Arte zeigt ab dem 7.6. die BBC-Miniserie ‚Parade’s End‘

Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch), Spross aus wohlhabender Familie und brillianter Denker begegnet während einer Zugfahrt der wunderschönen jungen Sylvia (Rebecca Hall), die ihn noch in der Bahn verführt.
Gentleman Christopher heiratet sie kurze Zeit später, obwohl er nicht weiß, ob er der Vater des Kindes ist, das sie erwartet und hält die Ehe aufrecht, obwohl Sylvia ihm immer wieder Hörner aufsetzt.
Aber wenigstens beruflich scheint für Christopher auf seinem Regierungsposten alles gut zu laufen, auch wenn seine Ehefrau alles tut, um ihn zu ruinieren.
Als die junge Suffragette Valentine (Adelaide Clemens) in sein Leben tritt und Christopher sich Hals über Kopf in sie verliebt, verhindert nur der Ausbruch des 1. Weltkriegs eine weitreichende Entscheidung.
Wird Christopher gesund aus dem Krieg nach Hause kommen und dort dann für seine Liebe kämpfen?

‚Parade’s End‘ ist die erfolgreiche Adaption des gleichnamigen Romans von Ford Madox Ford und gehört zu den Period Dramas, die sich nicht nur mit einer herzergreifenden Liebesgeschichte auseinandersetzten, sondern auch das Zeitgeschehen unter die Lupe nehmen.

Als die Miniserie bei der BBC ausgestrahlt wurde, habe ich, wegen meiner Liebe zu Period Dramas und wegen der beeindruckenden Castliste, direkt eingeschaltet….und nach der ersten Folge direkt wieder ausgeschaltet.
Zwar ist die Ausstattung wunderschön, die Hintergrundmusik passend und stimmungsvoll und die Landschaftsaufnahmen atemberaubend, aber ich fand die Geschichte sehr wirr erzählt, viele der Figuren schwierig und nicht besonders sympathisch und die Tonqualität lies wirklich zu wünschen übrig (ich habe keine Ahnung, was die BBC da angestellt hat!).

Der zweite Versuch einige Zeit später in einer schlaflosen Nacht, gestaltete sich dann aber erfolgreicher. Vielleicht auch, weil ich Kopfhörer aufhatte und die Tonqualität so verbessern konnte.

Rebecca Hall spielt die verzogene Societylady Sylvia so überzeugend, dass mein Drang der Dame mal ein paar kräftige Ohrfeigen zu verpassen irgendwann während der zweiten Folge wirklich überwältigend wurde.
So ein egozentrisches Miststück habe ich schon lange nicht mehr über den Bildschirm flimmern sehen.

Der Kontrast zur jungen, unschuldigen Valentine, wundervoll gespielt von Adelaide Clemens, hätte nicht größer sein können.
Valentine war mir sehr sympathisch und ich mochte vor allem die Entwicklung, die die junge Frau während der Geschichte mitmacht.

Schauspieler wie Rupert Everett, Stephen Graham, Anne-Marie Duff, Rufus Sewell (als durchgedrehter Pfarrer echt gruselig) und andere bilden einen wirklich großartigen Cast, der sehr, sehr sehenswert ist.
Allerdings hat mich in der Geschichte oft verwirrt, dass Personen, die Tietjens scheinbar mögen oder zumindest schätzen, sich plötzlich und für mich aus keinem besonderen Grund gegen ihn stellen ohne ihm überhaupt die Chance zu geben, Dinge klarzustellen und sich zu rechtfertigen.
Das machte es schwierig Figuren über die gesamte Dauer der Serie zu mögen und ich glaube, ich habe schon länger keine Miniserie mehr gesehen, wo ich so viele Figuren nicht mochte.

Benedict Cumberbatch in der (Haupt)rolle des Christopher Tietjens liefert eine gewohnt gute schauspielerische Leistung ab. Allerdings war mir der brilliante, steife Oberklasseengländer Tietjens oft Cumberbatchs Sherlock Holmes zu ähnlich.
Beide haben Defizite im Umgang mit anderen Menschen und kommen in manchen Situationen fast ein bißchen autistisch rüber.
Dazu kam dann noch, daß ich Cumberbatchs Mimik oft irgendwie merkwürdig fand. Es sah fast aus, als hätte er irgendetwas in den Mund gestopft, damit sich die Mimik verändert und er ausdruckslos wirkt.
Falls dem nicht so ist und Mr. Cumberbatch das allein durch Anspannen oder Locckern der Gesichtsmuskeln beherrscht, ziehe ich meinen Hut vor ihm.
Die extreme Ausdruckslosigkeit seines Gesichts, mit der er doch so viel ausdrücken kann, kenne ich schon aus dem Theaterstück ‚Frankenstein‚, wo Cumberbatch die von Frankenstein erschaffene Kreatur spielte.
Zu Frankensteins Kreatur paßte das hervorragend, aber für seine Rolle in ‚Parade’s End‘ finde ich das leicht befremdlich und weiß auch nicht inwieweit das für die Rolle des Tietjens nötig war.
Vielleicht bin ich aber auch nur überkritisch, denn ich bin zugegebenerweise seit einiger Zeit (genauer gesagt seit der letzten Staffel von ‚Sherlock‘) etwas Cumberbatch-müde, auch wenn ich ihn nach wie vor als Schauspieler schätze.

Die Geschichte an sich wurde nach der ersten Folge zum Glück nicht mehr ganz so verworren erzählt und barg für mich in manchen Szene so viel groteske Komik, dass ich öfter schmunzeln oder sogar lachen mußte, obwohl auch die Schrecken der Gräbenkämpfe des 1. Weltkrieges thematisiert wurden.
Ich glaube am amüsantesten fand ich die Szene, in der drei strafversetzte Offiziere zusammen in einem Eisenbahnwagen reisen müssen und sich am liebsten an die Gurgel gehen würden 😆

Auch das Ende ist den Machern gut gelungen – nicht zu schmalzig und auch nicht zu tragisch – und insgesamt ist ‚Parade’s End‘ für mich eine sehenswerte Miniserie, die nicht unbedingt leichte Kost bietet und die man deswegen konzentriert anschauen sollte.

Parade’s End bei Arte
Parade’s End bei der BBC
Parade’s End im deutschen Fernsehen – Termine

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9 Antworten zu Arte zeigt ab dem 7.6. die BBC-Miniserie ‚Parade’s End‘

  1. diepoe schreibt:

    Oh, das klingt gut, das muss ich mir jetzt vier Tage lang merken 🙂 Danke für den Tipp!

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  2. Herba schreibt:

    Immer gerne!
    Wenn ich dran denke, erinner ich dich am Freitag nochmal dran 😆
    Wenn Du es anschaust mußt Du mal aufs Gesicht vom Cumberbatch achten und mir sagen, ob ich mir die merkwürdige Mimik nur eingebildet hab 😉

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  3. Ute schreibt:

    Da ich BBC Period Dramas generell liebe, hatte ich mir Parade´s End schon programmiert. Sehe BC morgen in Star Trek, wird interessant, dann mal Vergleiche anzustellen…

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  4. Herba schreibt:

    Der Vergleich fehlt mir, da ich Star Trek nicht anschaue, aber ich mußte bei einigen Großaufnahmen von seinem gesicht daran denken, daß diese Augen bald einem Drachen gehören und wie gut das paßt!

    Viel Spaß morgen im Kino und beim Anschauen von PE!

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  5. Ute schreibt:

    Ja, wie wohl Smaug aussehen wird, daran denke ich auch die ganze Zeit. Und RA hat ja auch erwähnt, dass er BC`Stimme incredible findet. Ich bin selber auch kein Star Trek Fan, gehe meinem kleinen Bruder zuliebe mit (und auch nur, weil ich BC mal im Kino sehen will)

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  6. Herba schreibt:

    Die Augen passen auf jeden Fall gut zu einem Drachen, das wird sicher gut werden!
    Die beiden BC-Fans aus meinem Bekanntenkreis waren definitiv sehr angetan von ihm in Star Trek 🙂

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  7. nettebuecherkiste schreibt:

    Da bin ich mal gespannt, ich hab schon in meiner Fernsehzeitschrift davon gelesen. Werd ich auf jeden Fall einschalten! 🙂

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  8. Herba schreibt:

    Na, dann schonmal viel Spaß beim Kucken!

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  9. nettebuecherkiste schreibt:

    danke! 🙂

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