16 Jahre lang…

…hatte ich, wenn es machbar war, immer direkt am 18. April einen Tag frei, um meinen Eltern dabei zu helfen, Gäste bei einer Geburtstagsfeier zu bewirten (seidem mein Vater Rentner war, wurde immer am Tag gefeiert).

Dieser Jahr hatte ich zwar auch frei, aber Gäste haben wir keine bewirtet (über die Leute, die uns anangemeldet ‚überfallen‘ haben, schweige ich lieber), sondern Blumen auf ein Grab gelegt und uns erinnert.

An vergangene Geburtstage meines Vaters.
Daran, dass er nie gern im Mittelpunkt stand und immer etwas verlegen war, wenn ihm zum Geburtstag gratuliert wurde.
Und an den Geburtstag, an dem er morgens spontan Reperaturarbeiten am Haus durchführte und meine Mutter Gratulanten am Telefon erzählte: ‚Er kann gerade nicht, er sitzt auf dem Dach…‘ Einfach typisch Papa 😆

Bei unsrem Besuch auf dem Friedhof habe ich wieder einmal festgestellt, dass der Friedhof kein Platz für mich ist, um Verstorbene zu ‚finden‘.
Ich weiß, daß dieser Platz wichtig ist – für meine Mutter, für die Kinder meine Schwester, für Verwandte und Freunde.
Aber wenn ich an diesem Grab stehe, geht es mir schon wie zu vor beim Grab meiner Oma:

Es ist ein Platz, wo man Blumen ablegt oder pflanzt, mit einem Stein, auf dem ein Name steht, aber für mich ist es kein Platz der Erinnerung.

Stattdessen erinnere ich mich an Papa, wenn ich in sein Auto einsteige – es riecht auch nach fast einem Jahr noch nach ihm.
Ich erinnere mich an ihn, wenn ich unsere Gartentür aufgehen höre – an manchen Tagen erwarte ich immer noch, daß er um die Ecke kommt.
Ich erinnere mich an ihn, wenn ich im Wohnzimmer meiner Eltern sitze und eine seiner Lieblingssendungen im Fernsehen läuft…

Und auch wenn ich seit Januar wenig an gefühlsmäßiger Trauerarbeit zugelassen habe, weil ich dazu einfach nicht in der Lage war, mich damit auseinanderzusetzen, ist Papa immer dabei.
Vielleicht nicht immer vordergründig, aber doch dabei.

In den letzten Tagen haben wir innerhalb der Familie wieder viel über ihn gesprochen, wo es in den letzten Wochen eher vermieden wurde, weil wir alle emotional nach Weihnachten und einem extrem dunklen WInter vermutlich etwas erschöpft waren.

Und wir haben es gestern endlich geschaft loszugehen und einen Grabstein auszusuchen.
Was seine Beerdigung anging hatte Papa klare Vorstellungen, aber was das Grab anging, gab es nichts, woran wir uns orientieren konnten.
Wir konnten also einfach machen.
Und ich hoffe, daß wir etwas ausgesucht haben, was ihm nicht die Haare zu Berge stehen läßt.
Ich bin jedenfalls froh, daß wir das endlich angegangen sind und komischerweise haben wir gestern sogar sehr viel dabei gelacht – was sicher auch an den tollen Leuten des Steinmetzbetriebs lag, wo wir den Stein ausgesucht haben.

Papa, nach wie vor überwiegt der Wunsch, Dich noch hier zu haben, aber wir tun unser Bestes ohne Dich weiterzumachen, auch wenn es manchmal schwer fällt.
Du bist nicht vergessen!!!

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