Frankenstein (National Theatre London live)

Im letzten Jahr inszenierte der bekannte Regisseur Danny Boyle das Theaterstück ‚Frankenstein‘, das Nick Dear basierend auf den Roman von Mary Shelley schrieb.
Die beiden Hauptrollen übernahmen Jonny Lee Miller und Benedict Cumberbatch und zum Konzept des Stückes gehört, dass beide Schauspieler sowohl die Rolle von Victor Frankenstein als auch die Rolle der Kreatur beherrschen und diese abwechselnd darstellen.

Das Publikum war begeistert und auch bei den Kritikern kam das Stück gut an.
Aufführungen des National Theatre werden regelmäßig von Kinos in aller Welt live übertragen und seit letztem Jahr nimmt auch ein Kino in meiner Nähe an diesen Übertragungen teil.
‚Frankenstein‘ war das allererste Stück, das live bei uns übertragen wurde.
Leider gab es dabei technische Schwierigkeiten und wir verpassten die ersten 10 Minuten des Stücks.
Darum freute ich mich auch besonders, als ich mitbekam, dass das Stück noch einmal gezeigt werden würde und ich sicherte mir direkt eine Karte für die Vorstellung am letzten Donnerstag.
Wie bei der Übertragung, die ich letztes Jahr gesehen habe, spielte Jonny Lee Miller Frankenstein und Benedict Cumberbatch die Kreatur.
Die Bühne des National Theatre hat einen runden beweglichen Innenteil, auf dem verschiedene Kulissen plaziert sind, und eine wunderschöne Lichtkonstruktion, die immer wieder eindrucksvoll während des Stückes eingesetzt wird.

Das Stück beginnt mit der Lebendigwerdung der Kreatur, der aus einer großen Blase fällt und unbeholfen lernt aufzustehen.
Als Frankenstein dazukommt, ist er einerseits begeistert, dass sein Experiment geglückt ist, andererseits ist er entsetzt, weil das Wesen, dass er geschaffen hat, so hässlich ist.
Er überlässt die Kreatur sich selbst.
Nur mit Frankensteins Mantel bekleidet und komplett auf sich allein gestellt, wandert die Kreatur durch die Welt und lernt die Menschheit von ihrer übelsten Seite kennen. Er wird gefürchtet, geschlagen und immer wieder verjagt.
Da lernt er eines Tages den alten, blinden Gelehrten De Lacey kennen, der ihm unvoreingenommen begegnet und ihn Lesen lehrt.
Der alte Mann findet in der Mantel der Kreatur auch ein Buch von dessen ‚Vater‘ und zeigt ihm den Namen ‚Frankenstein‘.
Als De Lacey darauf besteht, die Kreatur seinem Sohn und seiner Schwiegertochter vorzustellen, kommt es zum Unglück. Die beiden erschrecken und jagen ihn davon und aus Rache brennt er das Haus der Familie nieder und alle kommen um.
Die Kreatur beschließt nun seinen Vater zu suchen und kommt schließlich nach Genf, wo Frankenstein und seine Familie lebt.
Um die Aufmerksamkeit von Victor zu erregen, entführt die Kreatur den kleinen Bruder von Victor und bringt ihn um. Als die beiden schließlich aufeinandertreffen, verspricht die Kreatur, dass er für immer ins Exil geht, wenn Frankenstein ihm eine Gefährtin erschafft.
Widerwillig geht Frankenstein darauf ein, geht nach Schottland und erschafft eine Frau.
Aber kurz vor der Vollendung besinnt sich Frankenstein und zerstört die Frau.
Wie von Sinnen schwört die Kreatur Rache.
Am Hochzeitstag von Frankenstein bringt er die Frau von Frankenstein um. Wie von Sinnen verfolgt Frankenstein ihn daraufhin und im ewigen Eis kommt es zu einem letzten Zusammentreffen des genialen Wissenschaftlers mit seinem Geschöpf…

Letztes Jahr war ich noch skeptisch, ob man im Kino das besondere Theaterfeeling mitbekommt, aber diese Skepsis war unbegründet.
Das Stück ist so intensiv, das diese Intensität auch über die Kinoleinwand transportiert wird.
Benedict Cumberbatch spielt die Kreatur beeindruckend intensiv und hat meine gesamte Bewunderung dafür, dass er fast zwei Stunden lang den motorisch eingeschränkten Menschen überzeugend darstellt, der erst laufen und sprechen lernen muss und dem so gut wie jede zwischenmenschliche Beziehung fehlt.
Jonny Lee Miller hat mir als Frankenstein auch sehr gut gefallen, vor allem, weil er die Wandlung vom überheblichen Wissenschaftler, der Gott spielt, zum verzweifelten Menschen für mich glaubhaft und mit sehr viel Herz darstellt.
Der restliche Cast hat mir auch gut gefallen, bis auf George Harris, den ich für die Rolle als Frankensteins Vater auf Grund seines Akzents nicht gut besetzt fand.
Die Musik von Underworld hat mir auch sehr gut gefallen, war stellenweise bewegend und vor allem das erste Stück klang mir noch lange im Ohr.

Insgesamt war dieses Stück ein ganz besonderes Erlebnis und ich bedaure nur, dass ich die andere Version mit Jonny Lee Miller als Kreatur nicht sehen konnte und dass die Verantwortlichen nicht möchten, daß das Stück auf DVD erscheint.
Ich hoffe, dass mein Kino auch weiterhin an der Live-Übertragung aus London teilnehmen wird!

Edit: Mittlerweile konnte ich auch die andere Version sehen und meine Andrücke davon kann man hier nachlesen.

Nähere Infos über das Stück auf der Homepage des National Theatre (live)
Ein Artikel der die Verwandlung zur Creature beschreibt – mit Bildern
Nähere Infos zu den Liveübertragungen des National Theatres

Der Trailer zum Stück

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7 Antworten zu Frankenstein (National Theatre London live)

  1. Filmliebhaber schreibt:

    Ich freue mich, dass Frankenstein nochmal läuft. Ich habe die ersten beiden Screenings verpasst und bin schon froh, wenn ich überhaupt eine Version zu sehen kriege. Weiß jemand wie die Besetzung am 05.12. ist? Wer was spielt?

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  2. Herba schreibt:

    Das hätte mich auch interessiert, weil ich bis jetzt immer BC als Creature hatte, aber leider habe ich noch nichts herausfinden können

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  3. Filmliebhaber schreibt:

    Also im Cinemaxx vor meiner Haustür ist die Verteilung wie folgt: BC spielt Creature, Herr Miller spielt Viktor Frankenstein

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  4. Herba schreibt:

    Danke für die Info.
    Das wird dann überall gleich sein, denke ich. Schade, ich hätte es gerne mal anders herum gesehen

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  5. Pingback: Frankenstein (National Theatre London live) – Reloaded | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  6. Servetus schreibt:

    I finally saw this during the rebroadcast this week — I had an extremely negative reaction to it. When Cumberbatch isn’t directly mocking someone with a traumatic brain injury (why???? why do this????) he’s just boring. Long stretches of contortions. I thought the script was very flat, too, with many severe clichés. I just don’t get it. I’ve been told multiple times this is his master performance and the thing he will be remembered for and after two hours of this my response is „that’s unfortunate.“

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  7. Herba schreibt:

    @Servetus: Thanks for sharing your thoughts! So sorry to hear that the play/Cumberbatch wasn’t enjoyable.

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