Schauspieler und ihre Rollenauswahl

Ich frage mich immer mal wieder: Wie wählen Schauspieler ihre Rollen aus?

Wenn sie in Interviews danach gefragt werden, hört man oft so etwas wie:
‚Ich suche mir die Drehbücher danach aus, ob ich das dann auch anschauen würde‘,
‚Ich muss Potential in der Figur sehen, die ich spielen soll‘,
‚Die Story, die erzählt wird, muss Anspruch haben‘, etc.
Klingt alles ziemlich gut, oder?

Wie kommt es dann, dass so viele ‚schlechte‘ Filme gedreht werden?
Ist das Empfinden was gut und/oder anspruchsvoll ist, so unterschiedlich?
Die Antwort darauf ist vermutlich: Ja, das ist es.
Aber das scheint mir nur ein Teil der Wahrheit zu sein. In der Natur dieser Sache liegt, dass diese Frage eher bekannten Schauspielerin gestellt wird, die in der sorgenfreien Lage sind, sich aus verschiedenen Drehbüchern ihre Rollen aussuchen zu können und auch mal einen Tiefschlag an der Kinokasse verkraften können.
So ein Fall ist für mich Nicole Kidman. Sie hatte, glaube ich ohne jetzt groß recherchiert zu haben, zwischendurch immer mal Filme, die weder von der Kritik gelobt wurden, noch kommerziell richtig erfolgreich waren und trotzdem denke ich, dass sie sich im Großen und Ganzen ihre Rollen aussuchen kann.
Natürlich ist das nur Spekulation, denn ich bin kein Brancheninsider, weiß nur aus den Medien und aus eigenen Beobachtungen, wie manche Dinge in der Filmbranche funktionieren!

Kann sich ein ‚einfacher‘ Schauspieler, der nicht mehrere Millionen pro Rolle verdient und relativ fest in der Branche etabliert ist, seine Rollen wirklich danach aussuchen, ob sie (s)einem Anspruch genügen ohne fürchten zu müssen, seine Rechnungen nicht bezahlen zu können?
Ich bin mir da nicht so sicher.

Die Filmbranche wird oft als Kunstform verkauft und daher glaube ich, dass viele Zuschauer erwarten, dass die Schauspieler sich wie waschechter Künstler verhalten.
Dieser Erwartungshaltung sind, denke ich, auch die weiter oben erwähnten Antworten geschuldet, zumindest zum Teil. Für mich sind sie ein Wunsch, den jeder Schauspieler hat und vielleicht manchmal ein gewisses Zugeständnis an die Erwartungshaltung des Zuschauer.
Wer würde schon gerne hören: „Also, der Filmdreh hat mir Spaß gemacht und die Kollegen waren sehr nett, aber künstlerisch wertvoll war das nicht und eigentlich hab ich das nur gemacht, weil ich das Geld brauchte…“
Vermutlich käme das weder besonders gut beim gemeinen Zuschauer an, noch bei den Filmverantwortlichen.
Aber wieso eigentlich? Was ist so verwerflich daran, für einen Schauspieler Rollenangebote anzunehmen, die Geld in die Haushaltskasse bringen und sonst nichts weiter?

Versteht mich nicht falsch. Ich finde nicht unbedingt, dass jemand für eine Hauptrolle in einem Film 20 Millionen Dollar verdienen sollte (gilt genauso für Sportler, etc.).
Aber wieso regen sich Fans darüber auf, wenn jemand z.B. eine Rolle in einem Actionfilm übernimmt und sagt:
‚Hey, mir hat das Spaß gemacht, es war eine körperliche Herausforderung, ich kann eigentlich mehr und habe versucht der Rolle mehr Tiefe zu geben, als man das vielleicht normalerweise von Haudraufs gewöhnt ist und ansonsten war das einfach ein Job und der Film hatte keine tiefere Message!‘ ???

Es gibt einige Schauspieler, die ich sehr gern mag und deren Karriere ich mehr oder weniger intensiv verfolge und sicher gibt es Filme, bei denen ich mir denke:
„Och nööööö, was hat er sich nur dabei gedacht?!“ (darunter fallen z.B. Filme mit Aliens, Zombies, Robotern), aber das ist es dann auch schon.
Ich stecke in niemandes Schuhen, habe keine Ahnung von der Filmbranche und traue mir nicht zu, irgendwem (vor allem keinem fremden, erwachsenen Menschen) zu raten, was er tun sollte und welche Rollen er annehmen sollte……….…abgesehen davon fragt mich auch keiner 😉

Jeder sollte eine Meinung haben und sie auch vertreten, aber ich bin doch erstaunt, was sich Fans/Filminteressierte (wie auch immer man sie nennen mag) manchmal zutrauen und mit welcher Vehemenz das vertreten wird.
Da wird locker flockig in aller Ausführlichkeit erklärt, dass dieser oder jener dringend dies oder das tun oder lassen sollte, damit endlich der große Durchbruch kommt.
Diese oder jene Rollenwahl wird als vollkommen unnütz für die anspruchsvolle Karriere abgetan und das alles weil man es ja 1. gut meint, 2. Ahnung hat und 3. der Betreffende selbst immer wieder geäußert hat, wie er sich seine Karriere vorstellt und was er gern tun würde.

Wenn man sich den letzten Teilsatz genauer anschaut, stellt man fest, dass da das Wörtchen ‚würde‘ steht.
Ich würde auch gerne die Ausdauer, die Inspiration und den Mut haben einen Roman zu schreiben, um ihn zu veröffentlichen, damit einen weltweiten Bestseller zu landen und mich nach dem Verkauf der Filmrechte mit mehreren Milliarden auf dem Konto zur Ruhe setzen (Frau Rowling lässt grüßen)

Würde ich dafür die Sicherheit meines festen Jobs aufgeben und riskieren, irgendwann ohne Bestseller, ohne Geld und ohne Job dazustehen?
NEIN, definitiv nicht – dafür bin ich nicht der Typ.
Und ich würde daher dieses Sicherheitsbedürfnis auch niemandem vorwerfen, egal ob er nun Maurer, Physiker oder Schauspieler ist!
Was nämlich passiert denn, wenn ein Schauspieler lukrative Popcornkinorollen ablehnt, um eine Rolle in einem anspruchsvollen Film anzunehmen, sich die Seele aus dem Leib spielt, dafür von drei Kritikern gelobt wird und der Film ansonsten von niemandem geschaut wird und neue Rollen danach ausbleiben?
Okay, das ist jetzt ziemlich überspitzt, aber vielleicht sollte man auch darüber mal nachdenken 😉

Das klingt nun ein bißchen so, als wäre ich vollkommen gechillt, was das Thema Filme angeht. Nun, ganz so ist es nicht. Es gibt da schon auch Dinge in diesem Bereich, bei denen ich emotional werde oder ganz allgemein Urteile fälle, wofür mir eigentlich gar nicht genug Informationen zur Verfügung stehen.
Ein blonder Bond? Ja spinnend die denn????
Simon Baker hat nen Film mit Zombies gedreht????
Die Amerikaner verlegen ihre moderen Version von Sherlock Holmes in die Staaten und Watson ist ne Frau????
Über solche Kleinigkeiten kann ich mich mit Genuss und stundenlang auslassen – fragt jemand der mich kennt 😆

Nun kommt das große ABER 😉
Ich teile Filme und Serien nicht in künstlerisch wertvoll und anspruchsvoll ein, sondern danach ob sie mir gefallen oder nicht.
Ich schaue mir eher Filme mit Schauspielern an, die ich mag, als Filme mit Schauspielern die ich nicht mag – egal wie viele Oscars, Golden Globes oder BAFTAs sie dafür gewonnen haben.
Ich schaue Filme an, die mich ansprechen, egal ob sie gerade angesagt sind oder nicht und egal, ob mich dafür andere für leicht beschränkt halten.
Und vielleicht liegt es daran, dass ich eben kein Urteil darüber fälle, ob das den Schauspieler weiterbringt oder nicht.
Wenn ich jemanden mag, möchte ich, daß er dreht, damit ich mir die Sachen anschauen kann. Und wenn es gut läuft, drehen diese Herrschaften dann auch noch Sachen, die mir gefallen.
Wenn nicht verdrehe ich die Augen, schaue sie mir trotzdem an und zwar so vorurteilsfrei wie möglich und danach kann ich dann kommentieren: gut oder nicht gut.
Und das ist es.
Wenn ich die Wahl habe zwischen Dominic West in Centurion oder in ‚The Wire‘, dann wähle ich jederzeit den Splattersandalenfilm vor der von den Kritikern hochgelobten Serie.
Und wenn ich Colin Firth anschauen will, dann schaue ich eher ‚Was Mädchen wollen‘ als ‚A single man‘.
Colin Firth ist ein gutes Beispiel für einen Schauspieler, der viele tolle Filme gemacht hat…..und vermutlich genauso viel Schrott. Aber ich mag ihn, ob mit oder ohne Oscar und für mich schmällert das Fehlen von irgendwelchen Trophäen nicht das Können eines Künstlers.

Manchmal braucht es vielleicht einfach ein bißchen Verständnis!
Im Hinterkopf zu behalten, daß auch Schauspieler trotz allen künstlerischen Ambitionen Geld verdienen wollen/müssen und nicht jeder eine Spielernatur ist und gerne riskiert irgendwann ohne Job dazustehen, kann sicher nicht schaden.
Und in Betracht zu ziehen, daß da jemand aus gutem Grund eine Entscheidung so getroffen hat, wie er sie getroffen hat, auch wenn sie für den anderen vollkommen dämlich und nicht nachvollziehbar erscheint und man selbst das selbstverständlich ganz anders und viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel besser entschieden hättet, schadet sicher auch nicht 😉
Manchmal ändern sich auch Wünsche und Ambitionen, also sollte man eventuell irgendwelche Aussagen, die vor Jahren mal in Interviews getätigt wurden, nicht Jahre später immer wieder mahnend zitieren.
Vor allem zahlt sich meistens aus, nicht zu harsch und standhaft über Dinge zu urteilen, über die man nur wenige bis gar keine Informationen hat.
Und wenn einem das alles nicht gelingt, weil man nicht will oder kann, ist es vielleicht Zeit seine Aufmerksamkeit und Energie auf jemanden zu richten, der bessere Karriereentscheidungen trifft und mehr Wert auf künstlerische Entwicklung im Beruf legt.
Das ist jedenfalls meine Meinung, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit 😉

Ich würde zu gern mal bei irgendwelchen Vertragsverhandlungen zu einer Filmbesetzung Mäuschen spielen, da hätte man dann mehr Hintergrundwissen und könnte etwas Sinnvolles beitragen, wenn darüber diskutiert wird, wer, wann, wieso, welche Rolle angenommen hat.
Aber so lange das nicht passiert ist, bewahre ich mir meine Einstellung und hab einfach so viel Spaß an Filmen und Serien wie es geht 🙂

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3 Antworten zu Schauspieler und ihre Rollenauswahl

  1. Caledonia schreibt:

    Recht hast’e *Daumen hoch*

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  2. Andrea schreibt:

    wow…respekt! Und ja, genauso ist es……

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  3. maja schreibt:

    ein schauspieler muss froh sein, wenn er überhaupt eine rolle bekommt, überleg mal wieviele es gibt. da kann man sich die rollen sicherlich nicht aussuchen wenn man geld verdienen will und muss. du hast auch sicherlich das Wissen, daß es tausende arbeitslose schauspieler gibt. und jeder trÄjumt den Traum mal ein Star zu sein.

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