sein?
Um diese Frage irgendwie beantworten zu können, musste ich mir eine eigene Meinung bilden und da ich das Buch nicht kaufen wollte, lieh ich es mir in der Bibliothek meines Vertrauens.

Schon auf den ersten Seiten überraschte es mich, wie gut es Timur Vermes gelungen war, die Sprache und Ausdrucksweise von Hitler wiederzugeben.
Das hat mich wirklich schwer beeindruckt, denn der Autor hält das über die gesamte Länge des Buches durch und legt Hitler, der der Ich-Erzähler des Buches ist, Worte in den Mund, die mehr als glaubwürdig waren, zumindest für einen geschichtlichen Laien wie mich, der sich zwar mit dem Thema auseinandergesetzt, aber Hitlers Reden nicht bis ins Letzte analysiert hat.
Das führte bei mir aber auch dazu, daß ich beim Lesen nach mindestens 50 Seiten definitiv eine Pause brauchte, denn in meinem Kopf liefen dabei Bilder von Hitler ab, wie er z.B. die Eröffnungsrede zu den Olympischen Spielen in Berlin hielt und das ertrug ich immer nur eine gewisse Zeit am Stück.

In Anführungszeichen gefürchtet hatte ich mich vor der Erklärung wieso Hitler plötzlich wieder am Leben ist, doch Vermes hat sich dafür keine phantastische Erklärung aus den Rippen geleiert, sondern stellt den ‚auferstandenen‘ Hitler als Tatsache dar, die nicht weiter hinterfragt wird, was mir auch sehr gut gefallen hat.
Denn dadurch konzentriert sich die Handlung voll und ganz darauf, wie Hitler sich in der modernen Welt zurechtfinden muss und sehr bald beschließt, dass Adolf Hitler auch im Jahr 2011 noch gebraucht wird, um Deutschland zu retten.

Durch den Kioskbesitzer bekommt er Kontakte zu einer Produktionsfirma, deren Verantwortlichen ihn mehr als originell finden und ihn in die Talkshow eines deutschen Türken einbauen.
Dort sorgt der vermeintliche Hitler-Imitator für Furore und begeistert die breite Masse mit seiner ach so gekonnten Imitation und seinen pseudo-witzigen Tiraden.

Und dann kam der Punkt, an dem es beim Lesen für mich gruselig wurde, denn ich beobachtete mich dabei, wie ich beim Lesen über Hitler schmunzelte.
Nicht über seine politischen Tiraden und seine krude Theorie zur jüdischen Weltverschwörung, darüber werde ich beim besten Willen nie lachen können, sondern zum Beispiel über seinen Besuch in der NPD-Zentral, wo er seinen Genossen mal gehörig den Marsch bläst und ihnen erklärt, wie amrselig sie doch sind.
Oder Hitlers Umgang mit den neuen Medien und seine Begeisterung für das ‚Internetz‘.
Das war wirklich, wirklich merkwürdig/beängstigend/erschreckend, auch wenn das Buch ’nur‘ eine satirische Fiktion ist und auch dieses Phänomen für die gute Arbeit des Autors spricht.

Ob man ein so ernstes Thema wie Nationalsozialismus/Hitler/etc. humoristisch verarbeiten sollte, kann ich nach wie vor nicht beantworten, das kann vermutlich nur jeder für sich selbst entscheiden.

Das Buch hat mich jedoch in meiner Meinung bestätigt, dass es auch heutzutage in unserer ach so aufgeklärten Welt gar nicht so abwegig ist, auf einen Menschen wie Hitler ‚hereinzufallen‘!

‚Er ist wieder da‘ war auf jeden Fall ein besonderes Leseerlebnis, das mich sehr nachdenklich und zwiegespalten zurückgelassen hat.

Timur Vermes bei Bastei Luebbe

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12 Antworten zu Er ist wieder da von Timur Vermes

  1. diepoe schreibt:

    Ich musste ja nach einigen Seiten doch mal den Autor recherchieren, was der so macht. Ich fand es nämlich auch erschreckend wie gut Hitler dargestellt wurde und wie gut er sich in ihn hineinversetzen konnte.

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  2. Herba schreibt:

    Heftig, oder?
    Hat der Autor nicht Geschichte studiert?

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  3. diepoe schreibt:

    Ja, hat er.

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  4. Phönix schreibt:

    Ich hab das Hörbuch hier liegen und trau mich nicht so recht ran …

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  5. nettebuecherkiste schreibt:

    Sehr schöne Rezension. Das Buch steht bei mir auch ganz oben auf der Wunschliste. Die Hörbuchfassung mit Christop Maria Herbst soll ja auch toll sein, aber ich mag einfach keine Hörbücher…

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  6. Herba schreibt:

    Mmmh, ich glaube als Hörbuch wäre es mir zu heftig, aber ich habe gelesen, daß das sehr gut gemacht sein soll.

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  7. Herba schreibt:

    Danke.
    Lesen lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, weil es wirklich eine ‚merkwürdige‘ Erfahrung ist.
    Hörbücher mag ich auch nur, wenn die Stimme des Vorlesers etwas ganz besonderes ist und das kommt sehr selten vor

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  8. Bücher&More schreibt:

    Ich hab das Buch auch erst vor ein paar Tagen gelesen und hat mir echt gut gefallen

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  9. Herba schreibt:

    Hast Du dich beim Lesen auch mal dabei ertappt zu schmunzeln und dich dann dafür ‚geschämt‘?

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  10. Bücher&More schreibt:

    oh ja …mir war der zwischendurch echt sympatisch, und dann im nächsten Absatz war ich schockiert drüber..aber genau das ist ja auch der Effekt den Vermes auslösen wollte…ich bin der Meinung in seinem Buch geht’s eben gar nicht um Hitler sondern uns einen Spiegel vorzuhalten

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  11. Herba schreibt:

    Ja, das glaube ich auch und das ist ihm hervorragend gelungen

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  12. Pingback: Er ist wieder da | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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