Longing – Hampstead Theatre – 2013

IMG_2382_bearbRussland, Ende des 19. Jahrhunderts:
Der erfolgreiche Moskauer Anwalt und Junggeselle Kolia (Iain Glen) wird von seinen ältesten Freunden, dem Ehepaar Tania (Natasha Little) und Sergei (Alan Cox) auf deren Anwesen auf dem Land eingeladen.
Kolia sieht das als willkommene Unterbrechung seines streßigen Alltags an und macht sich auf den Weg um seine Freunde, die er schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, zu besuchen.
Dort sieht er neben Tania und Sergei auch Tanias jüngere Schwester Natasha (Eve Ponsonby) auch Varia (Tamsin Greig) wieder, die auch zu der Freundesclique gehörte und in Kolia verliebt war.
Schnell muss Kolia feststellen, dass sich vieles verändert hat und schließlich offenbaren ihm Tania und Varia, das Sergei Tanias Vermögen durchgebracht hat und das Anwesen vor der Zwangsversteigerung steht.
Kann Kolia helfen und das Anwesen retten? Oder wird der ungehobelte Self-Made-Millionär Dolzikhov (John Sessions) das Anwesen für seine Tochter Kleopatra (Catrin Stewart) ersteigern?

‚Longing‘ ist das Werk von William Boyd, der zwei Kurzgeschichten (A visit to friends, My life) von Anton Tschechow zu einem amüsanten Theaterstück umgeschrieben hat.

Für die allerersten Aufführungen im Hampstad Theatre wurde auf der Bühne ein russisches Sommerhaus nachgebaut, echter Rollrasen verlegt und ein Wäldchen aufgestellt.
Das gab dem Stück eine ganz besondere Note, denn sobald man den Zuschauerraum betrat, roch es nach Gras und Wald und die Vögel zwitscherten.

Natasha Little und Tasmin Greig, die das Stück auf den Stufen des Sommerhauses sitzend eröffnen, haben mir sehr gut in ihren jeweiligen Rollen gefallen.
Vor allem Greig schaffte es mich in jeder ihrer Szenen zu begeistern und das unabhängig davon mit welchem ihrer Kollegen sie gerade agierte und welche Gefühlsregungen sie zeigte.
Sowohl die toughe Ärztin, die in ihrem Berufsalltag mit viel Leid konvrontiert ist, als auch die gute Freundin und die verliebte Frau nahm ich ihr zu jeder Zeit ab.

Alan Cox, der den versoffenen Taugenichts Sergei spielte, machte seine Sache auch gut, auch wenn er für mich neben John Sessions und vor allem gegen Iain Glen etwas verblasste.
Herzlich lachen mußte ich über ihn, als er Iain Glen zu einem Faustkampf provozieren will und dafür eins auf die Nase bekommt giggle Diese Szene war von beiden Herren hervorragend gespielt!!!

John Sessions als ungehobelter Klotz Dolzikhov hat mich öfter schmunzeln lassen, vor allem, wenn er versuchte Französisch zu sprechen – sehr beeindruckend!

Tom Georgeson und William Postlethwaite, die zwei Handwerker spielten und die meiste Zeit des Stücks auf dem Dach des Sommerhauses zubrachten, waren stellenweise für mich schwer zu verstehen, weil vor allem Postlethwaite ziemlich breites Schottisch sprach, aber sie waren gut für ihre Rollen ausgesucht und Tom Georgeson, der stellenweise von seiner Verlobten im Stück, Catrin Stewart, übelst herumkommandiert wurde, hatte die Lacher auf seiner Seite, wenn er verzweifelt sein Gesicht verzog und dann doch brav tat, wie ihm aufgetragen wurde.

Der ganze Cast war sehr gut, aber mein absolutes Highlight war Iain Glen als Kolia.
Die Bühnenpräsenz dieses Mannes ist einfach der Hammer und aus der dritten Reihe mit guter Sicht auf ihn war das fast ein bißchen zu viel für mein armes kleines Herz 😉
Iain darf in dieser Rolle sehr viel lachen, er tanzt,
man hört ihn eine kurze Melodie summen und seine wundervolle Stimme gibt seiner Figur Kolia genau den richtigen Touch.
Besonders schön fand ich die Szenen, in denen er mit der holden Weiblichkeit flirtet.
Aber auch wenn die Unsicherheit seiner Figur durchkommt, er sich mit seinem Freund streitet oder wenn er, ganz der erfolgreiche Anwalt, mit Brille auf der Nase (davon gibt es leider keine Bilder. Ob da wohl jemand ein klein bißchen eitel war?) wichtige Papiere durcharbeitet war er einfach zauberhaft.
Gut unterstützt wurde die großartige Darstellung durch die zeitgenössischen Kleider, die Iain hervorragend tragen (und ausziehen) kann – ich liebe Männer in Weste und Hemdsärmeln!
Am Ende des Stückes hätte ich ihn bzw seine Figur abwechselnd hauen und drücken können und die Schlusszene zwischen Iain und Tamsin Greig, wo beide mit feuchten Augen auf der Bühne standen, war total bewegend.

Insgesamt war ‚Longing‘ ein wundervolles Stück, bei dem viel gelacht, aber auch mal die Stirn gerunzelt wurde und geseufzt wurde, das unterhielt, aber auch nachdenklich machte und das viel zu schnell vorbei war.
Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, das Stück und die großartigen Schauspieler in dieser schönen Kulisse zu sehen und werde sicher noch lange daran zurückdenken.

Wer sich näher über die Inszenierung informieren will, kann das hier auf der Homepage des Theaters tun.
Bilder von den Proben gibt es hier, Behind the scences Fotos gibt es hier und Szenenbilder aus dem Stück gibt es hier.

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13 Antworten zu Longing – Hampstead Theatre – 2013

  1. nettebuecherkiste schreibt:

    Klingt nach einem tollen Abend! LOL, ich versuche gerade, mir Ser Jorah lachend und tanzend vorzustellen 😉

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  2. Herba schreibt:

    Das war er definitiv!
    Ser Jorah tanzt nicht, aber daran ist nur Dany schuld 😉
    Ich kann DIr alerdings Iain in einer anderen Rolle tanzend zeigen – wobei das bei Longing viel toller war, weil sie da Walzer getanzt haben http://www.youtube.com/watch?v=f8jw0jSakEY

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  3. Cat Crawfield schreibt:

    Ich bin gerade echt froh, dass nicht nur ich so in meinen Theaterberichten abschwärme ^^

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  4. Herba schreibt:

    Das war doch nicht abgeschwärmt….ich hab mich extra zurückgehalten 🙂

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  5. nettebuecherkiste schreibt:

    Wow, so hab ich ihn noch nie gesehen 🙂

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  6. Herba schreibt:

    So jung? So normal angezogen? So gut gelaunt?

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  7. nettebuecherkiste schreibt:

    yup, alles davon 😉

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  8. Herba schreibt:

    Ich lass das einfach mal so stehen und frage nicht nach, ob das nun gut oder schlecht ist 🙂

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  9. Cat Crawfield schreibt:

    Dann will ich dich mal im 100%igen Schwärmmodus erleben 😀

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  10. Herba schreibt:

    😆 na, das kann schneller passieren, als du denkst 😉

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