My Fair Lady – Crucible Theatre Sheffield – 2012/2013

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Die junge Blumenverkäuferin Eliza Doolittle (Carly Bawden) bemerkt auf dem Markt einen Herren, der alles was sie sagt in ein Notizbuch schreibt und stellt ihn aufgebracht zur Rede.
Sie hält ihn für einen Polizisten und beteuert, dass sie ein anständiges Mädchen sei!
Henry Higgins (Dominic West), Professor für Phonetik, ist kein Polizist, sondern studiert die Sprache der Unterschicht Londons und ist fasziniert von Elizas fürchterlichen Cockney-Akzent.
Als Eliza Hilfe bei einem vorbeikommenden Besucher der nahen Oper Hilfe sucht und dieser sich als Colonel Pickering (Anthony Calf) der ein Kollege und Bewunderer von Higgins ist, erklärt Higgins diesem, daß er Eliza mit entsprechendem Training innerhalb von sechs Monaten in eine Dame verwandeln könnte.
Die beiden Herren verschwinden in eine angeregte Unterhaltung vertieft und Eliza bleibt allein zurück.
Am nächsten Tag taucht sie bei Professor Higgins zu Hause auf, weil sie seine Worte vom vorangegangenen Abend für bahre Münze genommen hat.
Professor Higgins möchte einen Rückzieher machen, aber Pickering schlägt ihm eine Wette vor:
Wenn Higgins es schafft Eliza nach sechs Monaten bei einem Botschaftsball zu präsentieren ohne das jemand merkt, dass sie aus der Unterschicht kommt, bezahlt er die komplette Ausbildung.
Higgins geht die Wette ein und für Eliza beginnt eine harte Lehrzeit im Haus des eingeschleischten Junggesellen.
Wird sie es schaffen und am Ende eine Dame verkörpern können?

Wer kennt sie nicht die Geschichte und Lieder aus diesem Musical?
Es live im Theater erleben zu können, war ein ganz besonderes Erlebnis für mich!

Das Crucible Theatre hat gemütliche Sitzplätze und die Bühne ist halbrund. Circa 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn begann ein munteres Treiben und Mitglieder des Ensembles bauen Requisiten für den Markt auf, scherzen dabei miteinander und interagieren mit den Zuschauern auf den vorderen Plätzen.

Wenn dann das Licht gedimmt wird und die Musik ertönt, herrscht ein ziemlicher Trubel, sodas der Hauptdarsteller Dominic West von einigen Zuschauern erst einmal unerkannt auf die Bühne kommt.

Zum Glück bleibt Dominic West im Verlauf des Stückes keineswegs so unauffällig wie in den ersten dreißig Sekunden des Stücks 😉
Der Mann verkörpert den Professor genauso glaubhaft wie den strengend Lehrmeister und den an Frauen nicht weiter interessierten Jungegesellen.
Dass West ein großartiger Schauspieler ist, wußte ich aber dass er auch so toll singen kann, war für mich eine Überraschung.
Auch kleinere Pannen (er rutschte zwei Mal aus und legte sich fast auf die Nase, fiel fast vom Sofa und bekam ein Grammophon nicht zum richtigen Zeitpunkt abgestellt) handhabte er mit wahnsinnig viel Können und lies sich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn er schmunzeln mußte.
Er hat viele tolle Szenen, zum Beispiel wenn er die Lieder „Why Can’t a Woman Be More Like A Man?“, „The rain in Spain“ und „She did it“ singt oder wenn er vollkommen verzweifelt und wie ein kleiner Junge ‚Mooooooooooooooooooooooootheeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeer!‘ schreit.
Sein absoluter Höhepunkt war aber die Endszene – einfach großartig, wie er es schafft Gefühle nur mit seiner Mimik und Gestik zu transportieren….Gänsehaut pur!!!

Carly Bawden sagte mir vorher gar nichts und kam mir bei einem Interview, das ich im Vorfeld gesehen hatte etwas blass vor.
Dieser Eindruck bestätigt sich auf der Bühne allerdings keinesfalls. Sie ist sehr jung, muss sich aber im Vergleich zu den alten Schauspielhasen, mit denen sie auf der Bühne steht nicht verstecken.
Zauberhaft stellt sie Eliza dar, sowohl als rüpelhaftes Blumenmädchen als auch als Dame und harmoniert großartig mit Dominic West.
Auch ihre Stimme ist wunderschön. Besonders „Just You Wait“ und „I Could Have Danced All Night“ haben mir wahnsinnig gut gefallen.
Ich wünsche Carly Bawden ganz viel Glück für ihre Karriere und kann mir sehr gut vorstellen, dass man noch einiges von ihr hören wird!

Anthony Calf als Colonel Pickering hat nur eine kleine Rolle, die er aber mit sehr viel Charme und Können ausfüllt. Er hat mir genauso gut gefallen wie Richenda Carey als Mama Higgins und Nicola Sloane als Haushälterin Mrs Pearce.

Auch der komplette Rest des Ensembles ist einfach großartig. Die Tanzszenen wo wirklich alle auf der Bühne stehen sind wundervoll inszeniert, voller Dynamik und sehr eindrucksvoll.

Kulissen und liebevoll gemachte Kostüme vervollständigen das Bild und sind das letzte Tüpfelchen auf dem I, das dieses Theatererlebnis für mich zu etwas ganz besonderem und unvergesslich gemacht haben!!!

Alle Infos zum Stück mit Castliste, Bildergalerie und Trailer beim Crucible Theatre
Die Homepage des Crucible Theatres
Eine Behind-the-scences-Bildergalerie beim Guardian
Ein Artikel im Star über Dominic West

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14 Antworten zu My Fair Lady – Crucible Theatre Sheffield – 2012/2013

  1. diepoe schreibt:

    Jetzt hab ich einen Ohrwurm. Klingt super so wie du die Atmosphäre im Theater beschreibst!

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  2. Herba schreibt:

    Von welchem Lied?

    War es auch….okay bis auf die Frau, die sich von oben bis unten mit schrecklichem Parfum eingenebelt und die Umwelt vollgestunken hat. Allerdings wurde das nach der Pause vom Alkohol, den die Damen vor uns konsumiert haben, überdeckt und alles war gut 🙂

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  3. Moxica schreibt:

    Ich nehme dir nur ungern eine Illusion, aber die von dir beschriebenen „Pannen“ waren genauso geplant. Ich habe sie nämlich auch so gesehen und da kann es wohl kein Zufall sein, sondern pure Absicht. Sorry. Aber das zeigt doch, dass Mr. West ein echt guter Schauspieler ist, dass er jedesmal den Eindruck erzeugen kann, als ob es echt ne Panne wäre.

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  4. Herba schreibt:

    Wow, auch das fast auf die Nase fallen?
    Wieso macht der sowas? Mir ist jedes Mal fast das Herz stehen geblieben! 😆

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  5. diepoe schreibt:

    I could have danced all niiiiiiiiiight

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  6. Herba schreibt:

    Schönes Lied 🙂

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  7. Moxica schreibt:

    Jupp, fast auf die Nase gefallen. Und hat er bei euch auch den Hosenstall nicht gleich zubekommen? Das war an meinem Abend so. Und warum er das macht? Comedy und Unterhaltung? Warum hat wohl das Blumenmädchen darum gemotzt, weil wir ihr keine Blumen abgekauft haben? Die war nicht wirklich sauer, das war alles so geplant. Das einzige, was wohl komplett ungeplant war, war das Verhalten des Vogels im Käfig (glaube ich zumindest).

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  8. Herba schreibt:

    Ob Du es glaubst oder nicht, dass das Motzen des Blumenmädchens gespielt war, war mir auch klar.
    Unklar ist mir, wieso man so tut als würde man auf die Nase fallen, wenn das für das Stück nicht notwendig ist – aber gut, so lange er sich dabei nicht wirklich was getan hat, soll es mir recht sein.

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  9. M schreibt:

    Die Fast-Katastrophen hat er dann aber super gespielt. Ich bin auch drauf herein gefallen.
    Und ich hätte ihm beinahe auch noch Alkoholismus unterstellt… *g*
    Es war eine traumhafte Vorstellung *seufz*

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  10. Herba schreibt:

    Das fand ich auch und ich bin sehr froh, dass ich das mit euch zusammen erleben durfte!

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  11. M schreibt:

    Dito! Ohne Euch wäre es nur halb so schön gewesen. Vor allem das Stalken *g*

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  12. Herba schreibt:

    😆 DAS war eins der Highlights! 😆

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  13. Floradys schreibt:

    Aha? Stalken??
    Gibt´s dazu auch noch einen Bericht? 😉

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  14. Herba schreibt:

    Es gibt auf jeden Fall noch einen Bericht zum letzten Teil der Reise, aber ob ich das mit dem Stalken erzähle, muss ich mir noch überlegen 😆

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